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Quietschgelbe Fahrräder Mobil dank Mietrad

Viktoria Schiller

10.08.2009

Leihfahrräder der Bahn warten  vor der Zentrale der deutschen Bahn in Frankfurt am Main auf Kundschaft.  (AP Photo/Michael Probst,file)
Leihfahrräder der Bahn warten vor der Zentrale der deutschen Bahn in Frankfurt am Main auf Kundschaft. (AP Photo/Michael Probst,file)

Berlin – Auf deutschen Radwegen würden sie vermutlich aus dem Verkehr gezogen, in Helsinki prägen sie das Stadtbild: Quietschgelbe Fahrräder mit Reifen aus Vollgummi. Die Ausstattung der Räder beschränkt sich auf das Nötigste. Da der finnische Sommer keine Dunkelheit kennt, klemmt nicht einmal eine Lampe am Lenker. Dennoch erfreuen sich die auffälligen Drahtesel seit 2000 großer Beliebtheit, denn jeder kann sie für Fahrten im Stadtgebiet nutzen. Und das gratis.

Kostenlose Stadträder wird es in Deutschland wohl erst in ferner Zukunft geben. Dichte Netze öffentlicher Fahrradverleihstationen dagegen könnten sich schon bald über acht Städte und Gemeinden erstrecken, die sich in einem Ausscheid des Bundesverkehrsministeriums durchgesetzt haben. Mainz, Nürnberg, Saarbrücken, Dresden, Kassel, Ostvorpommern, das Ruhrgebiet und Stuttgart erhalten insgesamt 12,7 Millionen Euro Fördergelder. Am Montag wurden die Städte in Berlin ausgezeichnet.

2,7 Millionen für Elektro-Räder

Die Förderung der prämierten Konzepte läuft ab Oktober bis Ende 2012. „Ziel ist die Verschränkung von Radverkehr und öffentlichem Nahverkehr“, sagte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). Stuttgart erhält 2,7 Millionen Euro für den Aufbau eines Verleihsystems für elektrisch angetriebene Räder. Etwa 1.000 sogenannte „Pedelecs“ sollen an 120 Stationen zur Verfügung stehen. Das neue Angebot soll in das von der Deutschen Bahn betriebene Verleihsystem „Call a bike“ integriert werden.

Die anderen sieben Städte erhalten zusammen zehn Millionen Euro für den Aufbau von Fahrradverleihsystemen. Der Bundesvorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs, ADFC, Karsten Hübener, sieht in dieser Förderung eine Chance, verschiedene Konzepte in der Praxis zu testen. „Neben der vandalismussicheren Fahrradtechnik gilt es ein Vermietkonzept zu entwickeln, dass wirklich eingängig ist“, sagte Hübener der Nachrichtenagentur AP. Ideal sei eine Kombination von ÖPNV-Ticket und Leihradsystem, fügte er hinzu.

20.000 Leihräder rollen durch Paris

Was in Deutschland in den nächsten Jahren getestet werden soll, ist in anderen europäischen Städten bereits gängige Praxis. In Paris startete im Sommer 2007 das „Vélib“-Programm. Mittlerweile rollen etwa 20.000 Leihräder durch die traditionell verstopfte Innenstadt. Die ersten 30 Minuten sind gratis, eine Stunde kostet einen Euro, danach wird's teurer. Große Tageszeitungen sprachen schnell von einer „vélorution“, nach Angaben des Betreibers haben sich bislang etwa 200.000 Nutzer registriert.

Auch Barcelona gilt als Vorbild beim Aufbau öffentlicher Fahrradverleihsysteme. Etwa 5.500 Räder stehen in der Innenstadt bereit. Wie in Paris ist die erste halbe Stunde gratis, jede weitere kostet 30 Cent. Nach Angaben des Betreibers haben sich 200.000 Nutzer registriert. Erfolgreich ist neben dem öffentlichen „Bicing“ auch der Fahrrad-Lieferservice der Firma Bike Rental. Der Privatanbieter bringt zusammenklappbare Falträder direkt zum Kunden und holt sie auch wieder ab. Für einen ganzen Tag zahlt man 25 Euro.

Europaweiter Trend zum Mietrad

Auch in anderen europäischen Metropolen setzt sich der Trend zum Leihrad durch. Zwischen 6.45 Uhr und 19.45 Uhr können in Zürich gegen Vorlage eines Ausweises Räder kostenlos für den Stadtgebrauch genutzt werden. In Wien zahlen Radler zumindest für die erste Stunde nichts und auch die zweite schlägt mit einem Euro kaum zu Buche. Auch London arbeitet an einem Leihsystem. Auf Initiative des Bürgermeisters Boris Johnson, selbst leidenschaftlicher Radfahrer, sollen bis Mitte 2010 etwa 6.000 Leihräder durch die Straßen rollen.

In Berlin gibt es in fünf Großstädten insgesamt 5.600 Räder, die von der Deutschen Bahn verliehen werden. Wie der Name „Call a bike“ sagt, werden die Räder per Handy gemietet und am Ende der Fahrt an einer größeren Kreuzung abgestellt.

Tiefensee appellierte am Montag an die ausgezeichneten Städte, den Radverkehr stärker zu fördern. Mit dem Verweis auf bereits etablierte Verleihsysteme in Europa sagte Tiefensee: „Da machen uns andere Städte etwas vor“.

http://www.nrvp.de/ (AP)

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