Aktuelle Nachrichten – Deutschland
12.12.2010
Karlsruhe – Nach dem bewaffneten Banküberfall mit zwei Toten in der Karlsruher Innenstadt am Freitag wird nach Angaben der Polizei weiter auf Hochtouren ermittelt. Vertreter von Staatsanwaltschaft und Polizei kündigten allerdings am Samstag an, dass es vor Beginn der kommenden Woche keine weiteren Erklärungen geben werde. Unklar blieb, ob sich die an dem Überfall beteiligte mutmaßliche Bankräuberin selbst erschossen hat. Ein mutmaßlicher Täter wurde von der Polizei erschossen. Eine Polizistin wurde schwer verletzt. Sie befindet sich nach Angaben des baden-württembergischen Landesvorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Rüdiger Seidenspinner, auf dem Weg der Besserung.
Zwtl.: Unklarheit über möglichen Selbstmord der Täterin
Das Paar hatte am Freitagnachmittag die Volksbank in der Innenstadt von Karlsruhe überfallen und Geld erbeutet. Auf ihrer Flucht vor der Polizei kam es zu dem tödlichen Schusswechsel. Wie viele Schüsse fielen, blieb zunächst unklar.
Bei den Erschossenen handelt sich laut den am Tatort gefundenen Ausweispapieren um ein tschechisches Ehepaar, eine 38-jährige Frau und einen 40 Jahre alten Mann. Die Frau war nach Angaben der Staatsanwaltschaft sofort tot, der Mann starb nach der Versorgung durch den Notarzt wenige Minuten später. Die Polizei hält es nach derzeitigen Ermittlungen und aufgrund einer Zeugenaussage für möglich, dass sich die Frau durch einen Schuss in den Mund selbst umbrachte. Der Mann hatte zuerst das Feuer eröffnet.
Eine 28-jährige Polizistin erlitt einen Oberschenkeldurchschuss und liegt im Krankenhaus. Ihr geht es laut Seidenspinner besser. Passanten wurden nicht verletzt. Die anderen an dem Einsatz beteiligten Polizeibeamten würden nun betreut, sagte der GdP-Landesvorsitzende. Seidenspinner erläuterte, dass die Polizei jedes Jahr rund um Weihnachten verstärkt auf Banken achte, Einsätze wie der am Freitag gehörten zum Polizeialltag. Innerhalb weniger Sekunden hätten die Beamten auf die Schüsse der Bankräuber reagieren müssen, dafür seien sie aber ausgebildet. Seidenspinner äußerte die Hoffnung, dass die Bürger nach Einsätzen wie dem in Karlsruhe sähen, was sie an der Polizei hätten.
Zwtl.: Täter höchstwahrscheinlich "Gentlemen-Räuber"
Bei den Getöteten handelt es sich nach Angaben der Polizei mit hoher Wahrscheinlichkeit um die sogenannten "Gentlemen-Räuber". Endgültige Klarheit müsse aber ein DNA-Vergleich bringen. Die "Gentlemen-Räuber" hatten in den vergangenen 15 Jahren bei 20 Überfällen auf Banken in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg rund zwei Millionen Euro erbeutet. Der letzte Überfall hatte sich im Juli auf eine Sparkassenfiliale in Karlsruhe ereignet. Der Ausdruck "Gentlemen-Räuber" geht darauf zurück, dass die Bankräuber bei ihren ersten Taten einige Gegenstände zurückschickten, unter anderem Fahrzeugschlüssel, und bei ihren Überfällen auf die Bankangestellten angeblich Rücksicht genommen haben.
(Quellen: Seidenspinner im dapd-Interview; alle anderen in Mitteilung)
(dapd)
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