Gesundheit - Aktuelle Nachrichten, Ratgeber und Berichte – Neue Waffe gegen einen tödlichen Virus – Guido Rijkhoek
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Aktuelle Nachrichten – Gesundheit

Neue Waffe gegen einen tödlichen Virus

Guido Rijkhoek

03.10.2007

Marburg – Es ist ein Horrorszenario, vor dem Gesundheitsexperten in aller Welt seit Jahren warnen: Eine weltweite Grippeepidemie, ausgelöst durch einen mutierten Vogelgrippevirus, könnte innerhalb weniger Wochen zahllose Menschen auf der ganzen Welt treffen. 1,5 Millionen Menschen könnten ihr Leben verlieren – und das ist vermutlich noch eine eher vorsichtige Schätzung. Seit Kurzem sind die Chancen, einer solchen globalen Herausforderung begegnen zu können, ein wenig gewachsen.

Sollte es zu der befürchteten Pandemie kommen, wäre es von entscheidender Bedeutung, möglichst schnell einen Impfstoff herzustellen. Eine neue Produktionsmethode, bei der jederzeit vermehrbare Zellkulturen zum Einsatz kommen, könnte eine Schlüsselrolle spielen. Die weltweit erste Großanlage für diese neue Methode wurde am Dienstag in den Marburger Behringwerken von Bundeskanzlerin Angela Merkel offiziell in Betrieb genommen.

„In Zukunft können wir bei einem außerplanmäßigen Bedarf schneller und flexibler Grippeimpfstoff bereit stellen“, erklärt Markus Leick Dieken, Chef von Novartis Behring. Die langen Vorlaufzeiten, die heute noch die rasche Reaktion auf eine Grippeepidemie unmöglich machen, sollen dank des Einsatzes spezieller Zelllinien der Vergangenheit angehören.

Bislang werden für die Herstellung von Grippeimpfstoff Millionen von Hühnereiern benötigt. Diese werden von hygienisch strikt überwachten Tieren gelegt und müssen von der Pharmaindustrie mit monatelangem Vorlauf bestellt werden. Jedes Ei wird eigens mit dem Grippevirus beimpft, und jedes Ei liefert am Ende lediglich eine einzige Impfdosis. Der neue Ansatz basiert dagegen auf Zellkulturen, die in großen Tanks beliebig vermehrt werden und mit Viren beimpft werden können.

„Durch den Einsatz moderner Biotechnologie wird eine veraltete Technik ersetzt“, sagte der Vorstandschef des Pharmakonzerns Novartis, Daniel Vasella: „So vermeiden wir es, im Fall einer Vogelgrippe von Hühnern und ihren Eiern abhängig zu sein.“ 60 Millionen Euro hat Novartis nach eigenen Angaben in den letzten zehn Jahren in die neue Technik investiert.

Warnschilder weisen zum Herz der Anlage

In den traditionsreichen Marburger Behringwerken weisen Warnschilder den Weg zum Herz der Anlage. Riesige Biofermenter aus Edelstahl stehen bereit, um mit der Produktion zu beginnen. Bewacht von Schleusen und umgeben von Rohrleitungen, Armaturen und Pumpen sollen hier in Zukunft bis zu 50 Millionen Impfdosen pro Jahr hergestellt werden.

Die Vorteile gegenüber der klassischen Methode liegen auf der Hand. Anders als die Hühnereier ist die als Grundlage für den Impfstoff notwendige Zellkultur jederzeit vorhanden, denn sie kann tiefgekühlt eingelagert werden. Selbst wenn im Laufe eines Winters ein völlig neuer Virentyp auftauchen sollte, könnte die Produktion von Impfstoff fast augenblicklich beginnen. Zudem ist der nach der neuen Methode hergestellte Impfstoff nach Angaben von Novartis für viele Menschen besser verträglich. Er sei frei von Antibiotika, frei von Konservierungsstoffen und frei von Hühnereiweiß – ein wichtiger Gesichtspunkt für Allergiker.

Um möglichst vielen Menschen im Fall einer Pandemie das Leben zu retten, wäre es nötig, so schnell wie möglich einen Impfstoff herzustellen, erläutert, Norbert Klein, Technischer Leiter von Novartis Behring. Hier spielt die neue Methode ihre größten Vorteile aus. Im Notfall könnte ein Impfstoff innerhalb von zwei bis drei Monaten hergestellt werden, schätzt Klein. Dies bedeute gegenüber der klassischen Methode eine Verkürzung um die Hälfte. (AP)

 

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