China News - Gesellschaft – Nachbeben im chinesischen Katastrophengebiet löst Erdrutsche aus – Audra Ang
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Erdbeben in Sichuan Nachbeben im chinesischen Katastrophengebiet löst Erdrutsche aus

Audra Ang

16.05.2008

Beichuan/China – Ein starkes Nachbeben hat im chinesischen Katastrophengebiet neue Erdrutsche ausgelöst. Dadurch wurde eine Straße in die am schwersten betroffenen Orte abermals zugeschüttet, wie die Nachrichtenagentur Xinhua am Freitag berichtete. Der heftige Erdstoß in der Provinz Sichuan hatte amerikanischen Geologen zufolge die Stärke 5,5 und lag nur zehn Kilometer unter der Erdoberfläche – genau wie bei dem verheerenden Beben der Stärke 7,9 vom Montag.

Ob bei dem neuen Beben Menschen zu Schaden kamen, war zunächst nicht bekannt. Die bestätigte Zahl der Todesopfer des ersten Bebens wurde inzwischen mit mehr als 22.000 angegeben, doch galten mindestens 14.000 Menschen noch als verschüttet, so dass letztlich mit etwa 50.000 Toten gerechnet wurde.

Kleine Hoffnungsschimmer gab es dennoch: Rund 80 Stunden nach dem ersten Beben konnten die Rettungsmannschaften aus den Trümmern einer eingestürzten Schule ein überlebendes Kind bergen. Ganze 96 Stunden danach wurde eine Krankenschwester aus dem Schutt einer Klinik in Beichuan gerettet, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Auch an anderen Orten wurden noch Überlebende gefunden.

Regierung kündigt Bestrafung von Bausündern an

Angesichts der hohen Anzahl eingestürzter Schulen wurde zunehmender Unmut gegen die Behörden laut. Die Zahl der zerstörten Klassenräume wurde mit mindestens 6.900 angegeben, tausende Schüler kamen vermutlich ums Leben. Vertreter der Ministerien für Bildung und Wohnungsbau stellten sich sogar im Internet den Fragen wütender Bürger. Die Behörden kündigten harte Strafen für diejenigen an, denen Baufehler nachgewiesen werden könnten.

Allein in der Stadt Mianzhu wurden laut Xinhua in sieben eingestürzten Schulen rund 1.700 Menschen verschüttet. 1.300 Leichen wurden bislang geborgen. Unter den Trümmern einer anderen Schule in der Stadt Hanwang wurden 700 Kinder vermutet. In Beichuan konnten 360 aus den Ruinen ihrer Schule befreit werden, 700 galten aber noch als verschüttet. Auch wurden mehr als vier Millionen Wohnhäuser zerstört oder beschädigt, wie das Wohnungsministerium berichtete.

Präsident Hu besucht Sichuan

Den Bergungsmannschaften läuft allmählich die Zeit davon. Die Rettungsarbeiten hätten jetzt ihre „kritischste Phase“ erreicht, betonte der chinesische Staatspräsident Hu Jintao, der am Freitag die Provinz Sichuan besuchte. Im Umkreis des Epizentrums wurden aus Hubschraubern Flugblätter abgeworfen, auf denen der Bevölkerung wichtige Tipps zum Überleben gegeben wurden. Unter anderem wurde ein effizienter Umgang mit knappen Wasservorräten angemahnt.

Trotz des Zeitdruck bei den Rettungsarbeiten mussten 18 Experten aus Großbritannien und Kanada in Hongkong weiter auf Einreisevisa warten, wie die Zeitung „South China Morning Post“ am Freitag berichtete. Andererseits ließ China erstmals in seiner Geschichte ausländische Helfer ins Land. Bergungsexperten aus Japan, Südkorea, Russland und Singapur nahmen am Freitag die Arbeit auf.

Die chinesische Regierung hat nach eigenen Angaben 5,4 Milliarden Yuan (500 Millionen Euro) für die Rettungsarbeiten bereitgestellt. Des weiteren seien bereits 3,2 Milliarden Yuan an Spenden eingegangen. Der wirtschaftliche Schaden infolge des verheerenden Erdbebens wurde auf 20 Milliarden Dollar (13 Milliarden Euro) geschätzt.

Die EU stellte China am Freitag zwei Millione Euro als Soforthilfe zur Verfügung. Damit sollten Decken, Trinkwasser und Lebensmittel für die Überlebenden gekauft werden, erklärte Entwicklungshilfekommissar Louis Michel. Es sei ein Zeichen der Solidarität mit China. (AP)

 

 

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