Panorama - Aktuelle Nachrichten – Mit feurigem Chili-Eis gegen die Hitze – Jenna Günnewig
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Aktuelle Nachrichten – Panorama

Mit feurigem Chili-Eis gegen die Hitze

Jenna Günnewig

21.07.2006

Düsseldorf - «Pokémon-Eis - was soll das? Welche Chemikalien tun die da rein, um diese Farbe hinzubekommen?» Eis-Spezialist Daniele Da Forno ekelt sich vor künstlichem Eis. Er poliert noch ein wenig an der ohnehin schon blitzblanken Eismaschine herum und erklärt: «Über all die Jahre hinweg verkauft sich Vanille am besten. Und natürlich die Klassiker Schokolade und Zitrone.»

Die Einschätzung des Düsseldorfer Eis-Spezialisten bestätigt auch Carola Herckelrath vom Eis Info Service (E.I.S.): «Vanille, Schokolade, Stracciatella und Erdbeere liegen bei den Deutschen noch immer unangefochten an der Spitze.» E.I.S. ist eine Informationsstelle deutscher Markenhersteller. Nach ihrer Statistik gönnt sich jeder Deutsche durchschnittlich acht Liter Eis im Jahr - und das konstant seit zehn Jahren.

«In langen, heißen Sommern steigt der Verbrauch - das ist deutlich erkennbar», sagt Herckelrath. Das Jahr 2006 fing für die Eishersteller nicht grade rosig an, die Temperaturen waren definitiv zu eisig. Das aktuelle Wetter ist dagegen verkaufsfördernd. Bleiben die Temperaturen in den nächsten Wochen auf Rekordniveau, könnte 2006 den Jahrhundertsommer 2003 toppen. Das würde die Eishersteller freuen: Sie verkauften 2003 im Durchschnitt 0,7 Liter mehr.

18 Eissorten gibt es in der Düsseldorfer «Gelateria Da Forno». Seit 1912 wird die Eisdiele als Familienbetrieb geführt, sie ist damit eine der ältesten in Deutschland. Daniele Da Fornos Großvater wanderte um 1900 ein und fing mit dem Straßenverkauf von Eis an, 1912 eröffnete er seinen Laden. Sein Enkel Daniele führt das Café noch heute und verrät gerne sein Erfolgsrezept: «Wir nehmen nur Originalzutaten. Also echte Vanilleschoten anstatt Vanillepulver, Blockschokolade, Nüsse und Früchte. Die Kunden schmecken den Unterschied!»

Italienische Eis-Kultur hoch in Kurs

Um den Verkauf anzukurbeln werden immer verrücktere Sorten erfunden: Chili-, Käse- oder Cookies-Eis - laufend kommen neue Kreationen auf den Markt. «In punkto Geschmack liegt zurzeit die italienische Note hoch im Kurs, also Latte Macchiatto, Cappuccino und Co», erklärt Herckelrath. Auch altbekannte Klassiker wie Schokolade, Erdbeere und Vanille würden neuerdings mit Frucht- und Gebäckstücken aufgemotzt. Außerdem stößt man im Supermarkt auf Sorten wie «Cookie Dough» mit Stückchen aus ungebackenem Muffinteig, oder Kreationen mit Amaretto, Rocher oder Jogurt-Feige.

Auch bei dem Traditionsunternehmen «Da Forno» ist man tendenziell aufgeschlossen gegenüber neuen Sorten. «Natürlich probieren wir neue Sachen. Wir wollen nur, dass es authentische Sorten sind.» Vor 30 Jahren habe sein Vater mal ein Gorgonzola-Eis kreiert. «Ist aber schlecht gelaufen», erzählt der Sohn.

Vielleicht war er einfach seiner Zeit voraus? Noch nie gab es so viele kuriose Sorten wie in diesem Jahr. Herckelrath macht aber noch einen weiteren Trend aus: Fettfrei soll Eis neuerdings sein. Die Hersteller reagierten damit auf das gestiegene Ernährungsbewusstsein der Verbraucher. «Außerdem geht der Trend auf jeden Fall zu zuckerreduzierten Produkten,» sagt Herckelrath. Die neuen Eiskreationen schwimmen also auf der Wellnesswelle - sogar Aloe-Vera-Eis wird verkauft.

So weit gehen die Da Fornos mit ihren Neuerungen dann doch nicht, doch die kleine Eisdiele läuft auch so. Und wenn das mit dem Jahrhundertsommer doch nichts wird? Da Forno bleibt gelassen: «Diese Eisdiele hat zwei Inflationen und zwei Weltkriege überlebt, da lassen wir uns doch nicht von einem schlechten Sommer klein kriegen!»

(AP)

 

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