Aktuelle Nachrichten – Wirtschaft
25.11.2011
Foto: Uwe Meinhold/dapd
Augsburg – Die Mitarbeiter des Druckmaschinenherstellers Manroland sind von der plötzlichen Insolvenz geschockt. "Der Vorstand hat gepennt", sagt ein Betroffener, der sich nach mehr als einem Vierteljahrhundert bei der Firma verraten fühlt. Er und rund 2.400 seiner Kollegen am Augsburger Stammsitz erfuhren am Freitagmittag in einer eilig einberufenen Belegschaftsversammlung vom Ende des Traditionsunternehmens. Es ist die größte deutsche Pleite seit der Arcandor-Insolvenz vor zwei Jahren. Rund 6.600 Mitarbeiter sind betroffen.
Auch in Offenbach, wo 1.900 Menschen für Manroland arbeiten, und im sächsischen Werk Plauen mit 700 Beschäftigten sind die Mitarbeiter verzweifelt. Sie fordern den Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden Gerd Finkbeiner, der für den Mehrheitsinvestor Allianz Capital Partners (ACP) die Geschäfte führt. Dazu will sich Manroland nicht äußern, was die Beschäftigten noch saurer machen dürfte. "Offenbach schreibt seit 20 Jahren Miese. Es kann doch nichts sein, dass der Vorstand das nicht gemerkt hat", heißt es von dem Augsburger Mitarbeiter.
Offenbach ist jetzt von der Schließung bedroht. Schon seit Wochen sei ein Berater im Werk gewesen, wird berichtet. Vor dem Werkstor kommt es nach der Versammlung zu spontanen Protesten. Doch viele gehen auch einfach frustriert heim.
Kurz vor Weihnachten bekommen die Arbeitnehmer nun erstmal keinen Lohn mehr. Bisher hat es ohnehin nur Kurzarbeitergeld gegeben. Einige hoffen noch, dass es wenigstens bis Ende Januar das reduzierte Gehalt mit Unterstützung der Arbeitsagenturen geben werde. Doch mit der Insolvenz sind auch die Konten gesperrt, es kommt nun zu Verhandlungen. Daran sind auch die Landesregierungen in Hessen und Bayern beteiligt.
Den Banken schulde Manroland etwa 150 Millionen Euro, heißt es im Umfeld des Bankenkonsortiums. Darin sind 15 Institute zusammengeschlossen, die von der Münchner UniCredit angeführt werden. Auch die Commerzbank, die LBBW und die Landesbanken aus Hessen und Bayern sind dabei.
Hinter vorgehaltener Hand schieben sich ACP und die Banken gegenseitig den Schwarzen Peter zu. Aus dem Umfeld der ACP heißt es, die Banken hätten die Pleite gewollt, weil sie die Kredite nicht langfristig verlängern wollten. Ein Investor, wahrscheinlich aus der Schweiz, habe nur unter der Bedingung einsteigen wollen, dass die Kredite um sechs Jahre verlängert werden. Nach dem Nein der Banken sei er abgesprungen.
Die Banken wiederum werfen Manroland und ACP Planlosigkeit vor. Es sei unklar gewesen, welche Strategie Manroland in Zukunft fahren wolle, um die Krise zu überwinden, heißt es von dieser Seite. Immerhin habe man eine Verlängerung um viereinhalb Jahre angeboten - die Hälfte mehr als in solchen Fällen üblich. "Wir sind der Meinung, dass Banken nur reagieren können. Der Eigner hält die Fäden in der Hand", erklären Bankenvertreter, die bis Donnerstagnacht mit ACP verhandelt haben.
Sollte sich im Insolvenzverfahren eine Lösung abzeichnen, wollen die Banken diese jedoch mittragen, wie sie versichern. Für die Mitarbeiter bedeutet das in jedem Fall harte Einschnitte.
"Die Banken haben wir gerettet – und was ist mit uns?", sagt dazu ein Betroffener mit Blick auf die staatliche Unterstützung für Banken in der Finanzkrise.
(dapd)
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