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Angst vorm Kinderkriegen Mütterideal macht Frauen zu schaffen

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24.11.2010

Neben dem Perfektions- und Erwartungsdruck nennen Frauen aber auch finanzielle Gründe, aufs Kinderkriegen zu verzichten. 58 Prozent der Befragten bezeichneten Kinder als Kostenfaktor, den man sich leisten können müsse. Foto: Thomas Kienzle/AP Photo
Neben dem Perfektions- und Erwartungsdruck nennen Frauen aber auch finanzielle Gründe, aufs Kinderkriegen zu verzichten. 58 Prozent der Befragten bezeichneten Kinder als Kostenfaktor, den man sich leisten können müsse.

Foto: Thomas Kienzle/AP Photo

Berlin – Unter dem Druck, eine perfekte Mutter sein zu müssen, verzichten viele Frauen lieber auf das Kinderkriegen: Dies geht aus einer am Mittwoch in Berlin vorgestellten Studie des Kölner Rheingold-Instituts für qualitative Markt- und Medienanalysen hervor. Das aktuelle Mütterideal sehe Gelassenheit und Lockerheit beim Kinderkriegen und bei der Erziehung vor, heißt es. Die große Mehrheit – 78 Prozent der befragten Frauen – teile dieses Ideal. Aber nur 44 Prozent fühlten sich beim Thema Kinder wirklich entspannt. Sie sähen sich unter dem Druck, sowohl als Mutter als auch als berufstätige Frau perfekt funktionieren zu müssen.

Muttersein gehe für viele Frauen mit einer Art Identitätsverlust einher, sagte die Psychologin Ines Imdahl von Rheingold: Einerseits wollten sie voll und ganz Mutter sein, ihr Kind optimal fördern und für es da sein, andererseits wollten sie die attraktive Lebenspartnerin und beruflich erfolgreiche Frau bleiben. Zwischen diesen Rollen fühlten sie sich innerlich zerrissen, zeigten dies aber nicht nach außen. Denn sie wollten dem Ideal der gelassenen Mutter entsprechen, die locker alle an sie gestellten Aufgaben bewältigt. Gebe es Probleme, betrachteten sie dies als etwas Individuelles nach dem Motto: "Wenn ich mich ein bisschen mehr anstrenge, dann klappt das auch."

Bei Müttern herrsche die Meinung vor: "Gelassene Eltern haben auch gelassene Kinder", erklärte Imdahl. Dementsprechend betrachteten sie es als persönliches Versagen, wenn die Kinder nicht gelassen seien, Wutanfälle hätten oder im Supermarkt tobten. Dieses Gelassenheitsideal gebe es in allen sozialen Schichten, betonte die Psychologin, auch in den unteren. Dort gehe es manchmal hin in Richtung Verwahrlosung.

Dass Kinder immer mehr als Kostbarkeit empfunden würden, verstärke den Druck für die Frau noch, sagte Imdahl. So erklärten 61 Prozent der Befragten, es sei Aufgabe der Mütter, die Kinder optimal zu fördern.

Auch finanzielle Gründe

Neben dem Perfektions- und Erwartungsdruck nennen Frauen aber auch finanzielle Gründe, aufs Kinderkriegen zu verzichten. 58 Prozent der Befragten bezeichneten Kinder als Kostenfaktor, den man sich leisten können müsse. Auch die Angst, vom Partner verlassen zu werden und als alleinerziehende Mutter zurechtkommen zu müssen, spielt eine Rolle.

Für die Studie "Kinderkriegen in Deutschland", die vom Babynahrungsmittelhersteller Milupa in Auftrag gegeben wurde, befragte Rheingold 1.000 Frauen im Alter von 20 bis 40 Jahren – Mütter von Babys bis zwölf Monaten, Schwangere sowie Frauen mit und ohne Kinderwunsch. Mit 70 Frauen wurden darüber hinaus ausführliche tiefenpsychologische Interviews geführt.

dapd/sg/ko (dapd)

 

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