Fernreisen - Die Welt entdecken – Mit dem Zug an Schnee und Palmen vorbei – Daniel Rademacher
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Mit dem Zug an Schnee und Palmen vorbei

Daniel Rademacher

09.05.2007

Kyle of Lochalsh ist Endstation der 'Kyle Line' die durch die schottischen Highlands fuehrt. Die rund 130 Kilometer lange Bahnstrecke von Inverness nach Kyle of Lochalsh, dem Tor zur beliebten Urlaubsinsel Skye, gehört wohl zu einer der landschaftlich reizvollsten Bahnstrecken im gesamten Koenigreich. (AP Photo/Daniel Rademacher)
Kyle of Lochalsh ist Endstation der 'Kyle Line' die durch die schottischen Highlands fuehrt. Die rund 130 Kilometer lange Bahnstrecke von Inverness nach Kyle of Lochalsh, dem Tor zur beliebten Urlaubsinsel Skye, gehört wohl zu einer der landschaftlich reizvollsten Bahnstrecken im gesamten Koenigreich. (AP Photo/Daniel Rademacher)

Inverness – Die Fahrt beginnt unspektakulär. Häuser ziehen vorbei, Weiden mit Schafen, hier und da ein Bächlein. Doch das Staunen wird größer, je länger der Trip von Inverness, der Hauptstadt der schottischen Highlands, bis an die Westküste dauert. Spätestens wenn der Zug die scheinbar letzten Posten der Zivilisation hinter sich lässt und seinem Weg quer durch das Hochland folgt, kann man sein Buch getrost zur Seite legen. Denn was da durchs Fenster zu sehen ist, fesselt mehr als ein spannender Krimi.

Die rund 130 Kilometer lange Bahnstrecke von Inverness nach Kyle of Lochalsh, dem Tor zur beliebten Urlaubsinsel Skye, gehört wohl zu einer der landschaftlich reizvollsten Bahnstrecken im gesamten Königreich. Denn das atemberaubende Panorama der „Kyle Line“ hat einiges zu bieten. Auf welcher Reise bekommt man schon innerhalb von zweieinhalb Stunden Schnee und Palmen nacheinander geboten?

Der Zug erklimmt nach der Abfahrt in Inverness so manchen Höhenmeter und kämpft sich durch das malerische wie ruppige schottische Hochland. Vorbei fährt er an Orten wie Muir of Ord oder Dingwall, wo in einer Burgruine die Geburtsstätte von König Macbeth vermutet wird. Von dort geht es in Richtung Westen. Eine hügelige Heide-Landschaft, nur vereinzelte Nadelbäume und die unbeschreibliche Weite sind vom Zug aus zu bestaunen. Auf den Gipfeln glänzt der Schnee in der Sonne, während längs der Strecke der gelbe Ginster blüht.

Heutzutage nutzen vor allem Touristen die Strecke quer durch die unwegsamen Highlands. Sie hat aber schon eine mehr als 100-jährige Geschichte hinter sich. Damals war das Ziel eigentlich, die Insel Skye mit Inverness zu verbinden. Angesichts der abgeschiedenen Lage und des nicht gerade baufreundlichen Terrains dauerte die Fertigstellung Jahre. Der erste Zug von Inverness nach Kyle konnte erst 1897 fahren. Zwar waren die Arbeiter schon seit 1870 am Werk. Endstation war aber über Jahre in Stromeferry, einige Kilometer vor dem eigentlichen Ziel.

Nicht nur die Natur bereitete den Eisenbahnern damals Kopfzerbrechen. Auch so mancher Großgrundbesitzer stellte sich stur und verbot es, Schienen durch sein Land zu legen. Die Folgen sind mitunter abenteuerliche Umwege, der eine oder andere eigentlich überflüssige Tunnel und eine längere Reise. Doch ausnahmsweise dürfen sich die Reisenden darüber in diesem Fall freuen.

Seen und Berge wechseln sich auf dem Mittelteil der Strecke ab. Kleine Flüsse nagen sich durch die Landschaft, und kilometerweit ist nicht ein einziges Haus zu sehen, genauso wenig Straßen oder auch nur ein bloßer Feldweg. So ist es längst nicht selbstverständlich, dass der Zug auch an jeder angegebenen Station hält. Man muss schon genau in den Fahrplan schauen. Dort erinnert eine Markierung hinter den Ortsnamen die Reisenden daran, dass sie besser dem Lokführer Bescheid geben, wenn sie hier aussteigen wollen. Ansonsten rauscht der Zug an den meist nur aus einem kleinen Büdchen bestehenden Bahnhof kurzerhand vorbei.

Abenteuerliche Steilhänge und riesige Buchten

Nach der Station Achnasheen überquert der Zug die Wasserscheide zwischen Nordsee und Atlantik und nimmt Kurs auf Loch Carron, das man zunächst für einen sehr großen See halten könnte. Doch wer genau hinsieht, bemerkt, dass hier die Gezeiten am Werk sind. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass es sich eben nicht um einen See handelt, sondern um eine sehr weit ins Landesinnere reichende Bucht. Entlang der Küste geht es an abenteuerlichen Steilhängen entlang weiter in Richtung Atlantik.

Sehenswert ist eine der letzten Stationen vor dem Ziel: Plockton. Der Bahnhof des kleinen Örtchens empfängt die Reisenden mit Palmen. Der Golfstrom macht's möglich.

Schließlich rollt der Zug in die Endstation von Kyle of Lochalsh ein. Viele Schottland-Touristen steuern dieses Ziel eigentlich nur an, um über die Skye-Bridge auf die Hebriden zu fahren. Einmal in Kyle angekommen, lohnt sich aber eine Fahrt mit dem dort vor Anker liegenden Erkundungsboot. Denn man kann ins Innere hinabsteigen und durch die verglasten Bootswände die Unterwasserwelt beobachten. Mit ein wenig Glück schaut auch die eine oder andere Robbe vorbei.

Die Zugfahrt auf der „Kyle Line“ und zurück kostet umgerechnet rund 30 Euro. Pro Tag verkehren aber nur wenige Züge, so dass der Trip gut geplant sein will.

http://www.kylerailway.co.uk

http://www.firstgroup.com/scotrail (AP)

 

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