Aktuelle Nachrichten – Menschen & Meinungen
31.05.2007
Berlin – Als einen ersten Schritt der Verständigung hat der Sprecher des Koordinierungsrates der Muslime, Ayyub Axel Köhler, das Spitzentreffen mit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bezeichnet. Köhler sagte am Donnerstag im Deutschlandradio Kultur, allerdings sei es in der kurzen Zeit nicht möglich gewesen, grundsätzliche Fragen zu besprechen. Deshalb habe seine Seite die Einrichtung einer gemeinsamen Kommission vorgeschlagen.
Der Dialog solle mit guten Taten verbunden werden. Schließlich sei es Ziel beider Religionen, gesellschaftliche Probleme wie Gewalt, Armut und Antisemitismus zu bekämpfen.
Muslime und EKD-Vertreter hatten sich am Mittwochabend in Mannheim getroffen. Köhler sagte, die grundsätzlichen Fragen der EKD an die Muslime seien nach einem bereits über Jahrzehnte andauernden Dialog allerdings nicht mehr nachzuvollziehen. Als Beispiel sei das Verhältnis der Muslime zur Demokratie zu nennen: „Wir Muslime haben glaubwürdig kundgetan, dass wir fest auf dem Boden des Grundgesetzes stehen ohne Wenn und Aber.“
Jürgen Schmude, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Islam bei der EKD, zeigte sich optimistisch über eine weitere Zusammenarbeit der Vertreter beider Seiten. Zwar sei man nicht über einen Austausch von Ansichten hinaus gekommen, aber man bleibe im Gespräch, sagte er dem Sender. Das Gespräch sei sachlich verlaufen, was nach der grimmig formulierten Stellungnahme der Muslime im Vorfeld ein Fortschritt sei.
Unsicherheiten gebe es im Gespräch mit den Muslimen, weil es eine Vielzahl von Gruppen gebe und nicht klar sei, für wie viele Muslime die Vertreter gesprochen haben. Auch sei nicht immer ganz klar gewesen, welches ihr letzter Stand zu den kritischen Fragen gewesen sei.
„Man nimmt die Unterschiedlichkeit der muslimischen Seite wahr, nun kann man daraus nicht einen Block machen und sie alle gleich behandeln“, sagte Schmude. Die Gründung des Koordinierungsrats der Muslime habe den Dialog erleichtert. „Es ist positiv, dass sie sich nun um eine gemeinsame Haltung bemühen. Dass das Bemühen nur langsam Früchte trägt, steht auf einem anderen Blatt.“ Den Vorschlag der Muslime, auch die Juden Deutschlands in die Gespräche einzubeziehen, lehnte Schmude zunächst ab. Für eine Veränderung vom Dialog zum Trialog sei jetzt nicht die Zeit.
Köhler wiederholte seine Kritik am Positionspapier der EKD mit dem Titel „Klarheit und gute Nachbarschaft“. Sie wolle sich damit auf Kosten der Muslime profilieren und das Papier sei in weiten Teilen undifferenziert. Das betreffe zum Beispiel die Aussagen zur Ehe und zum islamischen Recht. (AP)
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