Aktuelle Nachrichten – Geschichte
23.08.2010
Foto: Eckehard Schulz/AP Photo
Marienborn (apn) Kulturstaatsminister Bernd Neumann hat am Montag eine Ausstellung in der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn eröffnet. Deren Themen sind die Auswirkungen der Grenzöffnung und des Mauerfalls auf die friedliche Revolution in der DDR. Neumann würdigte den Mut und den Willen von Bürgern der DDR, Freiheit und Demokratie einzufordern. Den Ostdeutschen sei die einzige erfolgreiche Revolution in Deutschland überhaupt gelungen und dies auch noch friedlich, sagte der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.
Die Wanderausstellung steht unter dem Motto „SED – wenn du nicht gehst, dann gehen wir!“. Fotos, Dokumente und Filmberichte erinnern an die Zeit vor mehr als 20 Jahren, als in der DDR erste oppositionelle Basisgruppen zunächst noch im Verborgenen wirkten und sich ab Herbst 1989 Neues Forum, Demokratischer Aufbruch und SPD gründeten.
Auch 20 Jahre nach dem Mauerfall müsse die Erinnerung an die DDR als Unrechtsstaat, das SED-Regime und die friedliche Revolution wachgehalten werden, meinte Neumann. Angesichts erschreckender Defizite im Wissen heutiger Schüler über diese Themen wolle die Bundesregierung die Forschungen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur verstärken.
Der Staatsminister von Sachsen-Anhalt, Rainer Robra, appellierte an die Deutschen, sich selbstbewusster zur Idee der Freiheit und den Vorzügen der Demokratie zu bekennen. Die Gedenkstätte Deutsche Teilung erinnere eindringlich an die Unterschiede zwischen einer demokratischen und einer diktatorischen Gesellschaft, zwischen Freiheit und Unfreiheit.
Protagonisten der DDR-Bürgerrechtsbewegung, deren massenwirksame Aktionen entscheidend zum Sturz des SED-Regimes, zur Öffnung der innerdeutschen Grenze und zur Vereinigung der beiden deutschen Staaten beitrugen, geben persönlich Auskunft. Zwölf von ihnen, darunter der Mitbegründer des Neuen Forums und spätere Stasi-Beauftragte der Bundesregierung, Joachim Gauck, sowie der SPD-Mitbegründer und letzte DDR-Außenminister Markus Meckel, wurden für die Ausstellung interviewt. Ihre persönlichen Erinnerungen an die rasante Entwicklung der Ereignisse 1989 und 1990 sind in die Schau ebenso integriert worden wie damalige Fernsehbeiträge von „Tagesschau“ und „Aktueller Kamera“ über den Verlauf der friedlichen Revolution.
Die von Bund und Land Sachsen-Anhalt geförderte Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn liegt direkt an der Bundesautobahn A 2 unweit von Helmstedt, wo sich bis zum Mauerfall die bedeutendste Grenzübergangsstelle zwischen Deutschland Ost und Deutschland West befand. Am 1. Juli 1945 als Alliierte Kontrollstelle errichtet, entwickelte sie sich zur größten und wichtigsten Übergangsstelle an der innerdeutschen Grenze, die nicht nur Deutsche von Deutschen, sondern Europa in sich feindlich gegenüberstehende Machtblöcke trennte.
Allein von 1985 bis 1989 wurden 34,6 Millionen Reisende abgefertigt. Etwa 1.000 Bedienstete versahen zu DDR-Zeiten auf dem insgesamt 35 Hektar großen Areal ihren Dienst bei Passkontrolle und Zoll, bei den Grenztruppen und als Zivilbeschäftigte. Ab 9. November 1989 konnten DDR-Bürger die GÜSt Marienborn uneingeschränkt passieren. Seit 1996 bewahrt die Gedenkstätte Deutsche Teilung unter anderem mit den Funktionseinheiten Passkontrolle, PKW-Einreise und Kontrollgarage Erinnerungen an dieses Nadelöhr im Eisernen Vorhang. (AP)
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