Athen – Kurz vor Weihnachten sind die gewaltsamen Ausschreitungen in Athen wieder aufgeflammt. Nach einer Gedenkveranstaltung für einen 15-Jährigen, der vor zwei Wochen von einem Polizisten erschossen wurde, griffen Demonstranten am Samstagabend Sicherheitskräfte mit Brandsätzen und Steinen an. Die Vermummten bewarfen außerdem den großen Weihnachtsbaum in der Innenstadt mit Müll. Bei den Ausschreitungen wurden drei Pressefotografen verletzt.
Die Angreifer benutzten die Technische Universität von Athen als Basis und planten von dort ihre Angriffe. Sie setzten ein Bürogebäude in der Innenstadt in Brand und errichteten Barrikaden. Die Sicherheitskräfte dürfen laut Gesetz den Campus nicht betreten, solange sie von der Universitätsverwaltung nicht dazu aufgefordert werden.
Die Polizei auf dem Syntagma-Platz setzte Pfefferspray und Schlagstöcke ein. Der Platz mit dem städtischen Weihnachtsbaum wurde innerhalb von zwei Stunden geräumt. Der erste Weihnachtsbaum in der griechischen Hauptstadt war bei Protesten am 8. Dezember angezündet worden und in Flammen aufgegangen.
In Saloniki besetzten Demonstranten ein Kino und einen Stand, an dem Bürgermeister Vassilis Papageorgopoulos Kuchen und Süßigkeiten an kranke Kinder verteilte. Papageorgopoulos und einer seiner Stellvertreter wurden mit dem Gebäck beworfen. Am Sonntag kam es in der Stadt zu weiteren Protesten.
Regierung und Polizei hatten gehofft, dass die seit zwei Wochen andauernden teils gewaltsamen Proteste an den Weihnachtsfeiertagen abebben. Auslöser war der Tod von Alexandros Grigoropoulos bei einem Polizeieinsatz am 6. Dezember. Angefacht wurden die Proteste außerdem durch die Unzufriedenheit mit der Wirtschafts- und Sozialpolitik der Regierung des konservativen Ministerpräsidenten Konstantinos Karamanlis und der hohen Arbeitslosigkeit. Insgesamt wurden nach Polizeiangaben bislang mehr als 300 Menschen festgenommen.
(Hamburg) Bei einer Demonstration gegen Polizeigewalt in Griechenland wurden am Samstag in Hamburg vier Polizisten verletzt und elf Personen vorläufig festgenommen. Drei Personen kamen vorübergehend in Gewahrsam, wie ein Polizeisprecher am Sonntag mitteilte. Von den rund 1.000 Teilnehmern der Demonstration sei etwa die Hälfte dem gewaltbereiten Spektrum zuzurechnen gewesen. Aus der Menge seien Flaschen und Feuerwerkskörper auf Polizisten geworfen worden.
Wegen der Ausschreitungen stoppte der Einsatzleiter der Polizei die Demonstration und ordnete eine Änderung der angemeldeten Route an. Diese Auflage wurde von der Versammlungsleiterin nicht akzeptiert; sie erklärte den Aufzug für beendet. Beim Abzug in kleinen Gruppen griffen Störer nach Polizeiangaben vereinzelt Polizisten an. Zwei seien nach Flaschenwürfen ins Krankenhaus gebracht worden.
Ohne Zwischenfälle verlief indessen eine Kundgebung in der Nähe des griechischen Generalkonsulats mit etwa 250 Teilnehmern. Wegen der Demonstrationen waren etwa 1.300 Polizisten im Einsatz. Gegen 19 Uhr seien alle Veranstaltungen beendet gewesen, die Nacht zum Sonntag sei ohne Zwischenfälle verlaufen, sagte der Polizeisprecher. (AP)
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