Foto: AP Photo/Michael Conroy
Berlin – Für den Sonntag erwarten die Meteorologen im US-Staat Indiana wolkenlosen Himmel und in der Hauptstadt Indianapolis Temperaturen zwischen null und zehn Grad.
Am Sonntag wird in 50 US-Staaten von halb sieben Uhr Eastern Time an (dann ist es in Mitteleuropa Montagmorgen, 0:30 Uhr) die Temperatur einen Siedepunkt der ganz eigenen Art erreichen.
Dann ist Super Bowl. Die New York Giants und die New England Patriots werden im Lucas Oil Stadium um den Titel des besten Footballteams der Saison rennen und raufen. Da es wohl nicht regnet, wird das Dach aufgemacht und eventuell werden die riesigen Glaswände an der Nord- und Ostseite auch geöffnet. Das wird ein gigantisches Cabrio-Feeling für 70.000 Fans vor Ort.
Der Rest der Amerikaner hängt vorm TV. Dieses Jahr wird mit 120 Millionen Zuschauern allein in den USA gerechnet. Dazu kommen noch mindestens 50 Millionen im Rest der Welt.
"Wir haben einen großen Job zu erledigen", sagt der Trainer der Giants. Tom Coughlin – Silberrandbrille, glattes graues rechts gescheiteltes Kurzhaar – ist ein bedächtiger Mann, der immer wieder darauf hinweist, dass man in der Pflicht sei, bis zum Umfallen zu arbeiten. "Schließlich ist der Super Bowl das größte Sportereignis der Welt. Da darfst Du nichts versäumen. Da heißt es: Augen nach vorn und siegen."
Sein Patriots-Kollege Bill Bellichick – bullig, wehrhaft, kampfbereit – nuschelt, er halte große Dinge auf die Arbeit der New Yorker, aber in Indianapolis würden sie ihren Meister finden. "Sorry, Tom – das mit dem Siegen übernehmen wir."
Allenthalben steigt die Anspannung. Zum Beispiel bei der zweifachen Grammy-Preisträgerin Kelly Brianne Clarkson. Die soll vor dem Match die Nationalhymne singen. Und das kann fürchterlich schief gehen. Im vergangenen Jahr versaute es zum Beispiel Kollegin Christina Aguilera in der vierten Strophe. Danach bekam sie im Internet ganz schön den hübschen Hintern versohlt. "Christina, du solltest lieber weniger Zeit damit verbringen, deinen Lippenstift aufzutragen und stattdessen mehr Zeit damit, unsere Nationalhymne zu lernen", empörte sich ein User. Ein anderer schrieb: "Wenn du das nächste Mal die Nationalhymne beim größten Fernsehereignis aller Zeiten singst, lerne den Text! Ja, alle Wörter!".
Aguilera entschuldigte sich sofort nach ihrem Auftritt. Sie sei so ergriffen gewesen, dass sie alles um sich herum vergessen habe. "Ich kann nur hoffen, dass die Zuschauer die Liebe zu meiner Heimat trotzdem spüren konnten."
Ein Land rastet aus. Zwei Sportvereine machen eine ganze Nation verrückt.
Am kommenden Sonntag steht das Business still. Madonna wird in der Halbzeit singen. Jeder Präsidentschaftskandidat, der was auf sich hält, wird sich als Live-Sport-Gucker vom Leibfotografen aufnehmen lassen. In den Pubs und den Wohnzimmern werden sie alle Krisen der Welt für einen Abend vergessen. Truppen werden ein paar Stunden lang nicht mehr bewegt. Die Armen in ihren Wohncontainern denken nicht mehr an ihre Armut.
Ein paar Dutzend Hochleister balgen sich um Punkte und Touchdowns und die Menschen im Lande geben sich einem amerikanischen Traum hin.
Das alles wegen eines Ballspiels. Es kann Schlimmeres geben. (Vetten-dapd)
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