Nachrichten Deutschland – Mitarbeiter der Stadt Köln wusste schon im Februar von Wassereinbruch – Matthias Armborst
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„Außerordentlich brisant“ Mitarbeiter der Stadt Köln wusste schon im Februar von Wassereinbruch

Matthias Armborst

22.03.2009

Eine U-Bahn Baustelle, links, steht  unmittelbar neben den Trümmern der zerstörten Häuser in Köln. Zwei vermisste Männer wurden in den Trümmern des eingestürzten historischen Stadtarchivs und der Nachbarhäuser geborgen. (AP Photo/Martin Meissner)
Eine U-Bahn Baustelle, links, steht unmittelbar neben den Trümmern der zerstörten Häuser in Köln. Zwei vermisste Männer wurden in den Trümmern des eingestürzten historischen Stadtarchivs und der Nachbarhäuser geborgen. (AP Photo/Martin Meissner)

Frankfurt/Köln – Ein Mitarbeiter der Stadt Köln hat neuesten Erkenntnissen zufolge schon einen Monat vor der Einsturzkatastrophe von einem Wassereinbruch im September gewusst. Dies geht aus einem Baustellen-Protokoll der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) vom 3. Februar hervor, das am Wochenende bekannt wurde. Oberbürgermeister Fritz Schramma sagte der AP, die KVB hätten ihm diese Informationen bis zur Sitzung des Koordinierungsstabes „Unglück Waidmarkt“ am 20. März – 17 Tage nach dem Einsturz – vorenthalten.

Dass derart wichtige Protokolle bisher geheim geblieben seien, habe ihn „mehr als überrascht“, sagte Schramma. Die Verkehrsbetriebe hätten ihn tagelang vor die Mikrofone treten lassen und offenbar gewusst, „dass da noch etwas ist“. Die Sache sei ein Skandal, er fühle sich hintergangen.

Gegen Baudezernent Bernd Streitberger, der nach eigenen Worten bereits seit dem 12. März von den Protokollen gewusst, den Krisenstab aber nicht informiert habe, würden disziplinarische Schritte geprüft. Er wehre sich aber gegen vorschnelle Rücktrittsforderungen, sagte Schramma. Auch das Verhalten anderer Stadtbedienstete, die möglicherweise Informationen zurückgehalten hätten, werde unter die Lupe genommen.

Aus den bis Freitag unbekannten Protokollen von Baustellen-Besprechungen aus dem Februar geht hervor, dass es bereits im September in unmittelbarer Nähe der Einsturzstelle einen sogenannten hydraulischen Grundbruch und Wasserdurchlässigkeiten bei Schlitzwänden gab. Damals habe es auch geheißen, dass dies auch zu einer Bauverzögerung von vier bis sechs Wochen führen werde, teilte die Stadt mit. Laut Protokoll war ein Mitarbeiter des städtischen Liegenschaftsamtes bei dieser Besprechung anwesend.

Ein hydraulischer Grundbruch gilt auch als wahrscheinliche Ursache für das Unglück vom 3. März, bei dem zwei Menschen ums Leben kamen. Experten zufolge lenken bei einem solchen Wassereinbruch die Trennwände einer Baugrube das Grundwasser um, so dass es die Wände herunter fließt – der Boden der Baugrube kann abrupt angehoben werden.

Laien müssten die jetzt aufgetauchten Informationen „außerordentlich brisant“ erscheinen, schrieb Schramma am Freitagabend in einem Brief an den KVB-Vorstand. Bis Montag müssten die Verkehrsbetriebe die Sache aufklären und sagen, welche speziellen Gegenmaßnahmen getroffen worden seien, als man von dem Wassereinbruch im September erfahren habe. Der AP sagte Schramma, der KVB-Vorstand müsse nun endlich „eine offene und transparente Informationspolitik betreiben“. Am Dienstag soll laut Schramma die nächste Sitzung des Koordinierungsstabes stattfinden.

Schon am 5. Februar Prüfmessungen wegen Wasserproblemen

Auch in einem weiteren Fall sickerten Informationen über die Vorgeschichte des Unglücks offenbar nur sehr langsam bis zum Koordinierungsstab mit dem Oberbürgermeister durch: Ebenfalls rund einen Monat vor dem Unglück habe es an der späteren Unglücksstelle Prüfmessungen der städtischen Vermessungsabteilung gegeben. Diese seien am 5. Februar wegen „Problemen mit der Wasserhaltung“ durchgeführt worden, teilte die Stadt mit.

In der Sitzung am Freitag habe Liegenschafts- und Vermessungsdezernent Norbert Walter-Borjans allerdings erklärt, erst am 18. März – mehr als zwei Wochen nach dem Unglück – von den Messungen erfahren zu haben.

Die Verkehrsbetriebe müssten zu diesen Punkten jetzt schnell Stellung nehmen, erklärte Schramma. Sämtliche Protokolle der Besprechungen im Zusammenhang mit dem Bau der Nord-Süd-Stadtbahn sollten von einem unabhängigen Experten geprüft werden. Die Ergebnisse müsse bis Anfang der Woche vorliegen. (AP)

 

 

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