Aktuelle Nachrichten – Kultur
10.11.2011
Foto: Thilo Beu
Den eigenen Mörder lieben? Das geht nur, wenn man überlebt und dazu auch noch die Gefühle verrückt spielen. In Mozarts „La Finta Giardiniera“ (Die Gärtnerin aus Liebe) geschieht beides. Das vermeintliche Opfer taucht als Gärtnerin unter und fällt, nach zahlreichen amourösen Verwicklungen und Verwirrungen erneut auf die Liebesbeteuerungen ihres einst so eifersüchtigen Mörders herein. So kompliziert ist das Leben.
Und doch so einfach. Jedenfalls für Mozart, der mit diesem Werk bereits im 18. Lebensjahr seine 7. Oper vorlegt. Und der dabei doch musikalisch so treffsicher und einfühlsam mit Lust und Liebe, mit Leid und Leidenschaften umzugehen weiß, als schöpfe er in puncto Liebe und Gefühl bereits im jugendlichen Alter aus dem Vollen. Jede der sieben handelnden Personen wird dabei musikalisch seziert und in großartig angelegten Arien gefühlsmäßig aus der Reserve gelockt.
Dabei sind es nicht immer die edelsten Gefühle, die den Handlungsverlauf bestimmen. Wenn der Zofe Serpetta (Ingrid Froseth) der Diener Nardo (Giorgos Kanaris) nicht gut genug ist und sie sich an den Podestà Don Anchise (Mark Rosenthal) heranmacht, der eine bessere Partie zu sein verspricht. Oder wenn die dem Grafen versprochene Arminda (Julia Kamenik) ihre Konkurrentin, die vermeintliche Gärtnerin Sandrina (Anna Siminska) verschleppt, um damit auf Nummer sicher zu gehen – zum Leidwesen von Ramiro (Susanne Blattert), der es seinerseits auf sie abgesehen hat.
Wie sehr dieses Beziehungsgeflecht einem Irrgarten gleicht, bringt das Bühnenbild (Hermann Feuchter) auf einfache und doch geniale Art zum Ausdruck. Es ist ein aus mehreren Kammern bestehendes goldenes Labyrinth, das in die Vertikale gekippt wurde und mit diesem Kunstgriff Bühnen füllend vom Publikum eingesehen werden kann. So entsteht bei entsprechender Beleuchtung (Thomas Roscher) der Eindruck zahlreicher Räumlichkeiten eines Schlosses, eine Illusion, die durch entsprechende Türen an der Rückseite des Bühnenaufbaus noch verstärkt wird.
So wird die Personenführung in diesen kleinen vertikalen Räumlichkeiten ein wahres Gezerre und Gedränge, ein sich Verstecken und Entwischen, wobei der Zuschauer, der längst den Überblick gewonnen hat, alles und jeden durchschaut. Und der sich dennoch durch die Unberechenbarkeiten in der Handlung sowie in der menschlichen Psyche bisweilen gefoppt sieht.
Und dies dennoch auf ganzer Linie in vollen Zügen genießt. Denn der Inszenierung von Philipp Himmelmann gelingt es mit Mozarts Hilfe, das menschlich-Allzumenschliche augenzwinkernd durchzudeklinieren. Nicht in belehrender Absicht, sondern im Vermitteln der Erkenntnis, wie es zugeht, wo es menschelt.
Ebenso wie das Publikum haben auch die Darsteller ihren Spaß und steigern sich zu zahlreichen kleinen Kabinettstückchen. Wie zum Beispiel Nardo, der seine Liebeserklärung gleich gewinnend in drei Sprachen vorträgt. Oder Belfiore, der seine wilden Gefühle in gekonnten Zuckungen à la Michael Jackson zum Ausdruck bringt.
Hilfreich sind auch die geschmackvollen Kostüme (Gesine Völlm), die der Zeit Mozarts nachempfunden sind und daher unmittelbar zu der spritzig galanten Musik passen, die vom Beethoven Orchester Bonn (Musikalische Leitung Hendrik Vestmann) luftig leicht und durchsichtig interpretiert wird. Insgesamt ein überaus gelungener Premierenabend.
www.theater-bonn.de
Hier können Sie sich im Newsletter eintragen.
Auf der Suche nach Chinas alter Kultur (Teil I)
(07.11.2011)
Bayreuther Festspiele stellen Events zum 200. Geburtstag Richard Wagners vor
(29.10.2011)
„Zur Hälfte Franziskaner, zur Hälfte Zigeuner“- Franz Liszt
(18.10.2011)
(01.10.2011)