Aktuelle Nachrichten – Gesellschaft
26.11.2007
Halle – Die Leopoldina in Halle soll bis zum Sommer 2008 als Nationale Akademie der Wissenschaften etabliert sein. Bundesbildungsministerin Annette Schavan sagte am Montag bei MDR Figaro, sie wolle in den nächsten Wochen mit dem Präsidenten der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, Volker ter Meulen, sprechen, wie diese sich fit machen könne für die Aufgabe einer nationalen Akademie. Die CDU-Politiker verteidigte ihr Vorhaben gegen Kritik aus dem Wissenschaftsbetrieb.
Schavan hatte am 16. November angekündigt, dass die Leopoldina zur Deutschen Akademie der Wissenschaften werden soll, die Deutschland im Kreis der internationalen Akademien vertreten soll. Die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften, die Dachorganisation von acht Wissenschaftsakademien, hatte Schavans Vorhaben kritisiert und erklärt, sie verstoße damit gegen die föderalen Bildungsstrukturen. Man könne nicht eine bestehende Akademie der Naturforscher zur Deutschen Nationalakademie schlechthin machen, während renommierte und international anerkannte Wissenschaftsakademien, die über das gesamte Fächerspektrum verfügten, einfach ignoriert würden.
Schavan sagte im MDR, das Konzept solle bis Ende Januar stehen. Sie werde es dann mit den Präsidenten aller Akademien besprechen und den Länderministern noch einmal zur Kenntnis geben, so dass man bis Sommer zur Konstituierung kommen könne. Zur Kritik an ihrer Entscheidung sagte die CDU-Politikerin: „Wir haben in Deutschland zehn Jahre darüber diskutiert, und dann muss man mal einen Punkt finden, an dem entschieden wird. Und das ist jetzt geschehen.“
Das sei keine Ignoranz oder Arroganz gegenüber den anderen Akademien, betonte Schavan. Aber ein so wichtiges Forschungsland wie Deutschland brauche in diesem Bereich auch international eine klare Stimme. Jetzt müsse bei der Leopoldina ihre Erweiterung in die Geisteswissenschaften vorangetrieben und vor allem ihre Kooperationsstrukturen mit der Akademie der Technikwissenschaften und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften ausgearbeitet werden.
Die Leopoldina gilt als die älteste naturwissenschaftlich-medizinische Akademie der Welt. Sie wurde 1652 in Schweinfurt gegründet und hat seit 1878 ihren Sitz in Halle. Sie hat mehr als 1.250 Mitglieder in aller Welt, darunter mehr als 30 Nobelpreisträger. Ihre wichtigsten Aufgaben sind die Beratung von Politik und Öffentlichkeit zu wissenschaftlichen und wissenschaftspolitischen Themen im nationalen und internationalen Kontext sowie die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.
Die Akademien der Wissenschaften entstanden ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts als freie Gelehrtenvereinigungen. Heute sind sie zum einen ein ausgewählter Kreis hervorragender Wissenschaftler, zum anderen außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Träger langfristiger wissenschaftlicher Projekte im Bereich der Grundlagenforschung. Auf Grund der deutschen Geschichte und der föderalen Staatsstruktur gibt es in Deutschland bisher keine nationale Akademie der Wissenschaften.
Anfang 2004 hatte der Wissenschaftsrat empfohlen, für eine unabhängige wissenschaftliche Politik- und Gesellschaftsberatung sowie für eine einheitlichere und damit gestärkte internationale Vertretung eine neue Institution und Form einer nationalen Akademie der Wissenschaften zu gründen. (AP)
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