Forschung - Aktuelle Nachrichten und Erkenntnisse – Neue Debatte über Stammzellgesetz – Verena Schmitt-Roschmann
The Epoch Times - Deutschland

Aktuelle Nachrichten – Forschung

Neue Debatte über Stammzellgesetz

Verena Schmitt-Roschmann

16.01.2008

Berlin – Sechs Jahre nach Verabschiedung des Stammzellgesetzes bahnt sich im Bundestag erneut eine heftige Debatte über die ethischen Grenzen der Forschung und die Hoffnung auf Heilung schwerer Krankheiten an. 115 Abgeordnete aller Fraktionen wenden sich in einem am Mittwoch veröffentlichten Antrag gegen die Lockerung der strengen Regeln für Forschung an embryonalen Stammzellen. Auf eine Lockerung dringen nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Das Parlament hatte sich 2002 nach leidenschaftlicher Debatte und ohne Fraktionszwang auf einen Kompromiss geeinigt. Demnach dürfen Wissenschaftler auf der Suche nach Heilungschancen für schlimme Krankheiten wie Krebs oder Parkinson auch in Deutschland mit embryonalen Stammzellen experimentieren, die aus befruchteten Eizellen gewonnen werden. Allerdings müssen diese aus dem Ausland stammen und bereits vor dem Stichtag 1. Januar 2002 vorhanden gewesen sein. Dies sollte verhindern, dass wegen der Nachfrage deutscher Forscher neue Stammzelllinien gewonnen und dabei Embryonen „verbraucht“ werden, was in Deutschland verboten ist.

Dieser Regelung sei gut und solle nicht geändert werden, sagte die Grünen-Forschungspolitikerin Priska Hinz, die den Antrag mit initiiert hat. „Die Heilserwartungen an die embryonale Stammzellforschung haben sich nicht erfüllt“, sagte sie. Dagegen gebe es inzwischen große Erfolge bei der ethisch unbedenklichen Forschung an adulten Stammzellen, für die keine Embryos verbraucht werden. So sei es Forschern aus Japan und den USA kürzlich gelungen, menschliche Hautzellen so neu zu programmieren, dass sie sich wie embryonale Stammzellen verhielten, heißt es im Antrag.

In diese Art der Forschung – und nicht in die an embryonalen Stammzellen – müsse mehr Geld und Energie gesteckt werden, sagte Hinz. Gleichzeitig bleibe Grundlagenforschung an embryonalen Stammzellen sei auch in Deutschland möglich.

Die Abgeordneten Julia Klöckner (CDU), Herta Däubler-Gmelin (SPD) und Hans-Michael Goldmann (FDP) äußerten sich ähnlich. Allerdings spaltet die Frage offenbar alle Fraktionen. Als Alternativen gibt es Vorschläge, den Stichtag ganz abzuschaffen oder ihn zu verschieben, etwa auf 2007. Damit hätten die deutschen Forscher Zugriff auf mehr embryonale Stammzellen. Eine Entscheidung wird im Frühjahr erwartet.

Kritik der katholischen Kirche

Deutsche Wissenschaftler beklagen, dass die Linien aus der Zeit vor dem Stichtag nicht ausreichten und zu alt oder unbrauchbar seien. Damit falle die deutsche Forschung zurück. Viele plädieren dafür, den Stichtag zu kippen. Dafür ist mehrheitlich auch die FDP. Bundeskanzlerin Merkel hat zusammen mit Forschungsministerin Annette Schavan auf dem CDU-Parteitag einen Beschluss durchgesetzt, der zumindest eine Verschiebung des Stichtags ermöglicht. Beide CDU-Politikerinnen vertreten die Auffassung, dies wäre ethisch vertretbar.

Dafür hatten sie heftige Kritik der katholischen Kirche geerntet. Diese ist strikt gegen die Lockerung, weil sie Embryonen schützen will, wie der scheidende Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, in der „Zeit“ bekräftigte. Die Evangelische Kirche erwägt dagegen inzwischen die Verschiebung des Stichtags.

Stammzellen sind wissenschaftlich so interessant, weil sie im menschlichen Körper „Alleskönner“ sind. Aus ihnen können sich verschiedene Arten von Gewebe entwickeln. Das nährt Hoffnung auf „Reparatur“ bei Krankheiten wie Krebs oder Alzheimer. Im Gegensatz zu embryonalen werden adulte Stammzellen erst nach der Geburt gewonnen.

http://www.dfg.de/ (AP)

 

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