Aktuelle Nachrichten – Unternehmen
17.05.2012
Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dapd
Schönefeld/Berlin – Der neue Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg soll erst am 17. März 2013 in Betrieb gehen – gut neun Monate später als bislang geplant. Das hat der Aufsichtsrat der Berliner Flughafen-Gesellschaft in einer Sondersitzung beschlossen. Damit verzögert sich die Eröffnung um ein gutes Dreivierteljahr. Technik-Geschäftsführer Manfred Körtgen muss das Unternehmen verlassen. Flughafen-Chef Rainer Schwarz dagegen behält seinen Posten. Zudem wird der Vertrag mit dem Generalplaner pg bbi beendet.
Die technischen Abläufe machten einen früheren Termin er Eröffnung nicht möglich, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafen-Gesellschaft ist, am Donnerstag in Schönefeld. In der Nacht zuvor hatte der Aufsichtsrat in einer Marathon-Sondersitzung beraten. Diese war notwendig geworden, weil die für den 3. Juni geplante Flughafen-Eröffnung in der vergangenen Woche überraschend abgesagt worden war. Offizieller Grund waren technische Probleme mit der Brandschutzanlage.
Die Absage des Termins sei für viele Beteiligte "aus heiterem Himmel" wie ein "Paukenschlag" gekommen, sagte Wowereit. Noch kurz zuvor sei dem Aufsichtsrat versichert worden, dass der Eröffnungstermin Anfang Juni zu halten sei. Kritik an seiner Arbeit wies der Aufsichtsrat zurück: "Wir haben unsere Aufsichtspflicht nicht verletzt", sagte der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Rainer Bomba. Unmittelbar vor der Aufsichtsratssitzung hatte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) am Mittwoch "schweres Missmanagement" bei der Geschäftsführung des Unternehmens beklagt. Es werde der Frage nachzugehen sein, inwieweit das Management den Aufsichtsrat "umfassend und korrekt oder nicht umfassend und nicht korrekt" informiert habe, kündigte er an.
Das zuständige Bauordnungsamt fordert inzwischen eine funktionsfähige, vollautomatische Brandschutzanlage als Grundvoraussetzung der Flughafen-Eröffnung. Diese ist nach den Worten von Flughafen-Chef Schwarz nicht vor Dezember zu realisieren.
In weiteren Berichten war auch von technischen Problemen bei Check-in-Prozessen, Gepäcksortierung und Türsteuerungen die Rede. Seit der ersten Insolvenz eines Generalunternehmens und der dadurch notwendig gewordenen Verschiebung des ursprünglich geplanten Eröffnungstermins im Herbst vergangenen Jahres sei die "Gebäudeausrüstung die Achillesferse des Flughafens geblieben", räumte Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) ein.
Der Ministerpräsident sprach zudem von einer "dramatischen und unschönen Situation". Es sei ein Imageschaden für die gesamte Region entstanden. Zugleich wies er darauf hin, dass der neue Termin der Eröffnung auch in Abstimmung mit den Fluggesellschaften gewählt worden sei. Diese hätten "keine Eröffnung im Hochwinter" wegen der zusätzlichen Risiken durch die Jahreszeit gewollt.
Platzeck kündigte an, dass es im weiteren Bauablauf "keine Provisorien" und kein Überlappen von Prüfszenarien mehr geben werde. Außerdem sagte er, dass durch den jetzt gewählten späteren Zeitpunkt der Eröffnung auch Zeit gewonnen worden sei, um beim Lärmschutz für die Flughafen-Anwohner "nachzuarbeiten und nachzulegen".
Auch personelle Konsequenzen hat der Aufsichtsrat beschlossen: Chefplaner Manfred Körtgen verlor seinen Posten. Der 59-jährige Technik-Geschäftsführer Körtgen habe als Verantwortlicher für das Bauprojekt Probleme damit gehabt, "die Dinge rechtzeitig zu erkennen", sagte Wowereit. Der Vertrag mit Körtgen werde zum 1. Juni aufgelöst. Flughafen-Chef Rainer Schwarz behält dagegen seinen Job. "Ich will weiterhin für den Flughafen kämpfen, und ich bin auch bereit, nach der Eröffnung weiter für diesen Flughafen zu arbeiten", sagte er. Schwarz wies darauf hin, dass es auch eine große Herausforderung sei, den Flugverkehr bis zum Frühjahr kommenden Jahres an den bestehenden Flughäfen in Tegel und Schönefeld abzuwickeln.
Mit Blick auf den gewählten Termin der Eröffnung sprach der Hauptgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft deutscher Verkehrsflughäfen (ADV), Ralph Beisel, von einer "richtigen Entscheidung". Einen Flughafen im Winter zu eröffnen sei kritisch, fügte er hinzu. In Berlin müssten jetzt zwei Herkulesaufgaben bewältigt werden; die Vorbereitung der Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens und die Bewältigung steigender Passagier- und Flugzahlen in Schönefeld (alt) und Tegel. Gerade in Tegel sei das eine Herausforderung, da es schon bisher "beengt" gewesen sei.
Der Aufsichtsrat kündigte auch an, den Vertrag mit dem Generalplaner und Verantwortlichen für die Objektüberwachung pg bbi zu beenden. Die Projektgemeinschaft besteht aus J.S.K. International Architekten und Ingenieure GmbH sowie der gmp Generalplanungsgesellschaft. Es habe unter anderem viele Fehler bei der Projektkoordinierung und Überwachung gegeben, begründete Wowereit den Schritt. Die Flughafen-Gesellschaft werde nun die Steuerung und Überwachung des Planungsprozesses übernehmen. Welches Personal oder welche Ingenieurbüros dabei zum Zuge kommen sollen, steht nach Angaben von Flughafen-Sprecher Ralf Kunkel noch nicht fest. (dapd)
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