Aktuelle Nachrichten – Deutschland
21.04.2010
Hannover (apn) Die erste muslimische Ministerin in Deutschland, Aygül Özkan, fordert mehr Integrationsbemühungen von den Einwanderern. In ihren ersten Interviews nach der Benennung als niedersächsische Sozialministerin betonte sie die Verantwortung der Eltern, aber auch der jugendlichen Immigranten. „Ganz wichtig ist, dass Kinder mit Migrationshintergrund so früh wie möglich in eine Kita gehen, damit sie die Sprache und die hiesige Kultur kennenlernen“, sagte die designierte CDU-Ministerin der „Bild“-Zeitung. „Dafür werde ich kämpfen.“
In der „Zeit“ forderte Özkan die Migranten in Deutschland auf, sich stärker auf die deutschstämmige Bevölkerung hinzuzubewegen. „Man muss auf die Menschen zugehen. Gerade dann, wenn man fremd ist oder fremd aussieht, ist es wichtig, dass man den ersten Schritt macht. Wir schotten uns noch zu sehr ab“, sagte die 38 Jahre alte Managerin.
Die studierte Juristin verlangte mehr Ehrgeiz vor allem von jugendlichen Einwanderern: „Ich mache niemandem einen Vorwurf, der sich im deutschen System nicht auskennt, selbst keine Schule besucht hat. Aber ich kann es nicht akzeptieren, wenn Jugendliche nicht die Chancen ergreifen, die ihnen geboten werden. Wir müssen uns wieder darauf besinnen, warum unsere Eltern nach Deutschland gekommen sind: Damit die Kinder es einmal besser haben.“
Der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ sagte Özkan zudem, dass sie sich nicht nur auf das Thema Integration reduzieren lassen wolle. Schließlich sei sie in der Hamburger CDU wirtschafts- und arbeitsmarktpolitische Sprecherin gewesen. Dennoch fügte sie hinzu: „Sicher erfülle ich als erste türkischstämmige Ministerin in einem Landeskabinett eine Art Vorbildfunktion. Integration lebe ich in mir.“
Auf Forderung in verschiedenen türkischsprachigen Foren im Internet, wonach Özkan nun ein Kopftuch tragen solle, reagierte sie mit eindeutiger Ablehnung: „Schon meine Mutter hat kein Kopftuch getragen. Und ich werde das nie tun.“ In der Türkei gebe es sogar ein Kopftuchverbot. „Jeder muss leben, wie es ihm gefällt“, ergänzte sie.
Özkan wird als erstes Gastarbeiterkind Ministerin in Deutschland. Die Managerin und gläubige Muslimin war 2004 in Hamburg den Christdemokraten beigetreten und machte schnell Parteikarriere. Seit 2008 saß sie in der Hamburger Bürgerschaft. Kommende Woche soll sie als neue Ministerin in Hannover vereidigt werden.
Von ihrer Berufung war die CDU-Politikerin selbst überrascht: „Damit hätte ich nie gerechnet. Aber ich habe mich natürlich sehr gefreut, und auch meine Familie ist ganz stolz“, sagte sie laut „Bild“. (AP)
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