Foto: Ted S. Warren, File/AP Photo
Castle Rock/USA (apn) Es war einer der stärksten Vulkanausbrüche des 20. Jahrhunderts: Am 18. Mai 1980 explodierte der Mount St. Helens im US-Staat Washington. Ein gigantischer Felssturz, glühende Lava und Gase, Asche und Geröll rissen 57 Menschen in den Tod und verwüsteten in weitem Umkreis die Gegend. 30 Jahre später herrscht wieder Leben in der einstigen Mondlandschaft. Der Berg ist zu einem gesuchten Studienobjekt für Wissenschaftler geworden, die Vulkane und Ökosysteme erforschen.
Auch viele Touristen lockt er an, wie kürzlich die Norweger Kari und Kaare Fossum. Sie seien fasziniert gewesen von dem jüngsten Ausbruch des Eyafjallajökull auf Island und wollten sich auf ihrer USA-Reise auch den Mount St. Helens ansehen, berichten die beiden auf dem Weg zum Johnston-Ridge-Observatorium, einem der Aussichtspunkte. An den Ausbruch 1980 können sie sich noch gut erinnern. Doch die Bergspitze mit dem halboffenen Krater ist an diesem Morgen in Wolken gehüllt. „Schade, dass wir den Gipfel nicht sehen können“, bedauern sie.
Nach einem Erdbeben war an jenem Morgen 1980 die gesamte Nordflanke des Berges lawinenartig weggebrochen. Magma, Gas und Dampf explodierten und rasten als sogenannter pyroklastischer Strom zu Tal. Der Berggipfel wurde buchstäblich weggesprengt; der Mount St. Helens büßte 400 Meter ein und ist heute nur noch 1.549 Meter hoch. Fast 600 Quadratkilometer Wald wurden vernichtet. Geröll, Asche und Schlamm bedeckten die Landschaft.
Heute wächst wieder Moos in der einstigen Ödnis, in einem Erlenhain zwitschern Singvögel, in einem Quellteich paddeln Enten, und in der Ferne zieht eine Wildherde vorbei. „Es ist schon unglaublich, was es hier draußen an Leben gibt“, schwärmt der Wissenschaftler Peter Frenzen. „Das ist eine tolle Gelegenheit, die Kräfte der Erde zu verstehen.“
Am meisten habe ihn überrascht, in welch chaotischer Abfolge sich die Natur erholt habe: Pflanzen und Tiere, die die Katastrophe überlebten, hätten anderen als „Rettungsboot“ gedient, erklärt Frenzen. Er weist auf einen zweieinhalb Meter hohen, abgestorbenen Baum hin und zeigt die Nisthöhlen, die sich Vögel darin gebaut haben.
Seit 1982 ist das Gebiet um dem Mount St. Helens als Schutzgebiet ausgewiesen, als National Monument in der Zuständigkeit der Forstbehörde. Ein Drittel des Geländes ist der Forschung vorbehalten. „Der Mount St. Helens war der Lehrer einer ganzen neuen Generation von Wissenschaftlern“, sagt die Hydrologin Carolyn Driedger vom Observatorium der Kaskadenkette, einer Reihe von Vulkanen, zu der auch der Mount St. Helens gehört.
Doch das Naturdenkmal leidet an Geldmangel. Die letzten Jahre seien nicht die besten gewesen, räumt der Fremdenverkehrsdirektor des Kreises Cowlitz, Mark Plotkin, ein. Dienstleistungen wurden eingeschränkt, ein Besucherzentrum ganz geschlossen, ein anderes vom Staat Washington übernommen. „Im Moment machen wir das Allernotwendigste, um offen halten zu können“, sagt Plotkin.
Er wäre, wie viele andere, dafür, den Mount St. Helens zum Nationalpark zu erklären. Dieser Status würde den Bekanntheitsgrad erhöhen, hoffen die Befürworter, mehr Besucher anziehen und deutlich mehr Fördergelder einbringen, mit denen etwa die Zufahrtsstraßen ausgebaut und Übernachtungsmöglichkeiten geschaffen werden könnten. (AP)
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