Aktuelle Nachrichten – International
19.07.2008
Kabul – Der US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama ist zum Auftakt einer umfassenden Auslandsreise am Samstag in Afghanistan eingetroffen. Obama sei am Nachmittag (Ortszeit) in Kabul gelandet, sagte ein Sprecher des demokratischen Politikers. Der Senator von Illinois reiste als Teil einer offiziellen Kongress-Delegation an den Hindukusch. Es ist sein erster Besuch in Afghanistan, anschließend will er in den Irak weiterfliegen. Im Rahmen seiner Reise wird er nächste Woche auch Berlin besuchen.
Obama besuchte in Afghanistan nach Militärangaben zunächst die US-Truppen in Dschalalabad in der östlichen Provinz Nangarhar und in Bagram. Er sprach dort mit Vertretern der Streitkräfte und traf mit Soldaten zusammen. Auf dem Weg nach Afghanistan hatte er einen kurzen Zwischenstopp in Kuwait eingelegt.
Geplant war auch ein Treffen Obamas mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai und im Irak mit Ministerpräsident Nuri al-Maliki. Vor seinem Abflug hatte der Senator gesagt, er wolle erfahren, was in Afghanistan und im Irak die dringlichsten Probleme seien. Außerdem wolle er den Truppen dort „für ihre heldenhafte Arbeit“ danken. Obama hat sich für eine deutliche Verstärkung der US-Truppen in Afghanistan und einen Abzug der Soldaten aus dem Irak ausgesprochen.
Er wolle mehr zuhören als selbst reden, erklärte Obama und betonte, er reise als Senator in die beiden Länder. Sein Sprecher Robert Gibbs stellte klar, der Auslandsbesuch knapp vier Monate vor der Präsidentenwahl sei keine Wahlkampfreise. Obama gehe es um substanzielle Treffen mit „unseren Freunden und Verbündeten“, bei denen gemeinsame Herausforderungen und Gefahren für die Sicherheit im 21. Jahrhundert Thema sein sollten. Begleitet wird Obama von Senator Jack Reed von seiner Demokratischen Partei und dem republikanischen Senator Chuck Hagel.
Der irakische Ministerpräsident Al-Maliki unterstützt laut einem Bericht des „Spiegels“ Obamas Plan, die US-Truppen binnen 16 Monaten aus dem Land abzuziehen. Das wäre „der richtige Zeitraum für den Abzug, geringe Abweichungen vorbehalten“, zitierte das Magazin den Regierungschef laut einem Vorabbericht vom Samstag. Wer im Irak mit kurzen Fristen rechne, sei „näher an der Wirklichkeit“, die Stationierung der amerikanischen Truppen zu verlängern, würde dagegen Probleme bereiten. Die US-Streitkräfte sollten den Irak „so bald wie möglich“ verlassen, sagte Al-Maliki.
Die USA hätten sich bislang schwer getan, einem konkreten Zeitplan für den Truppenabzug zuzustimmen, „weil ihnen das wie das Eingeständnis einer Niederlage vorkommt“, wurde der Ministerpräsident weiter zitiert. „So ist es aber nicht.“
Die außenpolitische Chefberaterin Obamas forderte unterdessen ein stärkeres Engagement der Europäer in Afghanistan und in Pakistan. Susan Rice sagte laut einem „Spiegel“-Vorabbericht, für weitere halbherzige Schritte Europas und der USA sei später ein hoher Preis zu zahlen.
Die Lage in Pakistan und Afghanistan stellt laut Rice für Europa und die USA derzeit die größte Gefahr dar. „Die USA müssen mehr Ressourcen und Truppen schicken – aber die NATO sollte das auch tun.“ Und die Bündnistruppen sollten nicht durch Beschränkungen gehemmt werden, wo und wie sie eingesetzt werden dürften. (AP)
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