Technik - Aktuelle Nachrichten – Mit dem U-Boot Marke Eigenbau auf Tauchfahrt – Simon Kremer
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Aktuelle Nachrichten – Technik

Mit dem U-Boot Marke Eigenbau auf Tauchfahrt

Simon Kremer

12.08.2007

Kiel – Nach New York kann er in seinem Taxi nicht fahren. Mit seinem U-Boot Marke Eigenbau taucht Michael Henrik Schmelter derzeit nur in der Kieler Förde und zeigt seinen Fahrgästen die tiefgrüne Ostsee. Doch wenn seine Idee Anklang findet, möchte er die heimischen Gewässer verlassen und seine Tauchfahrten im Mittelmeer anbieten.

Nur ein paar hundert Meter Luftlinie von der größten deutschen U-Boot Werft in Kiel entfernt hängt „2Dive“ an zwei Seilwinden unter den Planken eines Holzstegs. Die beiden Plexiglaskuppeln obenauf, darunter der bauchige gelbe Rumpf, die Bleigewichte an der Seite, umspülen die Wellen das 2,75 Meter lange Gefährt und warten hier auf die nächsten Besucher.

Vor fünf Jahren hatte Schmelter, der Diplom-Ingenieur für Schiffbau und Meerestechnik ist, mit dem Bau seines eigenen U-Bootes begonnen. Es sei das Thema seines Examens gewesen. „Für das war der Bau eigentlich gar nicht erforderlich“, betont Schmelter. „Aber ich wollte für mich ausprobieren, ob es möglich ist, ohne große Werft ein U-Boot zu bauen.“ Es ist möglich. Sechs Monate und 40.000 Euro Materialkosten später sei „2Dive“ fertig gewesen, erzählt Schmelter. Vor einem Jahr hat er das Strandbad Holtenau gekauft, direkt am Nord-Ostsee-Kanal. Seitdem ist es der Ausgangspunkt für die Ausflüge.

„Die Stille ist das Coolste an der Fahrt“, sagt Schmelter. Der Rest sei mittlerweile Routine. Über 150 Tauchfahrten hat er hinter sich. „Mir kam es in erster Linie nur auf den Bau und die Technik an.“ Sehen könne man unter Wasser ohnehin kaum etwas in der Ostsee – diese sei wie eine Erbsensuppe wegen der Schwebeteile im Wasser. „Aber wenn der Motor aus ist und man wirklich gar nichts mehr hört, wenn man total abgeschnitten ist von der Welt, dann ist das ein unglaubliches Gefühl“, unterstreicht Schmelters Frau Sonja.

Sie steht bei jeder Fahrt auf dem Steg, beobachtet die auf dem Wasser tanzende rote Boje, die die Position des Bootes anzeigt, und hält Funkkontakt. „Wenn Michael sich zehn Minuten nicht meldet, dann schicke ich den Taucher los.“ Bei jeder Fahrt stünden ein Rettungstaucher und ein kleines Boot bereit. „Falls sich das U-Boot mal am Boden verheddern sollte, kann der Taucher die Bleigewichte von außen herausnehmen. Dann taucht es alleine auf.“ Bislang sei aber noch nichts passiert.

High-Tech sucht man an Bord vergebens

Mit diesen Sicherheitsmerkmalen erfülle „2Dive“ die Richtlinien des TÜV und gehe sogar über die geforderten Auflagen der Germanischen Lloyd hinaus, sagt Schmelter. Dennoch sucht man High-Tech vergebens an Bord des Schiffes. Dort gibt es fünf Druckluftanzeigen, zur Navigation Echolot, GPS, Tiefenmesser und einen Kompass. Die vier Elektromotoren schafften unter Wasser sechs bis acht Stundenkilometer. Wegen der geringen Motorleistung brauche man daher auch keinen Führerschein, betont der 43-jährige Ingenieur. „Das Boot ist extra dafür ausgelegt, dass es nach einer kurzen Einführung jeder Laie selbst steuern kann.“

Vom Komfort her erinnert „2Dive“ dann aber doch an die großen Vorbilder. Eng ist es, der Platz reicht für zwei Personen. Sie sitzen auf einer kleinen Holzbank und müssen von Zeit zu Zeit die Scheiben mit einem Handtuch frei wischen.

Für die Ausflüge hat Schmelter ein kleines Areal um sein Strandbad gekauft, in dem sonst kein Schiffsverkehr stattfindet. Bis zu 30 Meter fährt er hinaus, aus Sicherheitsgründen geht es nicht weiter. Zwei Stunden reichten die Batterien, sagt der Tüftler. Runter gehe es in der Ostsee bis auf sechs Meter Tiefe. Ausgelegt sei „2Dive“ für hundert Meter. „Aber was will man da unten?“, fragt Schmelter. „So tief sieht man eh nichts.“ Ab und an schwömmen mal eine Qualle oder ein paar Fische vorbei, der Rest sei ein Ausflug ins Grüne.

Den können ab der kommenden Saison interessierte Urlauber bei ihm buchen. 295 Euro koste eine Fahrt mit ausführlicher Einweisung und einer halben Stunde unter Wasser. Ab und an geht Schmelters Blick über die Wasserfläche, rüber zur großen U-Boot-Werft. Neidisch sei er aber nie, sagt er: „Die großen Tauchboote haben ja noch nicht mal ein Fenster.“

http://www.u-boot-fahren.de (AP)

 

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