Aktuelle Nachrichten – China
30.09.2009
Peking – Straßen und Sehenswürdigkeiten gesperrt, Geschäfte und Garküchen geschlossen, Drachensteigenlassen verboten: Zum 60. Gründungstag der Volksrepublik China am Donnerstag hat Peking strenge Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Die mit immensem Aufwand vorbereiteten Feierlichkeiten mit Militärparade und Feuerwerk sollen mindestens so spektakulär werden wie die Eröffnungsveranstaltung der Olympischen Spiele im vorigen Jahr.
Die Pekinger Innenstadt war am Mittwoch dicht; der Platz des Himmlischen Friedens ebenso wie die Große Halle des Volkes, die Verbotene Stadt und andere Touristenziele von Polizei abgeriegelt. Viele Hotels und Restaurants, Cafés und Geschäfte bis hin zum Souvenirladen vor allem am Chang-An-Boulevard, der wichtigsten Ost-West-Achse, hatten geschlossen.
Viele Kreuzungen entlang der Paradestrecke wurden von Einsatzkommandos der Polizei mit Helmen und gepanzerten Fahrzeugen bewacht. U-Bahn-Fahrgäste mussten Sicherheitsschleusen passieren und ihre Taschen durchleuchten lassen. Die meisten U-Bahnhöfe in der Gegend des Tiananmen sollten spätestens Donnerstagmorgen geschlossen werden. Seit Wochen schon durften selbst in großen Supermärkten keine Messer mehr verkauft werden. Um Gefährdungen des Luftraums zu vermeiden, wurde den Einwohnern Pekings untersagt, Drachen steigen zu lassen. Bewohner der Diplomaten-Appartements an der Paradestrecke bekamen Anweisung, während der Veranstaltung nicht die Fenster zu öffnen oder auf den Balkon zu treten.
Für die Demonstration militärischer Stärke wurde seit Wochen geprobt. Unter anderem übten Kampfflugzeuge und Hubschrauber Formationsflüge über der Stadt. Neben der militärischen ist auch eine „zivile“ Parade mit rund 100.000 Teilnehmern und 60 Wagen geplant. Zur Show gehören 5.000 Kinder mit Luftballons, zehntausende Tauben und ein Tausende zählender Chor, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua ankündigte. Vor den Paraden wird eine Rede von Staatspräsident Hu Jintao erartet. Das große Feuerwerk am Abend verantwortet Regisseur Zhang Yimou, der schon die Eröffnungs- und Schlusszeremonie der Olympischen Spiele gestaltet hatte.
Trüben könnte das Spektakel dichter Nebel, wie er am Mittwoch über Peking lag. Für klare Sicht standen Flugzeuge bereit, um erforderlichenfalls Wolken mit Silberiodid zu „impfen“ und so zum abregnen zu bringen.
Das Ausmaß der Feierlichkeiten entspricht dem Nationalstolz vieler Chinesen auf die Errungenschaften seit Gründung der Volksrepublik am 1. Oktober 1949, auf den Aufstieg aus der Armut zu wirtschaftlicher und politischer Größe. Mit patriotischen Klängen überraschte auch die Mobilfunkgesellschaft China Mobile ihre Handy-Kunden: Als Klingelton erschallt neuerdings gratis der Pop-Song „Guojia“ (Nation) von Filmstar Jacky Chan.
Die Pekingerin Cui Jun findet es ganz richtig so, den Jahrestag der Staatsgründung mit einer Militärparade zu begehen. „In Zukunft sollten sie noch größer sein“, sagt die 65-Jährige. „Wenn wir keine starke Landesverteidigung und fähige Volksarmee haben, wie sollen wir dann Frieden und Sicherheit haben?“
„Ich wünsche unserem großen Vaterland Wohlstand und Wohlergehen“, bekundete Zhang Xiaojing, einer der Mitarbeiter, die am Nordende des Tiananmen-Platzes Sitzgelegenheiten für die geladenen Gäste der Jubelfeier aufstellten. „Ich nehme teil, ich trage etwas bei, das ist mir eine Ehre.“ Tausende freiwillige Helfer waren beauftragt, die mit Flaggen, Blumen und Plakaten geschmückte Stadt sauber zu halten. Rund 30.000 Personen waren zur Teilnahme an der Feier eingeladen. Den Einwohnern Pekings riet die Polizei dagegen, zu Hause zu bleiben und sich die Übertragung im Fernsehen anzuschauen. (AP)
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