Aktuelle Nachrichten – Wirtschaft
12.01.2010
Düsseldorf (apn) Wirtschaftskriminalität versucht allein in Deutschland jedes Jahr Schäden in Milliardenhöhe. Fast 40 Prozent aller Firmen waren schon einmal Opfer von Betrug, Diebstahl, Unterschlagung oder Untreue, wie eine am Dienstag veröffentlichte Studie der Unernehmensberatung KPMG ergab. Immer öfter wird dabei vor allem das Internet genutzt. Dennoch unterschätzen der Befragung zufolge gerade mittelständische Betriebe die Gefahr, Opfer von Wirtschaftskriminellen zu werden.
Mehr als die Hälfte von ihnen glaubt demnach, dafür weniger anfällig zu sein als Großunternehmen. Inhaber- oder familiengeführte Unternehmen setzten bei ihren Mitarbeitern auf das Vertrauensprinzip und machten sich damit angreifbar, erklärte Frank Hülsberg, KPMG-Leiter des Bereichs Forensic. Grundlegende Kontrollmechanismen wie Funktionstrennung und das Vieraugenprinzip würden oft vernachlässigt.
Bei jedem dritten mittelständischen Unternehmen wurden in den vergangenen Jahren laut Umfrage Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse oder Schutz- und Urheberrechte verletzt. Gerade in Krisenzeiten blühe das Geschäft mit dem Verkauf sensibler Informationen an Wettbewerber oder Kriminelle, erklärte Hülsberg. „Heutzutage passen selbst die komplexesten Konstruktionspläne auf einen USB-Stick und damit in jede Westentasche“, betonte er. Datendiebstahl und Industriespionage würden zum Kinderspiel werden, wenn die Kontrollen versagten.
Nur ein gutes Drittel der mittelständischen Betriebe gab der Studie zufolge an, über Schutzkonzepte für vertrauliche Unterlagen zu verfügen. Die Aufdeckung von Wirtschaftskriminalität sei in fast jedem zweiten Fall, „Kommissar Zufall“ zu verdanken. Bei Großunternehmen hat laut KPMG inzwischen jedes zweite entsprechende Schutz-Strukturen geschaffen.
Die klassischen Vermögensschädigungen wie Betrug, Diebstahl oder Unterschlagung und Untreue stellen der Studie zufolge nach wie vor die am häufigsten auftretenden Delikte dar. Deutlich zugenommen hätten auch Geldwäsche sowie die Fälschung von Jahresabschlüssen sowie Finanzinformationen. Besonders betroffen von Wirtschaftskriminalität sind demnach das Finanz- und Rechnungswesen sowie das Kreditgeschäft.
Zu den den häufigsten Delikten im Internet zählen laut Studie unter anderem Identitätsdiebstahl, das betrügerische Anbieten von Waren, Dienstleitungen oder Kreditkartenbetrug.
Durch die zunehmende Verlagerung vieler Geschäfts- und Abwicklungsprozesse in das Internet wachse die potenzielle Angriffsfläche der Unternehmen, erklärte Hülsberg. Insgesamt gehen mehr als zwei Drittel der Befragten davon aus, dass das Ausmaß wirtschaftkrimineller Handlungen in Zukunft weiter zunehmen wird.
Für die Studie befragt wurden laut KPMG rund 300 Führungskräfte in Unternehmen aller Branchen und Größen. (AP)