Aktuelle Nachrichten – Medizin
07.04.2009
Lübeck – Erstmals hat einer der mit gepanschtem Alkohol in der Türkei vergifteten Schüler öffentlich über die Ereignisse gesprochen. „Ich konnte nichts mehr sehen“, sagte der 18-jährige Dustin K., der seine Methanolvergiftung überlebte, der „Bild“-Zeitung. Zusammen mit einigen Mitschülern hatte er auf einer Klassenfahrt im türkischen Badeort Kemer mit Methanol vergifteten Alkohol getrunken. Drei Mitschüler starben daran.
Eines der der jungen Männer, bei denen am vergangenen Wochenende der Hirntod diagnostiziert worden war, war Dustins Zimmernachbar. Dieser habe für 25 Euro bei einem Kellner Cola und zwei Flaschen Wodka gekauft. Niemand habe geahnt, dass damit etwas nicht in Ordnung sein könnte: „Die Mischung schmeckte nicht anders“, sagte der Schüler.
Auf dem Zimmer sei er sofort eingeschlafen. Nachts hätten er und sein Zimmernachbar sich übergeben. „Dann bin ich erst am Abend wieder aufgewacht“, sagte Dustin weite. Da sei ihr Lehrer ins Zimmer gekommen und habe erzählt, dass ihr Mitschüler Rafael gestorben sei.
Anschließend gingen die Schüler laut Dustin K. zusammen in das gegenüberliegende Krankenhaus. „Dort bin ich sofort wieder eingeschlafen.“ Als es den Jugendlichen immer schlechter ging, wurden sie nach Antalya verlegt. „Während der Fahrt habe ich starke Sehstörungen bekommen.“ Es sei unerträglich hell gewesen, er habe nichts mehr sehen können, berichtete der 18-Jährige: „Ich bekam Panik.“
In der Klinik in Antalya hätten die Ärzte sofort begriffen, was geschehen sei: „Ich bekam einen Schlauch in die Nase, dann pumpten sie einen halben Liter Raki in mich rein“, sagte Dustin K. der „Bild“. Die andere Hälfte des Liters habe eine Mitschülerin bekommen.
Dies helfe, weil im Körper beim Abbau von Methanol giftige Ameisensäure entstehe: Müsse der Köper dann normalen Alkohol, also Ethanol, abbauen, scheide er das giftige Methanol einfach aus, berichtete „Bild“ unter Berufung auf Mediziner.
Schwere Vergiftungserscheinungen bei nicht fachgerechter Destillation
Methanol oder Methylalkohol ist der einfachste Alkohol, der als Methylester in vielen Pflanzenstoffen enthalten ist. Unter anderem fällt Methanol bei der Verkohlung von Holz an und wird daher Holzgeist genannt. Im allgemeinen wird es großtechnisch hergestellt und beispielsweise als Lösungsmittel von Farben, Lacken und Klebstoffen genutzt. Außerdem dient es als Ausgangsstoff für andere Produkte der chemischen, pharmazeutischen und kosmetischen Industrie. Unter anderem wird es für Frostschutzmittel benutzt.
Im menschlichen Organismus wandelt sich Methanol zu Formaldehyd und Ameisensäure um und verursacht schwere Vergiftungserscheinungen. Dazu gehören Übelkeit, Erbrechen, heftige Leibschmerzen, Bewusstlosigkeit bis hin zum Tod durch Lähmung des Atem- und Kreislaufsystems. Bereits rund 30 bis 100 Milliliter Methanol beziehungsweise eine Konzentration von 0,2 Promille im Blut, sind tödlich.
Zum Konsum kommt es im allgemeinen aufgrund einer Verwechslung mit dem Trinkalkohol Äthanol oder nicht fachgerechter Destillation von Schnäpsen. Gepanschte Alkoholika kosten immer wieder Menschenleben, vor allem in ärmeren Ländern, wo die Nachfrage nach billigem, selbstgebranntem Schnaps sehr groß ist. Beispielsweise in Russland sterben nach Angaben von Gesundheitsexperten jedes Jahr Tausende an schwarzgehandeltem Alkohol. Auch in Indien kommt es häufig zu Vergiftungen und Todesfällen. (AP)