Aktuelle Nachrichten – Konjunktur
16.04.2012
Foto: Paul Zinken/dapd
Berlin – Ein verlässliches Konzept der deutschen militärischen Luftfahrt-Strategie hat die Luft- und Raumfahrt-Industrie gefordert. Wegen Bundeswehrreform und Sparkurs bangten kleine Firmen um ihre Existenz, sagte der Vizepräsident des Bundesverbandes der deutschen Luft- und Raumfahrt-Industrie (BDLI), Arndt Schoenemann, am Montag in Berlin. Die Branche insgesamt wuchs 2011 gleichwohl um 4,1 Prozent auf einen Gesamtumsatz von 25,7 Milliarden Euro. Der BDLI stellte vergleichbares Wachstum auch für dieses Jahr in Aussicht.
Schoenemann zufolge sind die Folgen der Entwicklung für die Bundeswehr "kaum absehbar". Die Industrie verliere ihre Betreuungsfähigkeit, und Know-how werde aufgegeben. "Wir stehen in einem heftigen Gewitter", sagte BDLI-Präsident Thomas Enders. Er riet der Bundesregierung, die Beschränkung der Beteiligung ausländischer Investoren an Rüstungsfirmen auf unter 25 Prozent zu lockern. Die Industrie sollte die "volle Verfügbarkeit über ihr Eigentum" zurückerlangen. Die militärische Luft- und Raumfahrt musste 2011 Umsatzeinbußen von 1,1 Prozent hinnehmen.
Die Zivil-Luftfahrt wuchs vergangenes Jahr um 6,2 Prozent. Damit stelle die Branche mit einer Auftragsreichweite von bis zu acht Jahren etwa bei Airbus ihre Rolle als Wachstumsmotor unter Beweis. Die fiskalischen und bürokratischen Hemmnisse wie die Einbeziehung des europäischen Luftverkehrs in den Emissionshandel seien dabei nur von marginaler Bedeutung dank der globalen Ausrichtung der Industrie, sagte der amtierende Airbus- und designierte EADS-Chef Enders. Höhere Auslieferungszahlen der großen Flugzeugkonzerne garantierten ein solides Wachstum.
Die Raumfahrt führte er als Beispiel an, wie ein nationales Strategiekonzept die deutsche Führungsrolle nachhaltig festigen könne. "Wir haben eine solide Haushaltslage seit 2005", bilanzierte er und richtete in dieser Sache seinen "aufrichtigen Dank" an die Bundesregierung.
Das Raumfahrt-Segment verzeichnete ein Umsatzplus von 3,7 Prozent und ein weit überdurchschnittliches Wachstum der Beschäftigtenzahlen um 12,2 Prozent auf 7.500 Arbeitskräfte. BDLI-Hauptgeschäftsführer Dietmar Schrick nannte das eine "Bugwelle" im Vorgriff auf bereits feststehende Aufträge, die nun abgearbeitet würden.
(dapd)
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