Kobe – Im Kampf gegen den Klimawandel haben europäische Staaten und Entwicklungsländer ambitionierte und verbindliche Ziele bis zum Jahr 2020 gefordert. Langfristige Zielsetzungen bei der Senkung von Treibhausgasen seien aber kein Ersatz für mittelfristige Vorgaben, sagte der Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Matthias Machnig, am Sonntag auf einer Konferenz der G-8-Umweltminster in Japan. Die Forderungen richteten sich an die USA und Japan.
Ohne eine rasche und deutliche Reduzierung des CO2-Ausstoßes seien die gesteckten Ziele nicht zu erreichen, betonte Machnig. Das Treffen der Umweltminister in Kobe, an dem auch China und weitere Schwellenländer teilnehmen, dient der Vorbereitung des G-8-Gipfeltreffens der Staats- und Regierungschefs im Juli, bei dem es um die weitere Bekämpfung des Klimawandels gehen soll.
Viele Entwicklungsländer wollen eine Selbstverpflichtung reicher Länder zu konkreten Vorgaben mit dem Argument, dass die globale Erwärmung ein von der Industrialisierung verursachtes Phänomen sei, von der Nordamerika, Europa und Japan profitiert hätten. Der japanische Umweltminister Ichiro Kamoshita rief die reichsten Länder auf, beim Vorgehen gegen die globale Erwärmung die ersten Schritte zu unternehmen. Sie sollten zusammen bis Mitte des Jahrhunderts ihre Emissionen um mehr als 50 Prozent senken.
Die USA haben sich bislang nicht auf mittelfristige Ziele festgelegt. Zuvor müssten auch Schwellenländer wie China entsprechende Verpflichtungen akzeptieren, argumentierte Washington. Die Regierung in Tokio hat sich für Senkungen in den Industrieländern binnen der kommenden ein oder zwei Jahrzehnte ausgesprochen, aber ebenfalls keine konkreten Aussagen bis zum Jahr 2020 gemacht.
Der Chef des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer, warnte am Samstag, die Welt drohe im Kampf gegen den Klimawandel gefährlich in Verzug zu geraten. Gerade die größten Industriestaaten müssten eine höhere Bereitschaft zeigen, ihre Emissionen drastisch zu begrenzen. Darüber hinaus müssten sie den ärmeren und den Schwellenländern dabei helfen, die Folgen des Klimawandels zu verkraften.
„Viel von dem Enthusiasmus und dem Ehrgeiz, den wir im Dezember zu Beginn der Konferenz von Bali sahen, scheint nicht mehr da zu sein“, sagte de Boer der Nachrichtenagentur AP. Auf Bali hatten sich rund 190 Staaten Ende 2007 auf einen Fahrplan für die weiteren Verhandlungen für ein Nachfolgeabkommen zum Kyoto-Protokoll geeinigt.
Der britische Umweltminister Hillary Benn bezeichnete den Klimawandel als eine politische Herausforderung. Über Schaden und Risiken der Erderwärmung lägen inzwischen genügend Daten vor: „Das grundsätzliche Problem ist ein politisches.“ Um Gefahren abzuwenden, müsse ein Weg gefunden werden, die begrenzte Menge an zulässigen Emissionen zwischen allen Ländern gerecht aufzuteilen.
Bis Dezember 2009 soll einen Nachfolgevertrag für das Kyoto-Protokoll ausgehandelt sein, dessen erste Phase 2012 ausläuft. Der Weg dorthin scheint aber noch schwierig zu sein: EU, USA und Schwellenländer wie China und Indien konnten bislang keinen gemeinsamen Nenner finden.
Japan hat derzeit den rotierenden Vorsitz der G-8-Guppe inne. Zum Club der größten Industrienationen gehören außerdem Russland, die USA, Großbritannien, Italien, Frankreich, Kanada und Deutschland. (AP)