Mode – Modeschöpfer Pierre Cardin wird 90 Jahre alt – Patricia Czarkowski
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Französischer Visionär Modeschöpfer Pierre Cardin wird 90 Jahre alt

Patricia Czarkowski

05.07.2012

Pierre Cardin, der als einziger Couturier Mitglied der französischen Akademie der Schönen Künste ist, feiert am 7. Juli seinen 90. Geburtstag. Foto: PIERRE VERDY/AFP/GettyImages)
Pierre Cardin, der als einziger Couturier Mitglied der französischen Akademie der Schönen Künste ist, feiert am 7. Juli seinen 90. Geburtstag.

Foto: PIERRE VERDY/AFP/GettyImages)

Berlin – Das Leben des Modeschöpfer Pierre Cardin wäre schwierig auf Filmlänge zu bringen, denn der französische Modeschöpfer und Unternehmer ist seit jeher nicht nur ein visionäres Multitalent, sondern auch unermüdlich motiviert, passioniert und extrem kreativ. Ob Kleidung, Möbel, Parfums, Uhren oder Porzellan - es gibt kaum einen Produktbereich, in dem der gebürtige Italiener sich nicht schon ausprobiert hätte. Cardin, der als einziger Couturier Mitglied der französischen Akademie der Schönen Künste ist, feiert am 7. Juli seinen 90. Geburtstag.

Pierre Cardin hieß ursprünglich Pietro Cardini und wurde am 2. Juli 1922 in San Biagio di Callalta bei Venedig geboren. Aus wirtschaftlichen Gründen wanderte seine Familie nach Frankreich aus. In Vichy wurde der gebürtige Italiener beim Herrenschneider Manby ausgebildet. Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs ging Cardin nach Paris und wurde Modezeichner bei der Firma Paquin.

Schnell fand Cardin Kontakt zur Pariser Intellektuellen- und Theaterszene, schneiderte Kostüme für die Schauspieler. So kleidete er auch die Darsteller von Jean Cocteaus Film "La Belle et la Bête" ein. Über Cocteau lernte er den Designer Christian Dior kennen, zu dessen wichtigsten Mitarbeitern Jahre lang zählte. Für das Haus Dior kreierte er 1947 den "New Look", der sich durch eine ausgeprägte Taille und runde Schultern auszeichnete.

Cardin trägt Socken und Unterwäsche seiner Firma

1950 machte sich Cardin mit einem eigenen Modehaus selbstständig. Bereits 1953 präsentierte der Modeschöpfer Cardin seine erste Haute-Couture-Kollektion. Der Modedesigner war der erste Couturier, der Handnäharbeiten durch Maschinen ersetzte und sich unter dem Emblem P. C. an die Vermarktung von Konsumgütern traute: Er kreierte Entwürfe für Armbanduhren, Tisch-, Bett- und Frottierwäsche, Porzellan, Möbelstoffe, Transistorgeräte, Plattenspieler und Schallplatten.

Stets glaubte Cardin an sich und seine Ideen. Im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" antwortete er 2007 auf die Frage, ob er selbst Pierre-Cardin-Socken trage: "Ja, selbstverständlich! Auch Unterwäsche! Und warum soll es entwürdigend sein, Klopapier mit seinem Namen darauf verkauft zu haben?" Der Modeschöpfer sei stolz darauf, an der Qualität seiner Entwürfe gearbeitet zu haben.

Cardin gab sich aber nie mit dem Erreichten zufrieden, sondern strebte immer weiter nach Neuem. 1981 kaufte er das Pariser Nobelrestaurant "Maxim's". Das Markenzeichen "Maxim's" hatte er bereits seit 1978 für verschiedene Produkte wie Champagner und Gänseleber, Koffer, Möbel und Kleidung eingeführt. 1983 eröffnete er Luxus-Restaurants im "Maxim's"-Stil in Moskau, New York und Peking. Mit dem Kauf des in Verruf geratenen Nachtclub "Maxim's" in Genf vervollständigte er die Kette.

Palast in Kugelform gebaut

Nicht alle Projekte Cardins sind unumstritten. Sein Engagement auf dem Immobilienmarkt in Südfrankreich etwa sorgte für Wirbel. Der Modeschöpfer kaufte 2001 in Lacoste, einem Dorf in der Provence, ein Schloss und in den Folgejahren mehrere Dutzend Häuser. "Ich will aus diesem Dorf ein Saint Tropez der Kultur machen", sagte Cardin der französischen Tageszeitung "Le Monde". Einige Anwohner bezeichneten ihn aufgrund seiner Kaufpolitik als rücksichtslosen Immobilienhai und feudalen Großgrundbesitzer.

Etwas größenwahnsinnig ist Cardin ohne Frage, und Misserfolg kennt er ohnehin nicht: "Mir gelang immer alles. Aber ich bin doch immer noch der einzige Innovative auf der ganzen Welt! Alle kopieren mich. Ich demokratisiere, die anderen banalisieren", sagte Cardin der "Süddeutschen Zeitung".

Auch privat mag der Cardin außergewöhnliche Immobilienprojekte: Er lebt in seinem Schloss in Lacoste und in Théoule-sur-Me bei Cannes im "Palais Bulles". Dabei handelt es sich um ein ungewöhnliches Gebäude, dessen 25 Räume kugelförmig gestaltet sind. "Im Runden fühlt man sich immer wohl! Man ist nie eingeengt", ist  der Modeschöpfer Cardin überzeugt.

(dapd)

 

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