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Taschendiebstähle Obdachlose, Bettlerbanden und Weihnachtsmärkte

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19.11.2011

Weihnachtsmärkte - Besucher sind die Zielscheibe von Bettlerbanden. Damit verderben die Bettlerbanden dem ordentlichen Bettler ordentlich das Geschäft. Foto: AP Photo/Gero Breloer
Weihnachtsmärkte - Besucher sind die Zielscheibe von Bettlerbanden. Damit verderben die Bettlerbanden dem ordentlichen Bettler ordentlich das Geschäft.

Foto: AP Photo/Gero Breloer

Berlin – Die gesellschaftliche Toleranz gegenüber Obdachlosen ist nach Beobachtung von Soziologen in den vergangenen Jahren gesunken. In einer Gesellschaft, die sehr auf Leistung, Konkurrenz und Erfolg ausgerichtet sei, nehme die Toleranz gegenüber Obdachlosen ab, sagte der Magdeburger Soziologe Titus Simon. Geht es jedoch konkret ums Betteln zeigen sich die deutschen Behörden vielerorts großzügig. Das "stille Betteln" ist in zahlreichen Städten geduldet, wie eine Umfrage ergab. Bettlerbanden, die Einkäufern nachstellen, rufen dagegen die Polizei auf den Plan.

Ein härteres Durchgreifen gegen Bettler als noch vor Jahren sei aber insgesamt nicht zu beobachten, sagte Simon, der die Situation von Obdachlosen bundesweit untersuchte. Viele Menschen wollten nicht damit konfrontiert werden, dass Menschen zum Überleben betteln müssten, bestätigte der Leiter der Nationalen Armutskonferenz (nak) Thomas Beyer. Willkürlich vertrieben würden die Obdachlosen aber nicht. Die Kommunen unterschieden zwischen gewerbsmäßig tätigen Bettlerbanden und individuellen Hilfebedürftigen.

Frankfurt beklagt vermehrt Bettler aus Osteuropa

Beispiele dafür sind die Städte Stuttgart, Frankfurt am Main, Berlin und Hamburg. Um Geld zu bitten, sei grundsätzlich erlaubt, sagte ein Polizeisprecher in Stuttgart. Der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Stuttgart ist ebenfalls keine Anordnung bekannt, nach der obdachlose Bettler aus der Innenstadt vertrieben werden. Wer jedoch durch aggressives Betteln und Belästigung der Passanten auffalle, werde vor Weihnachten genauso wie zur jeder anderen Jahreszeit des Platzes verwiesen, fügte der Polizeisprecher hinzu.

In Berlin seien die Beschwerden über das ganze Jahr "gleich niedrig", sagte ein Mitarbeiter des Straßenmagazins "motz". Auffällig sei dieses Jahr, dass die Polizei sehr freundlich mit Obdachlosen umgehe und sogar den Wärmebus anrufe, sagte Rüdiger Kunz, Sprecher des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Allerdings hielten sich die Menschen auch bewusst an Plätzen auf, an denen es keine Schwierigkeiten gebe, erklärte eine Sprecherin der Stadtmission. Gemieden würden Bahnhöfe und Luxuskaufhäuser. Einige, die nur eine warme Ecke im Bahnhof suchten, würden "gleich weggeschickt", bestätigte Kunz.

In Frankfurt am Main fragen Obdachlose vor allem auf der Einkaufsmeile Zeil nach Geld. Während der Weihnachtszeit steigen die Beschwerden über Obdachlose nach Angaben des Ordnungsamts nicht merklich an. "Wir haben nicht mehr Arbeit als sonst", sagte Sprecher Ralph Rohr. Nur bei aggressivem Betteln oder dem Präsentieren von Gebrechen würden die Menschen aufgefordert, den Platz zu räumen. Zu den aufdringlichen Bettlern gehörten kriminelle Banden aus Osteuropa. Ladenbesitzer rufen Rohr zufolge beim Ordnungsamt an, wenn ein Bettler längere Zeit ausschließlich vor ihrem Geschäft um Spenden bittet.

Mehr Bettlerbanden auf Hamburger Weihnachtsmarkt

Hamburg klagt verstärkt über Bettlerbanden. Die Trupps hätten in den vergangenen Jahren zugenommen, vor allem auf Weihnachtsmärkten, sagte der Sprecher des Bezirksamts Mitte, Lars Schmidt-von-Koss. Grundsätzlich verboten ist in Hamburg das Übernachten auf städtischen Grünflächen und in Wohnanlagen. Sonst dürften sie sich nach dem Gesetz überall aufhalten. Das Bezirksamt könne jedoch Bettler vertreiben, wenn diese randalierten oder die Gegend vermüllten.

Die Städte Leipzig und Schwerin haben eigenen Angaben zufolge kein Problem mit Bettlern. Wenn es in Schwerin welche gebe, seien diese nicht aggressiv und daher geduldet, sagte eine Stadtsprecherin. In Leipzig bäten nur die Straßenmusiker um Spenden, wechselten aber gewöhnlich nach einiger Zeit selbst ihren Standort.

(dapd)

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