Foto: Michael Probst/AP Photo
Berlin – Die Sachsen sind die Musterschüler. Im Bundesländervergleich "Bildungsmonitor 2011", der am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde, sicherte sich das ostdeutsche Land erneut den ersten Platz – zum sechsten Mal in Folge. Thüringen landete wie im Vorjahr auf Platz zwei vor Baden-Württemberg und Bayern. Schlusslicht der Rangliste ist weiter Berlin.
Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln macht den Ländervergleich seit 2004 jedes Jahr im Auftrag der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Bewertet werden die Bildungssysteme anhand von 111 Indikatoren – unter anderem dem Angebot an Ganztagsschulen und Kitas, Betreuungsrelationen an Schulen, Abiturientenquoten oder Bildungsausgaben.
Sachsen und Thüringen bleiben laut Studie die "Kaderschmieden" für den Nachwuchs in den naturwissenschaftlichen und technischen Fächern. Die Studienautoren bescheinigen beiden Ländern die höchste Schulqualität, gute Betreuungsbedingungen, exzellente Voraussetzungen für eine individuelle Förderung und die größten Erfolge im Kampf gegen Bildungsarmut.
Baden-Württemberg und Bayern – die Dritt- und Viertplatzierten - punkten vor allem mit ihrer Schulqualität und dem Übergang in den Arbeitsmarkt. An Berlins Schulen hapert es dagegen mit der Qualität. Viele junge Leute verließen die Schule dort ohne ausreichende Grundlage für den Job, beklagen die Studienautoren. Auch die Zahl der ausländischen Schüler ohne Abschluss sei zu hoch. Die Hauptstadt habe sich gegenüber dem Vorjahr zwar deutlich verbessert. Der Absprung vom letzten Platz sei aber nicht geglückt.
Die Studie bescheinigt fast allen Bundesländern Fortschritte gegenüber 2010. Besonders zugelegt hat demnach Mecklenburg-Vorpommern. Das Land im Nordosten der Republik sei der "Dynamiksieger" bei dem Ranking.
Der Geschäftsführer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, Hubertus Pellengahr, sagte, Qualität und Gerechtigkeit im Bildungssystem hätten zugenommen. "Aber es gibt weiter viel zu tun." Insbesondere bei der Integration und der frühkindlichen Bildung gebe es noch Defizite.
Pellengahr plädierte außerdem dafür, den Lehrerberuf aufzuwerten - durch bessere Bezahlung und eine bessere Durchlässigkeit. Niemand müsse ein Leben lang als Lehrer arbeiten. Auch am Ansehen des Berufsstandes sollte sich etwas ändern. Im Zweifel müsse auch überlegt werden, Lehrern, in deren Fächern der Mangel besonders groß sei, mit zusätzlichem Geld anzulocken.
Vor allem müssten "unsinnige Strukturexperimente" im Bildungssystem ein Ende haben, forderte Pellengahr: "Schüler wollen nicht länger die Versuchskaninchen der Republik sein."
Auch der Studienleiter Axel Plünnecke mahnte, die Länder dürften nicht durch immer neue Reformen "Unruhe ins System bringen". Der allgemeine Trend der Länder sei zwar positiv. Es gebe aber keinen Grund, die Hände in den Schoß zu legen.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft reagierte mit scharfer Kritik auf die Studie. Die Untersuchung beurteile Bildung allein aus ökonomischer Sicht, sagte der Gewerkschaftsvorsitzende Ulrich Thöne. Um bildungspolitische und pädagogische Fragen gehe es nicht. Thöne sprach von "interessengeleiteter Unternehmerpolitik - umhüllt vom dünnen Mäntelchen" einer Bildungsstudie.
(dapd)
Hier können Sie sich im Newsletter eintragen.
Historischer Schulkonsens in NRW
(19.07.2011)
Ehrenamt: Bildung macht den Unterschied
(19.07.2011)
Armut macht Kinder ungebildet – und krank
(16.04.2011)
Schlechte Noten fürs Bildungssystem
(14.04.2011)