Aktuelle Nachrichten – Europa
21.09.2008
Bern – Bundesrat Hans-Rudolf Merz muss sich nach einem Kreislaufkollaps im Berner Inselspital notfallmässig am Herzen operieren lassen. Der Gesundheitszustand des Finanzministers, der in ein künstliches Koma versetzt worden war, wurde am Sonntag als kritisch-stabil bezeichnet. Bundesbern reagierte betroffen auf die Nachricht.
Der knapp 66-jährige FDP-Politiker erlitt den Herz-Kreislauf-Stillstand völlig überraschend am (gestrigen) Samstagabend während einer Besprechung in seiner Heimat in Appenzell-Ausserrhoden, wie Bundesratssprecher Oswald Sigg vor den Medien in Bern bekannt gab. Er verlor dabei für einige Minuten das Bewusstsein und wurde ins Spital Herisau gebracht. Später folgte die Überführung ins Kantonsspital St. Gallen. Am Sonntagnachmittag wurde der Magistrat mit einem Helikopter der Schweizerischen Rettungsflugwacht (Rega) ins Berner Inselspital geflogen. Dabei kam erstmals eine auf der Basler Basis stationieret Intraaortale Ballonpumpe (IABP) zum Einsatz, welche die Rega erst im vergangenen Juni für die Unterstützung der Herzleistung von Patienten beschafft hatte. Die Ärzte entschieden sich, Merz bis auf weiteres ins künstliche Koma zu versetzen. Im Inselspital war noch am Sonntag eine Operation geplant, um das Herz zu stabilisieren. Sigg bezeichnete den Zustand des Chefs des Eidgenössischen Finanzdepartements (EFD) als kritisch-stabil.
Bundespräsident Pascal Couchepin sagte seine Reise nach New York, wo er an der UN-Generalversammlung teilnehmen sollte, ab. Der Bundesrat will sich am (morgigen) Montag zu einer Sondersitzung treffen. Dann wird die Regierung voraussichtlich formell beschliessen, dass Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf als stellvertretende Vorsteherin des Eidgenössischen Finanzdepartements (EFD) vorläufig die Amtsgeschäfte von Merz übernehmen wird.
Die Nachricht von den schweren gesundheitlichen Problemen des Finanzministers kam am Sonntag völlig überraschend und löste in Bundesbern grosses Bedauern und Betroffenheit aus. Anzeichen habe es seines Wissens nicht gegeben, sagte Bundesratssprecher Sigg. In einem gleichentags veröffentlichten Interview der Zeitung „Sonntag“ bezeichnete sich der EFD-Chef als fit. Er habe keinen Grund, an Rücktritt zu denken, sagte Merz, der am kommenden 10. November 66 Jahre alt wird. Eine dritte Legislatur werde er aber nicht in Angriff nehmen.
FDP-Präsident Fulvio Pelli zeigte sich tief betroffen und völlig überrascht. „Herr Merz war im Moment wirklich ein Anker der Stabilität für die Schweiz und zwar sowohl für den Bund wie auch, was die Finanzkrise betrifft“, sagte Pelli und wünschte dem Finanzminster rasche Genesung. Diesen Wünschen schlossen sich auch Vertreter der anderen Parteien an. SP-Präsident Christian Levrat zeigte sich aber auch besorgt darüber, dass der gesundheitsbedingte Ausfall des EFD-Chefs mitten in der Finanzkrise und damit im schlechtesten Moment komme. Der Bundesrat müsse nun volle Verantwortung übernehmen. Auch CVP-Präsident Christophe Darbellay reagierte mit grossem Bedauern und tief betroffen auf die Nachricht von den Gesundheitsproblemen des Gesundheitsministers. Die SVP wünsche dem Finanzminister alles Gute und gute Besserung.
Gravierende Gesundheitsprobleme von amtierenden Bundesräten sind eher selten. In Erinnerung ist der Tod von Willi Ritschard am 16. Oktober 1983. Der Solothurner SP-Bundesrat erlag damals auf einer Wanderung völlig überraschend einem Herzversagen. 13 Tage zuvor hatte er seinen Rücktritt aus dem Bundesrat angekündigt. Aber auch die Bundesräte Rudolf Friedrich, Jean-Pascal Delamuraz, Rene Felber, Otto Stich und Joseph Deiss hatten gesundheitliche Probleme. (AP)
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