Aktuelle Nachrichten – International
06.03.2012
Foto: dapd Photo/Herbert Knosowski
Washington – Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat die Hoffnung auf eine diplomatische Lösung des Konflikts um das umstrittene iranische Atomprogramm offenbar verloren. Bei einem Besuch in den USA zeigte sich Netanjahu am Montag entschlossen, die Entwicklung von Nuklearwaffen im Iran mit allen Mitteln zu verhindern. Israel habe ein Recht auf Selbstverteidigung, sagte Netanjahu. "Ich spiele nicht mit der Sicherheit des Staates Israel."
Israel habe geduldig gewartet, dass Diplomatie und Sanktionen Wirkung zeigten, sagte Netanjahu in Washington vor Tausenden Anhängern der Lobbygruppe American Israel Public Affairs Committee. "Keiner von uns kann es sich leisten, länger zu warten. Als Ministerpräsident von Israel werde ich mein Volk niemals bedroht von Vernichtung leben lassen", sagte Netanjahu.
Der Regierungschef trat seinen Kritikern entgegen, die für den Fall eines israelischen Angriffs auf die Atomanlagen im Iran vor schweren Vergeltungsschlägen warnten. Er zeigte dem Publikum die Kopie eines Schreibens des US-Kriegsministeriums auf dem Jahr 1944, in dem die jüdische Forderung nach einer Bombardierung des Konzentrationslagers Auschwitz abgelehnt wird, da ein Angriff "ineffektiv" sei und die Deutschen noch weiter provozieren könnte.
"Meine Freunde, 2012 ist nicht 1944", sagte Netanjahu. "Heute haben wir unseren eigenen Staat Israel. Und die Aufgabe des jüdischen Staates ist es, jüdisches Leben zu verteidigen und die jüdische Zukunft zu sichern."
US-Präsident Barack Obama hatte sich zuvor bei einem Treffen mit Netanjahu im Weißen Haus für weitere diplomatische Anstrengungen und Sanktionen im Konflikt um Teherans Atomprogramm ausgesprochen. Allerdings würden die USA alle Optionen für den Fall in Betracht ziehen, dass sie mit dem für Washington inakzeptablen Umstand einer iranischen Bombe konfrontiert würden.
Netanjahu betonte die enge Verbindung beider Länder: "Israel und Amerika stehen zusammen." Allerdings müsse Israel auch "Herr seines eigenen Schicksals" bleiben, fügte der israelische Regierungschef hinzu.
(dapd)
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