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Nach Baby-Tod Krisenstab in Berlin gebildet

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25.10.2012

Nach Baby-Tod Krisenstab in Berlin gebildet Foto: dapd/Clemens Bilan
Nach Baby-Tod Krisenstab in Berlin gebildet

Foto: dapd/Clemens Bilan

Berlin – Nach dem Tod eines Babys durch eine Darmkeiminfektion in der Berliner Charité prüft die Staatsanwaltschaft die Notwendigkeit einer Obduktion. Ob es erforderlich sei, die bereits beigesetzte Leiche des am 5. Oktober im Deutschen Herzzentrum verstorbenen Babys zu exhumieren, sei eine rechtsmedizinische Frage, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, am Donnerstag.

Diese Entscheidung werde zeitnah fallen. Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) kritisierte unterdessen die Informationspolitik der Charité. Zugleich verteidigte er die Krankenhaus-Hygieneverordnung als ausreichend. Nach Darstellung Czajas hat Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) Charité und Herzzentrum für Freitag "zu einem Gespräch eingeladen".

Am vergangenen Wochenende war bekannt geworden, dass Anfang Oktober ein Neugeborenes an den Folgen einer Infektion mit Serratienkeimen gestorben war. Das Kind war nach einer Behandlung am Campus Virchow-Klinikum der Charité im benachbarten Deutschen Herzzentrum in Berlin operiert worden. Darüber hinaus sollen sich den Angaben zufolge bereits vor Monaten zwei Babys mit Serratien in der Charité angesteckt haben. Ob es einen Zusammenhang zu den jüngsten Vorfällen gibt, ist noch unklar. Außer dem gestorbenen Säugling hatten sich sieben weitere Säuglinge mit den Darmbakterien infiziert. Die Infektionszeichen seien weiterhin rückläufig, teilte die Charité mit. Neue Fälle seien nicht aufgetreten.

Bezirk Mitte bildet Krisenstab

Weitergehende Hygiene-Maßnahmen würden derzeit nicht für notwendig erachtet, sagte Czaja am Donnerstag im Abgeordnetenhaus. Die Verordnung war nach der Novellierung des Bundesinfektionsschutzgesetzes angepasst worden und gilt seit Juni. Bislang ergaben Kontrollen auf den betreffenden Frühchenstationen in der Charité und im Herzzentrum laut Gesundheitsamt Mitte, dass die Hygienevorschriften eingehalten wurden.

Das Gesundheitsamt betonte zudem, dass zu den Überwachungsmaßnahmen stets auch die Überprüfung der Umsetzung der Hygieneempfehlungen gehöre. Dabei werde auch die Dokumentation von Infektionskrankheiten in den Kliniken kontrolliert und detailliert bewertet. Im Zusammenhang mit den Darmkeiminfektionen in der Charité und am Herzzentrum habe am Donnerstag ein bezirklicher Krisenstab die Arbeit aufgenommen, teilte das Bezirksamt mit. Ziel sei es, das Gesundheitsamt Mitte angesichts der "sich ausweitenden Krise" zu unterstützen. Dabei seien die Senatsgesundheitsverwaltung und andere bezirkliche Gesundheitsämter um Amtshilfe angefragt worden.

Zunächst Irritationen zum Verbleib der Baby-Leiche

Die Informationspolitik der Charité kritisierte Senator Czaja als "schwierig und verbesserungswürdig". Erst am 20. Oktober wurde der Tod des Neugeborenen öffentlich gemacht. Czaja forderte zudem eine bessere Zusammenarbeit zwischen Klinik und anderen Organisationen. "Es kann nicht sein, dass ein Frühchen im Herzzentrum operiert wird, dort ein Totenschein ausgestellt wird und die Charité das Herzzentrum keine einzige Minute darüber informiert, dass das Kind mit Serratien-Keimen besiedelt war", wie Czaja im RBB-Inforadio sagte. Die Informationspolitik müsse verbessert werden.

Zum Verbleib der Leiche des gestorbenen Säuglings hatte es am Mittwoch Irritationen gegeben. Zunächst hatte die Staatsanwaltschaft erklärt, dass ihr die Identität des toten Babys nicht bekannt sei. Später informierte die Behörde, dass es bereits Vorgespräche zwischen der Charité und der Mordkommission gegeben habe. Die Staatsanwaltschaft sei aber erst am Mittwochnachmittag nach einem richterlichen Beschluss über Identität und Verbleib der Babyleiche offiziell informiert worden. Den Angaben zufolge war auch die Familie des gestorbenen Babys erst am Mittwoch über die Darmkeiminfektion informiert worden, die zum Tod des Kindes geführt hatte.

dapd

 

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