Aktuelle Nachrichten Europa – Nach Gerüchten um geschönte Zahlen abgestürzt – DAPD
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Bank-Bär-Aktie Nach Gerüchten um geschönte Zahlen abgestürzt

DAPD

06.02.2009

Zürich/Bern – Der Aktienkurs der Zürcher Bank Julius Bär ist wegen Gerüchten um geschönte Zahlen am Freitag vorübergehend um über 40 Prozent abgestürzt. Auslöser waren ein anonymer Brief an die Aufsicht und Marktgerüchte über angeblich geschönte Zahlen. Später erholte sich der Kurs und stand bei Börsenschluss noch 9,7 Prozent im Minus.

Die Gerüchte gingen auf einen anonymen Brief zurück, der letztes Jahr um die Weihnachtszeit an die damalige Bankenkommission, die heutige Finanzmarkaufsicht FINMA, geschickt worden war. Gemäss dem Schreiben, das der AP vorliegt, sollen verlustbringende Wertschriften in den Eigenhandelsbeständen, den so genannten Nostro-Positionen, „parkiert“ worden sein. Bei richtiger Verbuchung wären gemäss dem Schreiben Millionenverluste entstanden.

FINMA-Sprecher Tobias Lux bestätigte auf Anfrage der AP, dass die Aufsichtsbehörde das anonyme Schreiben Ende 2008 erhalten habe und betonte, es habe nichts mit den verwalteten Vermögen zu tun. Obwohl anonym, sei der Brief von der FINMA ernst genommen worden. Die Aufsichtsbehörde forderte laut Lux bei der Bank-Bär-Gruppe eine schriftliche Stellungnahme an. Zudem wurde die Revisionsgesellschaft – die KPMG – voll informiert. Inzwischen habe die Bank Massnahmen ergriffen, sagte Lux, ohne sich näher dazu zu äussern. Diese Massnahmen werden nun von der Aufsichtsbehörde genau angeschaut, wie der FINMA-Sprecher sagte. Auch über die Massnahmen wurde die Revisionsgesellschaft informiert.

In einer internen Mitarbeiterinformation, die die Bank auf Anfrage zur Verfügung stellte, bestätigt das Institut, dass ein ehemaliger Mitarbeiter der Markets Division gewisse Nostro-Positionen nicht in Übereinstimmung mit den an ihn erteilten Instruktionen verbucht habe. Diese Positionen seien im Oktober 2008 ins Treasury-Bond-Portfolio transferiert worden. Die Bank wies weiter darauf hin, dass die Transaktion in einer Fussnote des Jahresberichts erwähnt und mit einem nicht realisierten Verlust von fünf Millionen Franken ausgewiesen werde. Für die Bankengruppe sei die Angelegenheit nicht relevant, heisst es in der internen Information. Man habe die Behauptungen im anonymen Brief aber sehr ernst genommen und die Schweizer Börse wegen einer möglichen Untersuchung über Marktmanipulation kontaktiert.

Am Markt hatte es zuvor geheissen, in dem Brief sei die Julius-Bär-Führung bezichtigt worden, den Betrag der verwalteten Vermögen geschönt zu haben. Bank-Bär-Chef Johannes de Gier wies die Vorwürfe an der Bilanz-Medienkonferenz zurück, ohne näher auf sie einzugehen. Sie entbehrten jeder Grundlage, sagte de Gier. Es habe sich um einen kleineren, absolut irrelevanten Handelszwischenfall im vergangenen Oktober gehandelt. Auf weitere Fragen trat er nicht ein: Gerüchte würden nicht kommentiert.

Das Institut hatte einen von Analysten als durchzogen bezeichneten Jahresabschluss mit einem Gewinnrückgang um einen Viertel vorgelegt. Bemängelt wurden von den Analysten vor allem massive Geldabflüsse.

Laut Geschäftsbericht 2008 ging die gesamte Entschädigung für de Gier im Vergleich zum Vorjahr um gut drei Millionen auf noch fünf Millionen Franken zurück. Die Entschädigungen für die Geschäftsleitung sanken von 13,9 auf 3,5 Millionen Franken. (AP)

 

 

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