Aktuelle Nachrichten – Panorama
06.06.2008
Hamburg – Der NDR hat Pannen in der letzten Folge der Talkshow „Anne Will“ eingeräumt. Forderungen nach einer Absetzung der Sendung wies NDR-Fernseh-Programmdirektor Volker Herres in einer Erklärung vom Freitag aber entschieden zurück.
In der jüngsten Ausgabe am vergangenen Sonntag unter dem Titel „Alles auf Rot – warum nicht mit den Linken?“ wurden Aussagen der Redaktion über die Schuldenentwicklung im Stadtstaat Berlin unter der rot-roten Regierung kritisiert. Der Sender räumte ein, dass es in diesem Zusammenhang eine „missverständliche“ Formulierung gegeben habe.
NDR-Programmdirektor Herres, erklärte, der Chefredakteur habe „mit der Redaktion intensiv über die Sache gesprochen“. Alle stimmen selbstverständlich überein, dass eine gründliche Recherche und präzise Umsetzung Grundpfeiler der Glaubwürdigkeit der Gesprächssendung seien. Daher würden Zahlen, Fakten und Formulierungen auch in Zukunft mit großer Sorgfalt geprüft. „Pannen sind immer ärgerlich, aber wo Menschen arbeiten und unter den Bedingungen einer Live-Sendung kann auch mal etwas schiefgehen“, erklärte Herres.
Die „Bild“-Zeitung berichtete, Anne Will wolle sich zu Beginn ihrer Sendung am kommenden Sonntag für den Fehler entschuldigen. Die Moderatorin hatte in der Ausgabe vom vergangenen Sonntag gesagt: „Dass man mit der Linkspartei erfolgreich Politik machen kann, das weiß der Chef der einzigen rot-roten Koalition in Deutschland, der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit.“ In dem darauf folgenden Einspiel-Film hieß es, die rot-rote Koalition in Berlin habe 2001 von der Großen Koalition in Berlin 60 Milliarden Euro Schulden „geerbt“ und Berlin „auf die Erfolgsspur“ geführt. Der CDU-Politiker Friedbert Pflüger hatte daraufhin Wills Rücktritt gefordert und erklärt: „Die Fakten widerlegen Frau Will. Die Verschuldung Berlins ist von 38,5 Milliarden Euro im Jahr 2001 auf 61 Milliarden Euro zum heutigen Zeitpunkt angestiegen.“
Die Forderung nach einer Absetzung von „Anne Will“ wies der NDR strikt zurück. „Das ist eine ebenso unverhältnismäßige wie überzogene Forderung“, sagte Herres. „Anne Will“ sei die erfolgreichste politische Gesprächssendung im deutschen Fernsehen. Eine Sendung, die es Woche für Woche schaffe, mehr als vier Millionen Menschen für Politik zu interessieren, gehöre nicht abgeschafft, sondern im Gegenteil gestärkt. „Daran ändert auch ein solcher Patzer nichts“, sagte Herres. (AP)
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