Kultur – Musikalischer Bewahrer und Erneuerer – DAPD
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Musikalischer Bewahrer und Erneuerer

DAPD

05.05.2008

Hamburg – „Guten Abend, gute Nacht, mit Rosen bedacht...“: Mit diesen Zeilen ist schon fast jedes Kind eingeschlafen. Der Schöpfer der Melodie, Johannes Brahms, gilt als einer der größten deutschen Komponisten. In fast allen musikalischen Gattungen erschuf der Spätromantiker Werke, die zum festen Repertoire von Orchestern und Chören weltweit zählen. Am 7. Mai wäre der gebürtige Hamburger 175 Jahre alt geworden.

Zu den bedeutendsten Werken von Brahms zählen „Ein Deutsches Requiem“, die „Ungarischen Tänze“ und seine vier Sinfonien. Doch seine Musik ist manchmal schwer zugänglich und gewinnt erst beim zweiten Hören. So verwundert es nicht, dass seine Werke oft auf Widerspruch stießen. Schon zu Lebzeiten teilten sich Musikliebhaber in „Brahminen“ und „Wagnerianer“, die Brahms als unmodern ansahen.

Seine Werke sind fest in der europäischen Musiktradition verankert: In der Form ließ sich Brahms vom Barock beeinflussen, in Melodik vom Volkslied und in der Sinfonie von Beethoven. Wie selbstverständlich knüpfte er für „Ein deutsches Requiem“ bei Bach und Händel an. Brahms suchte Kontinuität und zugleich die Distanz zu den Vorgängern. Ihm gelang wie keinem Zweiten die Synthese zwischen Bewahrendem und Erneuerndem.

Freundschaft zum Ehepaar Schumann

Brahms wurde am 7. Mai 1833 als Sohn eines Kontrabassisten geboren und entwickelte sich schon früh zu einem pianistischen Wunderkind. Das Klavier blieb stets Ausgangspunkt für viele seiner Stücke. Von seinen rund 300 Liedern sind gut zwei Drittel für das Klavier komponiert. Schon in seinen frühen Werken ist der ihm eigene wehmütige Ton zu hören.

Auf seiner ersten Konzertreise 1853 lernte der damals 20-Jährige das Ehepaar Schumann kennen, das sich für sein Talent begeisterte. Robert Schumann nannte Brahms einen „Berufenen“ und förderte dessen Karriere. Er solle sich immer an die Anfänge der beethovenschen Sinfonien erinnern, riet Schumann. Doch es kam für Brahms einer Quadratur des Kreises gleich, Beethoven zu ehren und sich zugleich von ihm zu emanzipieren. So arbeitete er an seiner ersten Sinfonie mehr als 15 Jahre, bis sie 1876 uraufgeführt wurde.

Düsseldorf, Detmold, Hannover und immer wieder Hamburg waren Stationen seines künstlerischen Weges. Er hoffte, Dirigent der Hamburger Philharmonie zu werden. Doch die Entscheidung fiel 1862 gegen ihn und zugunsten von Julius Stockhausen aus. Tief gekränkt zog Brahms nach Wien, seine Heimatstadt ließ ihn aber nie ganz los. „Ich bekomme Sehnsucht, wenn ich recht an Hamburg denke und fühle mich immer in gewisser Weise besonders glücklich, wenn ich dort bin“, schrieb er in einem Brief.

2000 Aufnahme in die Walhalla

Wien nahm Brahms mit Freuden auf. Im folgenden Jahr wurde er zum Leiter der Singakademie ernannt, fühlte sich für die administrativen Pflichten jedoch nicht geschaffen. Schon nach einem Konzertwinter bat er um seinen Abschied. Fortan lebte er die meiste Zeit als freischaffender Künstler. Etliche Konzertreisen führten ihn als Interpret und Dirigent seiner eigenen Werke durch ganz Europa. In der Sehnsucht nach einem bürgerlichen Leben verlobte er sich 1868 mit Agathe von Siebold, trennte sich jedoch bald. Er blieb zeitlebens unverheiratet.

Der als Pianist, Komponist und Dirigent gefeierte Brahms starb am 3. April 1897 in Wien an einem Krebsleiden – nur ein Jahr nach Clara Schumann, der er sich zeitlebens verbunden fühlte. Er wurde auf dem Wiener Zentralfriedhof nahe den Ruhestätten Beethovens und Schuberts beerdigt.

Der Hamburger Ehrenbürger wurde im Jahr 2000 in die Walhalla aufgenommen. Im Februar 2008 bekamen die Berliner Philharmoniker unter Leitung von Sir Simon Rattle für die Aufnahme „Brahms: Ein Deutsches Requiem“ den Musik-Oscar Grammy. Mit Konzertreihen und Sonderausstellungen feiert die Musikwelt den Geburtstag des Komponisten in diesem Jahr unter anderem in Lübeck, Hamburg, Hannover und Kärnten. (AP)

 

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