Foto: dapd/Sebastian Willnow
Leipzig – Der Fernsehjournalist Wolf von Lojewski beschrieb das Galerie-Hotel Leipziger Hof einmal so: "Es ist nicht das größte oder teuerste aller Hotels, aber eines der anregendsten, gemütlichsten, interessantesten." Sein Alleinstellungsmerkmal ist dabei nicht, dass es seinen Gästen Kunst präsentiert, das tun andere Häuser in anderen Städten auch. Aber es ist vermutlich das einzige, das eine thematische Sammlung zu der Stadt hat, in der es steht.
Klaus Eberhard heißt der Mann, der es vor nunmehr 20 Jahren gegründet hat. Dass der Münchner ausgerechnet nach Leipzig kam, war seinen Angaben zufolge reiner Zufall. "Ein Freund von mir hatte Familie hier in Leipzig und sagte nach der Wende, du musst mitkommen, wir müssen dort etwas machen", berichtet der ehemalige Physikprofessor. Und so erwarb er 1990 die damals noch als Wohn- und Geschäftshaus betriebene Immobilie im Stadtteil Neustadt.
Es hätten schwierige Verhältnisse geherrscht damals, es seien zahlreiche Glücksritter unterwegs gewesen. Da die DDR noch existierte, musste Eberhard für den Kauf eine wesentlich höhere Grunderwerbssteuer bezahlen, als sie im Westen erhoben worden wäre. "Es war aber auch eine sehr gute Zeit, weil jeder etwas bewegen wollte und auch die Ämter sehr zugänglich waren."
Nachdem die Entscheidung gefallen war, dass das Gebäude zu einem Hotel werden sollte, war auch schnell klar, dass dort Leipziger Kunst gehängt werden würde. "Ich schätze die Leipziger Schule und auch die Neue Leipziger Schule sehr", sagt Eberhard. Zwei Bilder von Wolfram Ebersbach waren es seiner Erinnerung nach, die als erste an den Wänden des Hotels hingen. Inzwischen umfasst seine Sammlung rund 450 Werke von mehr als 100 verschiedenen Malern.
Nicht nur in den Zimmern und Fluren des Leipziger Hofs hängen die Bilder, auch in einer Galerie, die dem Hotel angeschlossen ist, zeigt Eberhard in wechselnden Ausstellungen die Werke der Künstler. Auch wenn er eigentlich niemanden besonders hervorheben will, ringt er sich doch durch und benennt einige, denen er besonders verbunden ist. "Zu den Favoriten, die ich sammle und in den Ausstellungen zeige, gehören Arno Rink, Sighard Gille, Neo Rauch, Michael Triegel und Markus Bläser", zählt er auf.
Auch wenn der Leipziger Osten nicht den allerbesten Ruf genießt, laut Eberhard schätzen seine Gäste die Nähe zum Bahnhof, zur Innenstadt und zur Leipziger Messe. "Das Schlimmste für ein Kunsthotel wäre, in einem Nobelviertel zu liegen", ist er überzeugt. Seinen Angaben zufolge hat sein Haus mit 68 Zimmern und fünf Suiten, darunter eine historische DDR-Suite, stets eine bessere Auslastung aufzuweisen als die Hotels in der Innenstadt.
Kurz nach dem Start war das Hotel in dem Gründerzeitviertel zu einem Kristallisationspunkt geworden. Eberhard schwebte vor, die Hedwigstraße zu einer Kulturmeile zu entwickeln. Für den künstlerischen Nachwuchs sollte es kleine Ateliers geben, doch der Plan scheiterte an der damaligen Strategie der Leipziger Wohnungsbaugesellschaft, die Teile ihres Immobilienbestandes lieber verkauft statt zu sanieren. "Viele der Künstler, die sich damals für das Projekt interessiert haben und hier ins Viertel wollten, sind jetzt in Plagwitz gelandet", erzählt Eberhard. In dem von ihm angesprochenen Stadtteil hat sich in den vergangenen Jahren eine außerordentlich lebendige Kunstszene entwickelt.
Für die Leipziger Tourismusgesellschaft ist Eberhards Hotel ein willkommenes Marketinginstrument. "Durch die einzigartige Sammlung strahlt das Hotel weit über die Stadtgrenzen hinaus", sagt der Sprecher der Gesellschaft, Andreas Schmidt. Eberhard werbe für die Künstler der Alten und Neuen Leipziger Schule und wann immer Anfragen zu besonderen Unterkünften in der Stadt kämen, werde sein Hotel stets mit an erster Stelle genannt.
Die britische Tageszeitung "The Independent" nahm das Galerie-Hotel als ein Muss für den Kunstliebhaber in seine Tipps für einen Tag in Leipzig auf. Doch es sind beileibe nicht nur Kunstliebhaber, die das Haus ansteuern. "Nur von Kunstinteressenten können wir auch gar nicht leben", stellt der Direktor des Hauses klar. Deshalb sei es ihm wichtig, das Hotel für alle Gäste zu einem "lebendigen Kunsterlebnis zu machen". Nicht jeder findet daran Gefallen, wie die Antworten auf den Fragebogen, die in den Zimmern liegen, beweisen. "Da hat schon so mancher angekreuzt, dass er zwar gut geschlafen habe, die Kunst aber grässlich fand", schmunzelt Eberhard. Nicht jeder mag eben mit einem Leipziger Maler das Zimmer teilen.
dapd
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