Panorama - Aktuelle Nachrichten – Noch 22 Tage bis Heiligabend „Viele Menschen sind nicht gut vernetzt“ – Daniel Rademacher
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Aktuelle Nachrichten – Panorama

Telefonseelsorge Noch 22 Tage bis Heiligabend „Viele Menschen sind nicht gut vernetzt“

Daniel Rademacher

02.12.2009

Frankfurt/Main – Für viele Menschen ist Weihnachten alles andere als ein besinnliches Fest. Das wissen allen voran die Mitarbeiter der Telefonseelsorge. Gerade das Jahresende ist für viele die Zeit, Bilanz zu ziehen und über Defizite des eigenen Lebens nachzudenken. Um dunkle Stunden erst gar nicht aufkommen zu lassen, empfehlen die Seelsorger, Vorbereitungen zu treffen und die Festtage nicht über sich hereinbrechen zu lassen.

Unmittelbar vor Heiligabend hält sich der Andrang an den Telefonen noch in Grenzen, wie Erich Biel von der katholischen Seite der ökumenisch organisierten Telefonseelsorge erläutert. „Viele Probleme und Konflikte kommen dann am ersten oder zweiten Feiertag.“

Die Folgen der Wirtschaftskrise spielt in den Gesprächen, die er und seine bundesweit rund 7.500 vorwiegend ehrenamtlich tätigen Kollegen in diesen Tagen führen, eine immer größere Rolle. „Die Krise ist häufig wie eine unterschwellige Besorgnis spürbar. Das große Problem ist die Undurchschaubarkeit der komplexen Zusammenhänge für viele Menschen und ihre empfundene Hilflosigkeit“, betont Biel, der auch die Telefonseelsorge in Freiburg leitet.

Mehr als 50-jährige Geschichte in Deutschland

Das von beiden großen Kirchen getragene Beratungsangebot blickt in Deutschland auf eine mehr als 50-jährige Geschichte zurück: Der Berliner Arzt, Pfarrer und Psychotherapeut Klaus Thomas veröffentlichte in den 1950er Jahren eine Telefonnummer für „ärztliche Lebensmüdenberatung“. Damals galt Berlin als Stadt mit der höchsten Suizidrate in ganz Deutschland.

Ratsuchende können die insgesamt 105 Dienststellen über zwei kostenlose Rufnummern erreichen: 0800-1110111 oder 0800-1110222. Die Mitarbeiter sind rund um die Uhr erreichbar – Anonymität und Vertraulichkeit werden garantiert. Da die Arbeitsstellen mittlerweile an den Rand der technischen Erreichbarkeit gekommen sind, sollten Betroffene es unter Umständen mehrfach probieren.

Seelsorger Biel schätzt die Gesamtzahl der Anrufe pro Jahr auf rund 2,1 Millionen beziehungsweise 5.700 pro Tag. Er und seine Kollegen sind seit vielen Jahren schon zusätzlich über Chat und Mail auf telefonseelsorge.de erreichbar.

Gottesdienst, Konzert oder Spaziergang

Mit Blick auf Weihnachten rät er einsamen Menschen, sich zu wappnen und sich nicht von einem emotionalen Ausnahmezustand überraschen zu lassen: „Viele Menschen sind nicht gut vernetzt. Man sollte sich daher vorbereiten und Kontakte für Weihnachten vereinbaren.“ Als gute Möglichkeit nennt Biel die von Kirchgemeinden in vielen Städten angebotenen Weihnachtsfeiern an den Festtagen und ergänzt: „Auch ein Gottesdienst, der Besuch eines Konzerts oder ein Spaziergang können dabei helfen, trübe Gedanken zu vertreiben.“

http://www.telefonseelsorge.de (AP)

 

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