Aktuelle Nachrichten – Europa
29.01.2006
Valence/Bellinzona - Starker Schneefall hat am Wochenende den Verkehr in Teilen der Schweiz, in Norditalien, Südfrankreich und Portugal massiv behindert und zu stundenlangen Verspätungen geführt. In Frankreich waren wegen der Schneemassen am Sonntag rund 20.000 Haushalte ohne Strom. Im portugiesischen Figueira da Foz fiel zum ersten Mal seit fünf Jahrzehnten Schnee. Im Tessin lagen am Samstag bis zu 80 Zentimeter Schnee, so viel wie seit mehr als 20 Jahren nicht mehr.
140 Ortschaften in Südfrankreich seien von dem Stromausfall betroffen, teilte der Energieversorger EDF-GDF mit. An mehreren Flughäfen mussten die Verbindungen am Samstag vorübergehend ganz eingestellt werden, in Toulouse schliefen gestrandete Passagiere auf den Sitzbänken. Nach Angaben des Bahnunternehmens SNCF gab es bei Zugverbindungen Verspätungen bis zu zwei Stunden. Die TGV-Züge zwischen Paris und Marseille fuhren besonders langsam.
In Norditalien brachten die heftigen Schneefälle den Auto-, Bahn- und Flugverkehr schon am Freitag praktisch zum Erliegen. Der Mailänder Flughafen Linate wurde am Nachmittag ganz geschlossen. In Bergamo, Parma und Genua wurde der Flugverkehr zumindest vorübergehend eingestellt. Am Flughafen Malpensa nördlich von Mailand mussten zahlreiche Flüge gestrichen werden. Auch viele Schulen wurden geschlossen. Stellenweise fielen bis zu 70 Zentimeter Schnee.
Erfreut waren darüber die Organisatoren der Olympischen Winterspiele in Turin, die am 10. Februar beginnen. In den Wettkampfgebieten hatte es seit Jahresbeginn nicht mehr geschneit, so dass schon Sorgen über etwaige Beeinträchtigungen der Winterspiele geäußert wurden. Die seit Mittwochabend andauernden Schneefälle hielten auch am Sonntag noch an, in Turin wurden bis zu 60 Zentimeter Schnee gemessen.
In Portugal brachte der Schneefall am Sonntag den Verkehr auf mehreren Straßen zum Erliegen. Die Meteorologen sagten auch für die kommenden Tage kalte Temperaturen voraus.
Im Tessin entspannte sich die Lage nach den stärksten Schneefällen seit 20 Jahren wieder etwas. Der Bahnverkehr konnte wieder aufgenommen werden. Noch am Samstagmorgen war der Bahnbetrieb durch die Schneemengen massiv behindert, Zugreisen über die Gotthard- oder die Simplonroute waren nur vereinzelt möglich. Für das gesamte Straßennetz im Tessin war jedoch weiterhin Winterausrüstung erforderlich.
In Morbio Inferiore in der Nähe von Mendrisio im Südtessin musste am Samstag ein Teil eines Einkaufszentrums wegen Einsturzgefahr vorsorglich geschlossen bleiben. In Locarno brach ein Fahrzeugunterstand für zwölf Autos ein.
Am meisten Neuschnee gab es seit Donnerstagmorgen in Grono im bündnerischen Misox mit 77 Zentimetern. In Bosco Gurin im Tessin fielen innerhalb von drei Tagen 73 Zentimeter, in San Bernardino 62 Zentimeter und in Nante oberhalb von Airolo 61 Zentimeter Schnee. In tiefen Lagen wie in Lugano lag der Schnee am Sonntagmorgen immerhin noch 45 Zentimeter hoch.
In Schweden kamen zwei Schlittschuhläufer ums Leben, die in einen See eingebrochen waren, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. Sie waren am Samstag mit rund 100 weiteren Eisläufern auf dem Malaren-See westlich von Stockholm unterwegs, insgesamt zwölf von ihnen stürzten in das eisige Wasser. Die beiden Männer starben im Krankenhaus an Unterkühlung, der Zustand eines dritten wurde als kritisch beschrieben.
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