Ökologie – Nationalpark Everglades im Würgegriff eingeschleppter Pythons – Matt Sedensky / AP
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Gefährdung heimischer Tierarten Nationalpark Everglades im Würgegriff eingeschleppter Pythons

Matt Sedensky / AP

06.02.2012

Ein Waschbär im Nationalpark Everglades, USA. Auch diese Tierart steht auf dem Speisezettel der eingeschleppten Tiere. Foto: Katharina Catjana/ pixelio.de
Ein Waschbär im Nationalpark Everglades, USA. Auch diese Tierart steht auf dem Speisezettel der eingeschleppten Tiere.

Foto: Katharina Catjana/ Pixelio

West Palm Beach – Sie kommen aus Burma, fühlen sich im feuchtwarmen Klima Floridas aber mindestens genauso wohl – und sie breiten sich offenbar in bedrohlicher Weise aus: Pythons. Zehntausende der asiatischen Würgeschlangen leben einer neuen Studie zufolge im US-Nationalpark Everglades. Analog zu ihrer dramatischen Vermehrung beobachten Forscher seit Jahren einen Rückgang der Bestände heimischer Tierarten. Nicht nur natürliche Nahrungsketten seien gefährdet. Das gesamte Ökosystem drohe, aus dem Gleichgewicht zu geraten.

Die Population der Waschbären sei in einigen Gebieten um bis zu 99,3 Prozent zurückgegangen, die von Opossums um 98,9 Prozent, hieß es in der im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" veröffentlichten Studie. Kaninchen und Füchse, in den Jahren 1996 und 1997 in den Everglades noch weitverbreitet, seien bei Zählungen von 2003 bis 2011 überhaupt nicht mehr gesichtet worden. "Das Ausmaß dieser Rückgänge zeigt die offensichtlich unglaubliche Python-Dichte im Everglades-Nationalpark", sagt Studienleiter Michael Dorcas vom Davidson College im Staat North Carolina.

Die burmanischen Pythons können bis zu acht Meter lang und 90 Kilogramm schwer werden. Seit dem Jahr 2000 sind nach Angaben der Nationalparkbehörde 1.825 Exemplare der Würgeschlangen in Florida eingefangen worden. Die Gesamtzahl der in den Everglades lebenden Pythons beträgt Schätzungen zufolge ein Vielfaches davon.

Viele der Schlagen wurden einst als Haustiere gehalten und später von ihren Besitzern einfach freigelassen. Andere gelangten vermutlich durch Zerstörungen des Hurrikans Andrew im Jahr 1992 in Freiheit. In jedem Fall haben sie sich seitdem kräftig vermehrt und über Tausende Quadratkilometer ausgebreitet.

Eingeschleppte Raubtiere besonders gefährlich

"Invasive Arten stellen eine der bedeutendsten Bedrohungen für die globale Artenvielfalt und die Ökosysteme dar", schreiben Dorcas und seine Mitarbeiter in der Studie. Vor allem eingeschleppte oder eingewanderte Reptilien erwiesen sich zunehmend als problematisch. Die meist räuberischen Tiere vermehren sich demnach schnell und üben einen starken Jagddruck auf einheimische Beutetiere aus.

Welche Folgen die Invasion der Pythons auf die Tierwelt Floridas hat, war bislang aber unklar. Nun schlagen Dorcas und seine Kollegen Alarm: "Dieser starke Rückgang von einst häufigen Säugetieren ist ein schlechtes Omen für den Artenschutz", warnen sie. Denn er deute darauf hin, dass auch seltene und schwer zu beobachtende Tierarten bereits stark dezimiert sein könnten.

Auch Alligatoren gehören zum Beutespektrum

Bekannt ist, dass die Würgeschlangen in ihrer neuen Heimat mehr als 40 verschiedene Tierarten fressen. Neben mittelgroßen Säugetieren gehören auch die in den Everglades-Sümpfen häufigen Alligatoren zu ihrem Beutespektrum. Auch vom Aussterben bedrohte Arten wie der Waldstorch oder die Key Largo Buschratte seien schon Opfer von Pythons geworden, sagen die Forscher.

Der Rückgang der Säugetiere stimmte auch räumlich mit der Verbreitung der Schlangen überein, stellten die Wissenschaftler fest: Überall dort, wo die Pythons bisher nur vereinzelt vorkamen, waren die Säugetierzahlen noch nicht ganz so stark gesunken. Nur in pythonfreien Gebieten waren Waschbären und Opossums noch so häufig wie früher.

(dapd)

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