Oslo/Stockholm – Der frühere US-Vizepräsident Al Gore hat die Verleihung des Friedensnobelpreises zum Aufruf für eine neue Klimapolitik und zur Kritik an den USA und China genutzt. Als größte Verursacher von Treibhausgasen müssten beide ihre Blockadehaltung beim Klimaschutz aufgeben, forderte er am Montag während der Feier in Oslo. Gore erhielt den Friedensnobelpreis gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Weltklimarats, Rajendra Pachauri. In Stockholm nahmen die deutschen Forscher Gerhard Ertl und Peter Grünberg die Nobelpreise für Chemie und Physik entgegen.
Gore erklärte, die Menschheit müsse sich schnellstens im Kampf gegen die globale Erwärmung engagieren. „Wir haben angefangen, Krieg gegen die Erde selbst zu führen“, erklärte der Umweltpolitiker. Die Menschen seien „mit einem planetarischen Notstand konfrontiert“, und es sei an der Zeit, „Frieden mit dem Planeten zu schließen“. Gore appellierte vor allem an die USA und China, „kühnste Schritte“ gegen den fortschreitenden Klimawandel einzuleiten. Andernfalls würden sie von der Geschichte dafür zur Verantwortung gezogen, nichts getan zu haben.
Mit Blick auf die Weltklimakonferenz auf Bali, wo Delegierte aus rund 190 Ländern noch bis Ende der Woche über ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll zur Reduzierung von Treibhausgasen beraten, forderte Gore, ein solches Abkommen müsse schon 2010 fertiggestellt sein – zwei Jahre früher als geplant. Alle drei Monate sollten Regierungsvertreter zu entsprechenden Verhandlungen zusammentreffen.
Pachauri, der den Nobelpreis im Namen des Weltklimarats (IPCC) entgegennahm, machte noch einmal eindringlich deutlich, welche Folgen ein Temperaturanstieg haben könnte. Alle Tier- und Pflanzenarten sowie die Menschheit müssten enorm leiden, sollte „das Erbe unserer natürlichen Ressourcen“ nicht geschützt werden. Pachauri und Gore werden in den kommenden Tagen auf Bali erwartet.
Gore sagte vor der Zeremonie in Oslo, er sei davon überzeugt, dass der nächste Präsident der USA eine andere Klimapolitik machen werde als George W. Bush. „Der neue Präsident, welche Partei auch immer die Wahl gewinnt, wird wahrscheinlich die Haltung zur Klima-Krise ändern. Ich glaube, die USA werden bald eine konstruktivere Rolle spielen.“ Bush hat die Unterschrift zum Kyoto-Protokoll verweigert und lehnt verbindliche Vorgaben für die Reduzierung des CO2-Ausstoßes ab.
Ertl erhielt vom schwedischen König Carl XVI. Gustaf für seine systematische Grundlagenforschung im Bereich der Oberflächenchemie den Nobelpreis für Chemie. Grünberg und der Franzose Albert Fert wurden für ihre Arbeiten zur Steigerung der Leistungsfähigkeit von Computer-Festplatten mit dem Physikpreis ausgezeichnet.
Der Literaturnobelpreis ging an die britische Schriftstellerin Doris Lessing. Die 88-Jährige nahm aus Gesundheitsgründen allerdings nicht an der Verleihung teil. Der Zeremonie fern blieb auch der 90 Jahre alte US-Amerikaner Leonid Hurwicz, der sich mit seinen Landsleuten Eric Maskin und Roger Myerson den Nobelpreis für Wirtschaft teilt. Den Medizin-Nobelpreis nahmen die beiden US-Forscher Mario R. Capecchi und Oliver Smithies sowie der Brite Sir Martin J. Evans entgegen.
Die Auszeichnungen wurden traditionell am Todestag des Stifters Alfred Nobel übergeben, der am 10. Dezember 1896 starb. Die Gewinner der mit jeweils zehn Millionen Kronen (1,1 Millionen Euro) dotierten Preise wurden Anfang Oktober bekanntgegeben. Die Preisträger erhalten zudem ein Diplom und eine Goldmedaille. (AP)
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