Aktuelle Nachrichten – International
29.08.2012
Foto: © 2012 AP. Photographer: Charlie Neibergall/AP/dapd
Frankfurt/Main – Es ist ein Albtraum für die Wahlkampfstrategen von Mitt Romney. Sie wollten den Nominierungsparteitag der US-Republikaner als feierliche Krönungsmesse ihres Kandidaten inszenieren, nach dem brutalen Vorwahlkampf sollten harmonische Bilder die Partei einen. Doch die Anhänger des unterlegenen Bewerbers Ron Paul störten am Dienstag die perfekte Choreografie in Tampa.
Als Paul am Nachmittag in der Halle auftauchte, wurde er mit Sprechchören empfangen. "Ron Paul, Ron Paul" und "Lasst ihn sprechen", skandierten Pauls Unterstützer. Romneys Anhänger hielten dagegen und riefen den Namen ihres Wunschkandidaten. Als die Parteispitze kurz vor der Auszählung der Stimmen den Paul-Anhängern unter den Delegierten aus dem US-Staat Maine ihr Wahlrecht absprachen, kam es schließlich zum Eklat. Der Präsident des Repräsentantenhauses und Leiter des Parteitags, John Boehner, wurde ausgebuht, als er die Verfahrensänderung bekannt gab. "Schande über dich", riefen einige Delegierte im Saal.
Das sind sicherlich nicht die Bilder, die sich Romney und das Partei-Establishment aus Tampa gewünscht haben. Echte Entscheidungen werden in den USA bei solchen Treffen nicht gefällt und kontroverse Debatten sind nicht vorgesehen. Vielmehr geht es darum, Einigkeit zu demonstrieren und die Anhänger auf den Wahlkampf einzuschwören. Abweichler von der Parteilinie kann da niemand gebrauchen. "Leute, die auf dem Parteitag 'Präsident Paul' skandieren, sind nicht gerade das Traum-Szenario für die Parteispitzen", hieß es in einem Artikel der "Washington Post".
Doch gerade die häufig jungen Anhänger von Ron Paul wollten in der sorgsam choreografierten Inszenierung diesmal offenbar nicht mitspielen. Auch wenn Romney die Nominierung nicht mehr zu nehmen war, wollten sie noch einmal eine Debatte über die Marschrichtung der Partei anstoßen. Während Romney als aalglatter Karrierist mit recht flexiblen Überzeugungen gilt, ist der Politveteran Paul der Inbegriff des prinzipientreuen Überzeugungstäters.
"Wir gelten als Abtrünnige, die nur Ärger machen", sagte die Delegierte Ashley Ryan aus Maine in einem Video der Nachrichtenseite Politico.com. "Aber wir sind gewählt worden und wollen unsere Meinung äußern." Der Delegierte Mark Anthony Jones aus Missouri sagte zum Stimmentzug der Paul-Anhänger: "Es ist mir wichtig, aufzustehen und zu zeigen, dass ich mit diesem Schwindel der Republikanischen Partei nicht einverstanden bin."
Die libertären Anhänger von Ron Paul konnten die Nominierung von Mitt Romney nicht verhindern, ihr Idol wird seine politische Karriere bald beenden. Doch sie haben die Parteispitze noch einmal herausgefordert und mit ihrem kleinen Aufstand gezeigt, dass die Republikaner bei weitem nicht so geschlossen hinter ihrem Präsidentschaftskandidaten stehen, wie es die Wahlkampfstrategen glauben machen wollen.
dapd
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