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Narren trotzen Regen und Kälte

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04.02.2008

Millionen von Narren säumen am Rosenmontag, dem Höhepunkt des Straßenkarnevals in den Hochburgen Mainz, Köln und Düsseldorf die Straßen. (AP Photo/Frank Augstein)
Millionen von Narren säumen am Rosenmontag, dem Höhepunkt des Straßenkarnevals in den Hochburgen Mainz, Köln und Düsseldorf die Straßen. (AP Photo/Frank Augstein)

Düsseldorf/Köln/Mainz – Die Narren in den Karnevalshochburgen haben dem schlechten Wetter getrotzt: Bei Regen und Kälte säumten Millionen die Rosenmontagszüge in Köln, Düsseldorf und Mainz. In Motivwagen wurden vor allem die Arbeit der Großen Koalition in Berlin, der Ausgang der Landtagswahl in Hessen und auch die geplante Schließung des Nokia-Werks in Bochum aufs Korn genommen.

Als erste machten sich gegen 10.30 Uhr die mehr als 10.000 Aktiven des Kölner Zuges unter lauten „Alaaf“-Rufen auf den 6,5 Kilometer langen Weg durch die Innenstadt. Um 11.11 Uhr setzte sich der närrische Lindwurm in Mainz in Bewegung, und um 12.35 Uhr starteten auch die Düsseldorfer Festwagen auf ihren Zugweg.

In Köln stand der Rosenmontagszug unter dem Motto „Jeschenke för Kölle – uns Kulturkamelle“. Rund 100 Fest-, Prunk- und Persiflagewagen und 124 Musikkapellen bahnten sich ihren Weg durch die Stadt – bewaffnet mit mehr als 150 Tonnen Süßigkeiten, darunter 700.000 Tafeln Schokolade und mehr als 220.000 Schachteln Pralinen. Gefangen werden sollte das Wurfmaterial von bis zu einer Million Zuschauer, mehrere hunderttausend kostümierte Jecken säumten bereits am Morgen die Straßen. Die Veranstalter schätzten am Mittag mehr als eine Million Besucher allein in der Domstadt.

Die Kölner Wagenbauer hatten sich verschiedensten Themen aus Politik und Wirtschaft gewidmet: So war Bundeskanzlerin Angela Merkel als „Miss Erfolgreich“ zu sehen, die sich zu Auslandsreisen verabschiedet und die SPD-Politiker Kurt Beck und Frank-Walter Steinmeier mit der Koalitionskrise zurücklässt. Innenminister Wolfgang Schäuble überwachte auf einem Wagen im „Fachbereich Intimes“ gar ein Liebespaar im Schlafzimmer. Und eine Heuschrecke mit Nokia-Handy machte sich unter dem Motto „Die Karawane zieht weiter“ auf einem Kamel davon, das Geldscheine im Maul trug.

Auch einer der traditionell besonders bissigen Motivwagen in Düsseldorf griff die geplante Schließung des Bochumer Nokia-Werks auf: Ein Handy des finnischen Herstellers diente als Griff eines Messers, das gleich drei Menschen von hinten durchbohrte und dem darunter stehenden Nokia-Slogan „Connecting People“ (“Menschen verbinden“) eine neue Bedeutung gab.

Auf einem anderen Düsseldorfer Wagen badete ein Pappmaché-Doppelgänger von Al-Kaida-Chef Osama Bin Laden in einer Wanne voll Blut. Die Figur des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch trug gar ihren abgeschlagenen Kopf in der Hand – erklärte aber, im Amt bleiben zu wollen. Und auch die Vorwahlen in den USA wurden aufs Korn genommen: Dabei griff ein aggressiver Vierbeiner namens Obama gnadenlos an und biss der kreischenden Hillary Clinton herzhaft ins Hinterteil. Insgesamt waren auf dem 5,5 Kilometer langen Zugweg durch die Landeshauptstadt 60 Festwagen dabei, mehrere hunderttausend Narren wurden erwartet.

Rund eine halbe Million Menschen feierten den 107. Mainzer Rosenmontagszug unter dem Motto „Fassenacht im Sauseschritt – kommt nach Mainz, macht alle mit“. 154 närrische Wagen und Motivwagen waren den Veranstaltern zufolge dabei, außerdem 191 Reiter, 110 Fahnen- oder Schwellkoppträger und 95 Musikformationen. Neben der großen Politik bekam in Mainz auch der Papst sein Fett ab. Unter dem Titel „Päpstlicher Ramm-po“ zeigte ein Wagen das Oberhaupt der katholischen Kirche, wie es mit einem übergroßen Hinterteil eine „evangelische“ Kerze umwirft.

Sowohl die Narren als auch die Zuschauer mussten sich mit dicken Jacken und heißen Getränken gegen die Kälte schützen. Die Temperaturen stiegen nur knapp über null Grad. Überschattet wurde das Großereignis von der Brandkatastrophe im pfälzischen Ludwigshafen: Ministerpräsident Kurt Beck sagte mit Rücksicht auf die Opfer seine Teilnahme am Rosenmontagszug ab. (AP)

 

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