Aktuelle Nachrichten – Deutschland
19.06.2007
Dessau – Nach dem schweren Busunfall in Sachsen-Anhalt mit 13 Toten prüft die Staatsanwaltschaft Dessau eine Ausweitung der Ermittlungen. Bislang werde gegen den 46-jährigen Lkw-Fahrer Hermann R. wegen fahrlässiger Tötung ermittelt, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Folker Bittmann am Dienstag in Dessau vor Journalisten. Das bedeute jedoch nicht, „dass der Mann der alleinige ist, der Verantwortung für das Unglück trägt“. Es könne durchaus sein, dass es weitere Mitschuld und Mitversagen gebe. Es werde noch eine ganze Weile dauern, bis der Frage nach der strafrechtlichen Schuld beantwortet sei.
Bittmann kündigte technische Gutachten an. Die DEKRA habe die notwendigen Beweise sichergestellt. Untersucht würden sowohl der Lastkraftwagen als auch der Bus. Unter anderem gehe auch darum, ob bei dem Reisebus am Stauende Bremslicht und Warnblinkanlage funktionierten. Den ersten Erkenntnissen zufolge sei zumindest ein Teil der Insassen angeschnallt gewesen: „Der Bus war mit Sicherheitsgurten ausgestattet“, sagte der Oberstaatsanwalt. Ob alle angeschnallt waren, müssten die weiteren Untersuchungen ergeben.
Auch der Lkw werde auf mögliche technische Mängel untersucht. So stehe noch nicht fest, ob der Radlader auf dem Anhänger des Lasters vorschriftsmäßig vertäut war. Der Fahrtenschreiber des Lkw sei sichergestellt, aber noch nicht ausgewertet worden, antwortete Bittmann auf entsprechende Fragen nach den Lenkzeiten.
Bei dem schweren Busunfall waren am Montagnachmittag 13 Menschen getötet und 36 zum Teil schwer verletzt worden. Der Lkw war nach den ersten Ermittlungsergebnissen ungebremst auf den wegen eines Staus stehenden oder fast stehenden Bus gefahren, der daraufhin eine sieben bis acht Meter hohe Böschung hinuntergestürzt war. „Der Lkw muss auf den Bus mit einem recht hohen Tempo aufgefahren sein“, sagte Bittmann. In der Folge habe der Reisebus einen Schub nach vorn bekommen, habe sich gedreht und sei über die Leitplanke in die Böschung gestürzt. Bevor der Bus in die Tiefe gefallen sei, habe er noch ein Auto angestoßen. Die Pkw-Fahrerin hat das Unglück kommen sehen und maßvoll Gas gegeben. Der Schaden an diesem Fahrzeug halte sich in Grenzen.
Der Lkw-Fahrer als mutmaßlicher Unfallverursacher liegt nach Angaben des Oberstaatsanwalts im Krankenhaus. Der Mann stehe unter Schock und konnte noch nicht vernommen werden. Es sei erforderlich, „behutsam an ihn heranzutreten“, sagte Bittmann. „Auch ihn hat das Geschehen nicht unberührt gelassen.“
Die Dessauer Polizeipräsidentin Brigitte Scherber-Schmidt teilte mit, dass die 13 Toten weitgehend identifiziert seien. „Weitgehend“, weil ein Abgleich des Zahnstatus' noch nicht erfolgt sei, erklärte sie. Auch die Identifizierung der Verletzten am Unfallort sei nicht einfach gewesen, weil nur wenige Ausweispapiere unmittelbar bei sich gehabt hätten.
Scherber-Schmidt erklärte, die meisten Toten hätten im hinteren Teil des Fahrzeuges gesessen. Weil sich die Rettungskräfte zunächst auf die Bergung der Verletzten konzentrierten, sei die Bekanntgabe der Zahl der Todesopfer in so langem zeitlichen Abstand erfolgt. (AP)
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