Potsdam – Der ungewöhnlich milde Herbst gefährdet die ohnehin durch Schadstoffe geschädigten Wälder. Besonders Laubbäume kämen wegen der anhaltend hohen Temperaturen nicht zur Winterruhe und verbrauchten ihre für den Austrieb der Blätter im kommenden Frühling nötige Kraft bereits jetzt, erklärten Waldökologen der Landesforstverwaltung Brandenburg am Freitag in Eberswalde. Die kurze Abfolge mehrerer meteorologischer Extremjahre potenziere die Schäden, da sich die Bäume nicht von den Folgen erholen könnten.
Als Besorgnis erregend werteten die Fachleute auch die besonders in Ostdeutschland ausbleibenden Niederschläge. An der Wetterstation Angermünde in Nordostbrandenburg etwa registrierten sie in den vergangenen Herbstmonaten September, Oktober und November nur 395 Millimeter Niederschlag. Der Wert sei typisch für Steppenklima, hieß es. Messungen auf einer Versuchsfläche in Eberswalde ergaben, dass nach dem fehlendem Regen im vergangenen Sommer und vor allem im Herbst die oberen Schichten des Bodens weitgehend ausgetrocknet sind.
In vielen Gebieten Brandenburgs führt der Niederschlagsmangel auch dazu, dass der Grundwasserspiegel weiter sinkt und Waldmoore austrocknen. Da die meisten Baumarten in etwa 60 Zentimetern Tiefe wurzelten, könnten sie kaum noch Wasser aufnehmen, erklärten die Forstexperten. Um sich allein von einem Extremjahr zu erholen, benötige ein Baum mindestens vier bis sechs Jahre. Schon die Jahre vor 2006 werteten Meteorologen jedoch in weiten Teilen Ostdeutschlands als zu trocken. Klimawissenschaftler beurteilen dies als Zeichen für den Klimawandel.
Als Folge der extremen Witterung prognostizierten die Forstexperten für die kommenden Jahre eine nachlassende Vitalität besonders bei Eichen und Buchen. Das kann unter anderem dazu führen, dass die Bäume mangels Kraft noch anfälliger auf Umweltschäden wie sauren Regen und die Verunreinigung des Grundwassers reagieren.
(AP)
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