Aktuelle Nachrichten – International
02.08.2011
Foto: Amr Nabil/dapd
Kairo – Der einst mächtigste Mann Ägyptens steht ab morgigem Mittwoch als Angeklagter in einem Prozess vor Gericht, der mit einem Todesurteil enden könnte. Dem ehemaligen ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak, seinem früheren Sicherheitschef Habib el Adli sowie sechs ranghohen Polizeioffizieren wird vorgeworfen, Befehle gegeben zu haben, die zum Tod von Demonstranten führten. Über 850 Menschen kamen während der 18 Tage der Revolution im Januar und Februar ums Leben, mit der das ägyptische Volk den Abgang Mubaraks erzwang.
Am Sonntag lud der Generalstaatsanwalt den früheren Staatschef formal zum Prozessbeginn am Mittwoch vor. Nach wochenlangen Spekulationen über die Frage, ob der Gesundheitszustand des Ex-Präsidenten seine Teilnahme am Gerichtsverfahren verhindern könnte, sieht es nun danach aus, dass der 83-Jährige im provisorischen Gerichtssaal in der nationalen Polizeiakademie in einem Vorort von Kairo erscheinen wird.
Innenminister Mansur el Issawi habe eine Anfrage des Generalstaatsanwalts erhalten, in dem er das Erscheinen Mubaraks vor Gericht verlangt, meldete die amtliche Nachrichtenagentur am Sonntag. Einzig eine plötzliche Verschlechterung seines Gesundheitszustands könnte Mubaraks Erscheinen nun noch verhindern. Sollte er bei einem Prozess in Abwesenheit für schuldig befunden werden, riskiere er die Höchststrafe und damit ein Todesurteil, sagte der Menschenrechtsanwalt Nasser Amin, der den Prozess verfolgen will, aber nicht in das Verfahren eingebunden ist.
Nach seinem Abgang am 11. Februar zog sich Mubarak in den Ferienort Scharm el Scheich am Roten Meer zurück. Später wurde er wegen Herzproblemen in das dortige Krankenhaus gebracht. Seitdem hat er die Klinik, in der er unter Arrest steht, nicht mehr verlassen und trat auch nicht mehr öffentlich in Erscheinung.
Am Sonntag seien bei Mubarak Routinetests durchgeführt worden und der 83-Jährige scheine in stabilem Zustand zu sein, sagte der Chef der Klinik in Scharm el Scheich, Mohammed Fathallah, der Nachrichtenagentur AP. In den Tagen zuvor hieß es, Mubarak sei schwach und habe Gewicht verloren, weil er nichts oder nur wenig esse. Außerdem hieß es, er leide an Depressionen.
Mubarak vor Gericht zu stellen, war eine der zentralen Forderungen der Protestbewegung. Auch wenn nur 600 Personen dem in Ägypten lange erwarteten Prozess beiwohnen können, darf das ganze Volk daran teilhaben: Die Anhörungen sollen live im Staatsfernsehen übertragen werden. Der Vorsitzende Richter Ahmed Rifaat begrenzte die Zahl der Zuschauer auf 600 Personen, einschließlich Verteidigern, Familienmitgliedern, Angehörigen der Opfer und Journalisten.
"Es ist das Recht des ägyptischen Volks, sicher sein zu dürfen, dass das, was sich im Gerichtssaal abspielt, mit den Gesetzen einhergeht", sagte der grauhaarige Richter. Außerdem versprach er dem zuletzt ungeduldiger werdendem Volk einen zügigen Prozess.
(dapd)
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