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Neue Technik für mehr Gerechtigkeit im Fußball

Brigitte Caspary

19.06.2006

Erlangen - Mit dem nicht anerkannten WM-Tor der Franzosen im Vorrundenspiel gegen Südkorea ist die Diskussion über technische Hilfsmittel für Schiedsrichter neu entbrannt. Hätten Schiri und Linienrichter gesehen, dass der Ball die Torlinie des südkoreanischen Torwarts voll überschritten hatte, wäre Frankreich mit 2:1 Toren klar als Sieger aus der Partie hervorgegangen und müsste nun nicht um das Weiterkommen ins Achtelfinale bangen.

«Die Technik könnte dabei helfen, den Fußball gerechter zu machen», erklärt der Sprecher des Projektes «Cairos» beim Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen in Erlangen, René Dünkler. Seit knapp sechs Jahren arbeiten er und sein Team aus insgesamt 60 Entwicklern an einem so genannten Ballortungssystem, das die Münchner Technologiefirma Cairos technologies in Auftrag gegeben hat.

Mit Hilfe von Mikrochips, die in den Fußball und die Schienbeinschoner der Spieler eingesetzt werden, sollen die Positionen von Fußball und Kickern bis auf den Zentimeter genau bestimmt werden können. Während des Spiels soll der Schiedsrichter dann auf einer Art Armbanduhr ablesen können, ob der Ball nun im Tor oder ein Spieler im Abseits war.

«Die letzte Entscheidung hat aber immer noch der Schiedsrichter. Die Technik ist nur als Hilfsmittel gedacht, das er nutzen kann oder nicht», erklärt Dünkler.

Seit 2003 wird das Ballortungssystem im Nürnberger Frankenstadion getestet. Die Marktreife hat es aber bislang noch nicht erhalten: Erst Anfang März beschloss der Fußballweltverband FIFA, der neben dem Sportartikelhersteller Adidas und dem Fraunhofer Institut Partner des «Cairos»-Projektes ist, das System noch weiter zu testen und bei der WM in Deutschland noch nicht einzusetzen.

«Es hat nicht so funktioniert, dass wir das Risiko bei der WM eingehen wollten», erklärt FIFA-Sprecher Andreas Herren. Das System sei einfach noch nicht «narrensicher». Doch woran es letztlich hapert, das will niemand so recht verraten. «Über die Ergebnisse - positiv wie negativ haben die Partner Stillschweigen vereinbart», erklärt Cairos-Sprecher Oliver Braun. Auch Projektleiter Dünkler gibt sich bedeckt. «Das System funktioniert eigentlich gut», sagt er. «Vom Technischen her sind wir auf dem richtigen Weg». Dennoch seien die Tests von der FIFA bis auf die Zeit nach der WM verschoben worden. Wann und wo es dann weitergehe, sei noch unklar.

Ohnehin testet die FIFA neben dem Ballortungssystem noch ein weiteres Verfahren, das ergänzend oder als Alternative eingesetzt werden könnte: «In der italienischen Liga laufen Tests mit Digitalkameras, die die Torlinie überwachen», erklärt FIFA-Sprecher Herren.

Für welches der beiden Systeme sich die FIFA und das International Football Association Board (IFAB) als letzte Instanz entscheiden werden, sei noch offen. «Wir brauchen ein System, das 100-prozentig stimmt und möglichst weltweit eingesetzt werden kann», sagt Herren. Hierfür dürfe die Technik nicht störanfällig und nicht zu aufwendig sein. «Was auch immer hilft anzuzeigen, ob Tor oder nicht, ist uns willkommen», fasst der FIFA-Sprecher zusammen.

Ob Frankreich nun mit dem Ballortungssystem des Fraunhofer-Instituts dem Achtelfinale einen Schritt näher gekommen wäre, will Projektleiter Dünkler nicht entscheiden: «Das kann ich echt nicht sagen. Ich bin mir ja selbst nicht sicher, ob der Ball wirklich drin war.»

(AP)

 

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