Panorama - Aktuelle Nachrichten – Musical-Spektakel mit viel Witz – Uwe Käding
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Aktuelle Nachrichten – Panorama

Feuerwerk der Lebensfreude Musical-Spektakel mit viel Witz

Uwe Käding

11.11.2009

AP Photo/Hermann J. Knippertz
AP Photo/Hermann J. Knippertz

Köln – Schrill, schriller, Hairspray: John Waters' vom Film zum Erfolgsmusical in New York und London mutiertes Stück startet im Dezember nun auch in einer deutschen Version. Verrückte Typen und Frisuren, jede Menge Individualität und Spaß verspricht die Inszenierung, für die die Veranstalter Marek Lieberberg und Michael Brenner Broadway-Regisseur Jack O'Brien sowie in den Hauptrollen Maite Kelly und Uwe Ochsenknecht als Tracy und Edna Turnblad gewonnen haben.

Herzschmerz, Drama und Komödie, Musik genau aus der Zeit nach Elvis Presley und noch vor den Beatles, jede Menge Tanz-Action: Das ist die bunt schillernde Fassade von „Hairspray“. Waters hat in seine Story aber auch die Probleme von Menschen gepackt, die weder Anfang der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts noch in diesem Jahrzehnt dem gängigen Schönheitsideal entsprechen. Dicke „Vollweiber“ sind die Stars, dazu wird noch die Diskriminierung von Schwarzen in die Geschichte verwoben, in der ein pummeliger Teenager den sehnlichen Wunsch hat, in der Tanzshow des örtlichen Fernsehsenders in Baltimore mitzuwirken. „Der Normalo ist der Star in dieser Show!“, sagte Maite Kelly im AP-Interview. „Mit Humor kann ich als Dicke überleben hier in dieser Welt.“ Und Humor und Unterhaltung ist, wie Waters selbst erklärt hat, der beste Weg, Menschen von ihren Vorurteilen abzubringen.

„Mit Humor lassen sich viele schwierige Situationen auch ganz gut überbrücken“, sagt Ochsenknecht. „Das ist in dem Stück wirklich toll gemacht. Dass es nie mit dem Zeigefinger ist, sondern dass es immer auf so eine spielerische, humoristische Art dargebracht wird – obwohl die Probleme existenzieller Art sind.“

Lebensfreude entfaltet sich am besten, wenn alle sich gegenseitig akzeptieren – und auch sich selbst so, wie sie sind. Das ist natürlich ein Kontrast zu einer Zeit, in der ständig nach dem nächsten Topmodel und dem nächsten Superstar gesucht wird – und in der Äußerlichkeiten wichtig sind. „Viele Mädchen ärgern sich, dass sie keine zwei Meter groß sind und keine 55 Kilo wiegen“, sagt Kelly. „Dabei sind sie kerngesund und gar nicht mal dick. Es gibt leider viele Kinder, die nicht dick sein müssen, weil sie überfüttert und vernachlässigt werden von den Eltern, und ich bin sehr dagegen, dass da nichts gemacht wird. Diese Kids brauchen Hilfe. Aber es gibt Kids wie ich, die wirklich von Anfang an... Wenn das halt so ist, muss man das Kind oder die Person mit einer anderen Kraft bestärken. Man kann, man darf sich auch mit seinen Schwächen lieben.“

„Alle Sinne werden angesprochen“

Ochsenknecht verweist wieder auf Waters, von dessen Film von 1988 Hollywood vor zwei Jahren ein erfolgreiches Remake mit John Travolta, Michelle Pfeiffer und Queen Latifah auflegte: „John Waters hat ja gesagt, dass damals dicke Frauen nach dem Film plötzlich wieder Selbstbewusstsein bekommen haben.“ „Hairspray“ als Feuerwerk der Lebensfreude, aus dem man lernen oder darin bestärkt werden kann, „zu akzeptieren, wie man halt eben ist“.

O' Brien und sein Koregisseur Matt Lenz haben dafür gesorgt, dass der Schwung der Show in der deutschen Inszenierung nicht hinter dem von New York und London zurückbleibt, wo „Hairspray“ seit sieben und zwei Jahren erfolgreich läuft. „Das spürt man in den Waden und Beinen“, sagt Ochsenknecht und lacht trotzdem. „Am ganzen Körper spürt man das! Sagen wir mal so: Ich hab's ja in London gesehen. Ich bin aus dem Theater raus und dachte: 'Unglaublich, was für ein geiles Stück!' Weil: Alle Sinne werden angesprochen.“ Als ihm die Rolle der Edna Turnbald angetragen worden sei, habe er deshalb nur unter der Bedingung zugesagt, dass die deutsche Inszenierung das Niveau der Londoner haben müsse. „Sonst steig' ich zwischendrin wieder aus. Wenn ich merk', das wird so halbherzig. und es wird nicht alles rausgeholt, was rauszuholen ist aus dem Stück, dann habe ich da keine Lust.“ Nach der ersten Probewoche sei aber klar gewesen, dass alle voll hinter dem Stück stehen. Sieben Millionen Euro investieren Lieberberg und Brenner nach eigenen Angaben in die Show und hoffen, mit „Hairspray“ einen ähnlichen Publikumsmagneten wie das Queen-Musical „We Will Rock You“ nach Köln geholt zu haben.

„Hairspray“ hat am 6. Dezember im Kölner Musical Dome (nähe Hauptbahnhof) Premiere. Ochsenknecht steht nach eigenen Angaben sechs mal die Woche auf der Bühne und wechselt sich mit Tetje Mierendorf in der Rolle der Edna ab. (AP)

http://www.hairspray.de

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