Finanzen - Aktuelle Nachrichten – Moderate Steigerung bei Lebensmittelpreisen 2010 erwartet – Maria Marquart
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Aktuelle Nachrichten – Finanzen

Nach den Rabattschlachten Moderate Steigerung bei Lebensmittelpreisen 2010 erwartet

Maria Marquart

29.12.2009

Ein mit Waren gefüllter Einkaufswagen ist in einem Supermarkt in Dresden auf einer Rolltreppe zu sehen. Nach einem Jahr mit erbitterten Rabattschlachten können sich Verbraucher auch 2010 auf günstige Lebensmittelpreise einstellen.  Foto: AP Photo/Matthias Rietschel
Ein mit Waren gefüllter Einkaufswagen ist in einem Supermarkt in Dresden auf einer Rolltreppe zu sehen. Nach einem Jahr mit erbitterten Rabattschlachten können sich Verbraucher auch 2010 auf günstige Lebensmittelpreise einstellen.

Foto: AP Photo/Matthias Rietschel

München (APD) Nach einem Jahr mit erbitterten Rabattschlachten können sich Verbraucher auch 2010 auf günstige Lebensmittelpreise einstellen. Angesichts der Krise könnten die Händler die Verbraucher nicht mit drastischen Aufschlägen vor den Kopf stoßen, sagte Wolfgang Twardawa vom Marktforschungsinstitut GfK der Nachrichtenagentur DAPD. Die Preise würden wohl nur moderat steigen. Ähnliches erwartet auch der Deutsche Bauernverband: Er denke, der Boden sei erreicht, „so dass wir mit einem leichten Preisanstieg rechnen können. Das wäre mehr als fair“, sagte Präsident Gerd Sonnleitner der „Bild“-Zeitung.

Das niedrige Preisniveau sei aus dem Kampf fünf großer Discounter gegeneinander hervorgegangen, sagte der Bauernverbands-Präsident. Die Discounter hätten den Markt so im Griff, dass sie alle gegeneinander ausspielen könnten. Der Lebensmitteleinzelhandel trage seinen Wettbewerb auf dem Rücken der Bauern aus. „Langfristig kriegt dann der Verbraucher die Rechnung, wenn die Landwirtschaft stirbt, die Versorgungssicherheit nicht mehr gewährleistet ist und wir abhängig werden von Import und extremen Preisschwankungen“, sagte Sonnleitner laut „Bild“.

Größtes Konjunkturpaket für die Verbraucher 2009

Twardawa lobte die günstigen Lebensmittelpreise dagegen als größtes Konjunkturprogramm für die Verbraucher 2009. Bei einigen Nahrungsmitteln zeichnen sich aber bereits Aufschläge ab. So haben etwa die Kakaopreise angezogen und auch Zucker wurde teurer, sagte die Sprecherin der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie, Sabine Eichner Lisboa. Bei Molkereiprodukten zogen die Preise ebenfalls an. „Die Talsohle müsste bei den Preissenkungen erreicht sein“, meinte Eichner Lisboa.

Der Lebensmittelindustrie machte 2009 weniger die Krise als der Preiskrieg der Händler zu schaffen. Mengenmäßig habe die Branche nicht weniger verkauft, sagte Eichner Lisboa. Jedoch seien die Verkaufspreise im Handel im Jahresverlauf um rund 4 Prozent zurückgegangen, weshalb der Verband für 2009 mit einem Umsatzrückgang von ebenfalls 4 Prozent auf 150 Milliarden Euro rechnet.

Mit steigender Arbeitslosigkeit könnten aber auch die Verbraucher im kommenden Jahr zurückhaltender werden, meint die Verbandssprecherin. Dennoch sieht sich die Branche als stabiler Anker in der Krise, denn bisher sparten die Menschen nicht am Essen. Laut Statistischem Bundesamt ist der Absatz von Nahrungsmitteln und Getränken trotz Krise bisher nicht eingebrochen. Der Ausblick der Lebensmittelindustrie auf 2010 sei „verhalten optimistisch“, sagte Eichner Lisboa.

Verbraucher sollten auf Mogelpackungen achten

Allerdings könnte der Lebensmitteleinzelhandel der Branche einen Strich durch die guten Perspektiven machen, meint Verbraucherforscher Paul Michels von der Agrar-Informationsgesellschaft (AMI). „Wohl wissend, dass für viele Verbraucher das dicke Ende der Krise noch bevorsteht, wollen die großen Handelsunternehmen zugunsten ihrer Kundschaft und zum Ausbau der eigenen Marktanteile den Rotstift bei den Preisen erneut ansetzen“, schreibt Michels im AMI-Agrarmarkt-Report 2010.

Nicht nur die Discounter wollten an der Preisschraube drehen, sondern auch andere Supermärkte, sagt Michels voraus. Dabei liegt Deutschland bei den Lebensmittelpreisen im europaweiten Vergleich im Mittelfeld. „Es ist nicht nachvollziehbar, was da passiert“, meint Eichner Lisboa angesichts von einem Dutzend Preissenkungsrunden im deutschen Lebensmittelhandel allein im laufenden Jahr. Der Verdrängungswettbewerb zwinge die Lebensmittelindustrie zu Sparmaßnahmen – mit Nachteilen für die Verbraucher.

„Um bei steigenden Kosten oder bei gleichbleibenden Kosten und der Anforderung immer günstiger zu werden, mithalten zu können, ersetzen Erzeuger zunehmen teure Inhaltsstoffe durch günstigere. Das kann auch die Qualität der Produkte mindern“, meint Jutta Jaksche vom Verbraucherzentrale Bundesverband. So monieren Verbraucherschützer Lebensmittel-Imitate wie Analog-Käse und Mogel-Schinken.

Verbraucher sollten auch auf verdeckte Preiserhöhungen achten, etwa durch kleinere Verpackungsgrößen, meint GfK-Forscher Twardawa. Denn die Lebensmittelhändler stünden unter Druck: „Durch die Preisrunden wurde bereits 2009 viel Pulver verschossen, was im kommenden Jahr fehlt.“ (AP)

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