Medizin – Nahe Erholung in Deutschland fördert Wirtschaft – Berrit Gräber
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Urlaub in Deutschland Nahe Erholung in Deutschland fördert Wirtschaft

Berrit Gräber

18.05.2009

München – Die Finanzkrise im Nacken, die Reisesaison vor der Tür: Wohin zieht es die Deutschen in diesem Sommer? Südsee, Adria oder doch lieber Balkonien? Überraschenderweise hat der Urlaub im eigenen Land bei den Trendzielen 2009 bislang die Nase weit vorn, wie Sibylle Zeuch, Sprecherin des Deutschen Reiseverbandes (DRV), der Nachrichtenagentur AP berichtet: „Das läuft überdurchschnittlich gut in den Reisebüros.“

Ferienziele zwischen Alpen und Ostsee könnten zum Krisengewinner werden, meint auch Ulf Sonntag von der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR). Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah: In diesen unsicheren Zeiten dürften die Weltmeister im Verreisen zunehmend Ferien in der Heimat machen, ergab eine Studie der Marktforscher von GfK TravelScope. Das gelte sowohl für Kurztrips als auch für klassische Ferienreisen.

Ob Wellness-, Gesundheits- oder Golfurlaub, Radpartien, Kanu-, Hausboot-, Oldtimertouren, Segeln, Wandern in den Bergen und am Strand – Deutschlandurlaub ist in. Dass sich die Bundesbürger wieder auf die Schönheiten im eigenen Land besinnen, bekamen beliebte Reiseziele wie Bayern oder die Urlaubsorte an Nord- und Ostsee schon an Ostern zu spüren. An den Uferpromenaden Schleswig-Holsteins beispielsweise wimmelte es nur so von Gästen, berichtet Sabine Natebus vom Tourismusverband Schleswig-Holstein. Auch die langen Mai-Wochenenden seien gut gebucht. „Wir hoffen, dass dieses Urlaubs-Hoch den Sommer über anhält“, ist die Sprecherin optimistisch.

Besser aufgestellt als andere Länder in Europa

Auch in Mecklenburg-Vorpommern, eine der neuen Boom-Regionen, rechnen die Touristikmanager mit guter Auslastung trotz Wirtschaftskrise. Müritz und Seenplatte locken, in Stralsund erweist sich eine Ausstellung des Malers Friedrich Hundertwasser als Besuchermagnet. In Schwerin ist die Bundesgartenschau 2009 eine echte Attraktion. Viele Kilometer weiter südlich, in Bayern, rüsten sich die Tourismusbetriebe für einen Urlauberansturm trotz Krise. Die Vorbuchungen seien erstaunlich gut, heißt es etwa beim Tourismusverband Oberbayern.

In Baden-Württemberg liefen die Buchungen fürs Sommergeschäft derzeit noch normal, sagt Christopher Krull, Geschäftsführer des Schwarzwald-Tourismus.

Der Deutschland-Tourismus werde von der Krise voraussichtlich weniger stark betroffen sein als viele andere Ziele in Europa, ist Petra Hedorfer von der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) überzeugt. Einziger Wermutstropfen: Bei Kurz- und Geschäftsreisen zeichnen sich Einbußen ab.

Schon im vergangenen Jahr war die Bundesrepublik als Reiseland so beliebt wie nie zuvor. 2008 kletterte die Zahl der Übernachtungen von Deutschen im eigenen Land um 2 Prozent auf über 313 Millionen. Und die der ausländischen Gäste sogar um 3 Prozent auf über 56 Millionen.

Schub durchs Wetter

Warum die Deutschen die Heimat wieder für sich entdecken, liege auf der Hand, meint DRV-Sprecherin Zeuch: Das Preis-Leistungs-Verhältnis sei stimmig, Sprach- oder kulturelle Barrieren gebe es nicht und die Auswahl an Ferienorten vom Alpenvorland über die Mittelgebirge bis zur See sei riesig. Weiterer Pluspunkt: Lange, kostspielige Autofahrten fallen weg, die meisten Ziele sind auch mit der Bahn erreichbar.

„Ob ein Urlaub in Deutschland wirklich günstiger ist als im Ausland, mag dahingestellt sein“, sagt FUR-Forscher Sonntag. Gespart werde eher so: Lieber kürzer wegfahren als gar nicht. Vor allem Familien verfolgten diese Strategie, so auch die Erkenntnis der GfK. Gebucht wird außerdem immer kurzfristiger.

Viele Bürger hätten gedanklich schon die Koffer gepackt, warteten aber nach wie vor ab, wie sich die Wirtschaftslage entwickelt, sagt der FUR-Forscher. Seine Prognose: Je besser das Sommerwetter 2009, desto stärker wird das Reiseland Deutschland profitieren. (AP)

 

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