Aktuelle Nachrichten – Kultur
01.02.2012
Foto: Lukas Barth/dapd
München – Mit mehr als 150 Zeichnungen aus dem 16. und 17. Jahrhundert beleuchtet die Staatliche Graphische Sammlung in der Münchner Pinakothek der Moderne ab Donnerstag die Entstehung und Reife des Hochbarock in Rom. Die Ausstellung "Zeichner in Rom 1550-1700" zeigt Arbeiten von Künstlern wie Gian Lorenzo Bernini, bekannt durch den Vierströmebrunnen auf der Piazza Navona und die Kolonnaden auf dem Petersplatz in Rom, Pietro da Cortona, Annibale Carracci, Ottavio Leoni, Paul Bril und Claude Lorrain.
Die Künstler kamen dabei aus ganz unterschiedlichen Ecken Europas nach Rom: aus diversen Regionen Italiens, aus Frankreich, Spanien, Deutschland und den Niederlanden. "Rom zieht alle in seinen Bann, die Begabung für die große Kunst haben", stellte der Rom-Reisende Philippe-Emmanuel Marquis de Coulanges Mitte des 17. Jahrhunderts fest. So ist der Ausstellung eine große Europa-Karte vorangestellt, die übersichtlich die Herkunft der Künstler veranschaulicht.
In Rom fanden die Künstler in dieser Zeit eine wahre Aufbruchstimmung vor – ausgelöst insbesondere durch das Konzil von Trient, mit dem die katholische Kirche auf die Herausforderung des Protestantismus reagiert hatte. Zu den Festlegungen des Konzils gehörte unter anderem, Heilige und ihre Reliquien zu verehren, ebenso wie Bilder von Christus und seiner Mutter Maria. Der Kunst wurde – ganz anders als in protestantischen Gebieten – eine herausragende Rolle bei der Vermittlung des Glaubens zugesprochen.
So habe Rom den Künstlern neben der Möglichkeit, sowohl die Antike als auch Werke von Raffael und Michelangelo zu studieren, als "bilderfreundliche Stadt mit solventen Auftraggebern" auch Aussicht auf ein besseres Auskommen geboten, erläutert Hauptkonservator Kurt Zeilter. Davon zeugen in der Ausstellung beispielsweise die Entwürfe zur Benediktionsloggia des Petersdoms von Lodovico Cigoli, der sich um die Gestaltung der Fassade der Basilika bewarb, aber nicht durchsetzen konnte. "Nicht jeder Künstler ist in Rom glücklich geworden", sagt Zeitler und verweist auf Adam Elsheimers Zeichnung "Der in Armut verzweifelnde Künstler".
Die Schau, die sich ausschließlich auf Zeichnungen aus den Beständen der Staatlichen Graphischen Sammlung konzentriert, ist weitgehend chronologisch nach den Geburtsdaten der Künstler gegliedert. Zu sehen sind sowohl Studien zu Gemälden als auch autonome Zeichnungen. Zu den Höhepunkten zählen Aktzeichnungen Berninis, die in Zusammenhang mit seinen Überlegungen für den Vierströmebrunnen stehen, ein Blatt von Cristoforo Casolani, das auf Vorder- und Rückseite anschaulich den Gegensatz von Rationalismus und Idealismus thematisiert, sowie Claude Lorrains meisterhafte Landschaftszeichnungen.
Neben bekannten Blättern werden bis 13. Mai auch mehrere noch nie gezeigte Werke gezeigt. Einige Blätter waren selbst für den Direktor der Staatlichen Graphischen Sammlung, Michael Semff, eine Überraschung: "Ich leite das Haus jetzt fast zwölf Jahre und habe viele dieser Blätter zum ersten Mal gesehen." (dapd)
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